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Dieser Artikel: Ausgabe 08/2006 vom 19.02.2006
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ZEITZEICHEN


Ohne Fidentinus wäre alles anders gekommen. Zweitausend Jahre - ein paar mehr oder weniger vielleicht - ist es her, als dieser Fidentinus dafür sorgte, dass wir uns heute an dem Begriff »Plagiat« erfreuen können. Es war ein Streit unter Dichtern: Fidentinus (von dem die Geschichte nicht viel mehr als seinen Namen kennt) schrieb Gedichte seines populären Poeten-Kollegen Martial einfach ab und veröffentlichte sie als eigene Schöpfungen. Dumm nur, dass er dabei von dem eigentlichen Urheber ertappt wurde. Der Bestohlene verglich den Verseklau mit Menschenraub (lateinisch plagium), und so bereicherte er die Sprache von Dichtern und Denkern um ein neues Wort...

Weshalb dieser Ausflug in die Antike? Zum dreißigsten Mal wurde dieser Tage der »Plagiarius« verliehen - ein Negativpreis für besonders dreiste Produktfälschungen, aus der Taufe gehoben von einem Ulmer Designer, der 1977 bei einer internationalen Messe die exakte Kopie einer seiner Kreationen entdeckte. Im Eifer schoss das »Plagiarius«-Team diesmal über das Ziel hinaus: Die zweifelhafte Ehre wurde auch dem Modell eines ICE-Triebwagens zuteil. »Bestohlen« fühlte sich wohl ein Marktführer in Sachen Modelleisenbahnen - für das Originaldesign steht indes der Zug der Deutschen Bahn. Wer stahl da was von wem?

Und da wäre noch Friedrich Merz. Der CDU-Politiker hat am vorigen Wochenende bei seiner Antrittsrede als neuer Träger des »Ordens wider den tierischen Ernst« Beifall mit Pointen eingeheimst, die er aus einem Internet-Satiremagazin abgeschrieben hatte. Um ein offenes Eingeständnis druckste der moderne Fidentinus freilich am Montag noch herum. Immerhin: Die drei Jahre alte »Urschrift« ist jetzt wieder online nachzulesen. Martial hätte seine Freude.

  Internet: Original-Text des Satiremagazins  zyn.de - spiegel.de:  Wie Friedrich Merz die Rede mopste

wl

 


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/news/aktuell/2006_08_07_01.htm
abgerufen 09.02.2012 - 00:07 Uhr

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