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Dieser Artikel: Ausgabe 08/2006 vom 19.02.2006
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Krise im Abseits

Erwartungen an die Vollversammlung des Weltkirchenrats

Von Lutz Taubert

Die letzte Chance! So titelt die eher konservative Welt. Und die linke TAZ prophezeit das Hinabsinken in die Bedeutungslosigkeit.

Gemeint ist der ÖRK, der Ökumenische Rat der Kirchen, bei uns auch als Weltkirchenrat bekannt, der in diesen Tagen (noch bis einschließlich 23. Februar) seine Vollversammlung abhält. Es steht also viel, ja alles auf dem Spiel, wenn wir den weltlichen Beo­bachtern glauben.

Der Weltkirchenrat hatte ohne Frage seine hohe Zeit. Er war vielleicht der früheste Vorbote der Globalisierung, selber ein Global Player, der nun durch die Zeitläufte ins Hintertreffen des Weltgeschehens geriet. Der Ort der Vollversammlung, Porto Allegre in Brasilien, liegt - dies ist durchaus symbolisch zu interpretieren - ein wenig abseits der Brennpunkte, ja Frontlinien des aktuellen religiös-ethischen Geschehens auf dieser Welt, die von Europa aus gesehen, irgendwo im Südosten auszumachen sind.

Dabei war die Entwicklung des ÖRK von Anfang her erst einmal eine unerhörte, in der Nachkriegszeit neuartige, ja moderne Erfolgsgeschichte hin zu Weltgröße und vor allem zur globalen Pluralität: Heute vertritt der ÖRK eine halbe Milliarde Christen rund um den Erdball. In ihm sind 347 christliche Kirchen aus mehr als 120 Ländern engagiert.

Auch wurde der ÖRK so etwas wie das föderal-heterogene Gegenmodell zur römisch-katholischen Weltkirche, die im ÖRK zwar mitarbeitet, aber nie Vollmitglied werden könnte. Nun aber scheint ausgerechnet seine bunte Vielfalt, die stets seinen Charme ausmachte und ihm auch Legitimität verlieh, der Grund, weshalb der Weltkirchenrat nicht mehr floriert.

Denn die Vielfalt führt nun einmal nicht zur Einheit, und das daraufhin gezimmerte Behelfskonzept einer »versöhnten Verschiedenheit« kaschiert nur den Dissens zwischen Nord und Süd, zwischen tradinionellen und eher missionarischen Kirchen oder auch zwischen den russisch-orthodoxen und den anderen ÖRK-Kirchen, die derzeit nicht mehr gemeinsam Gottesdienst feiern.

Was könnte eine gemeinsame theologische Vision sein? Neben der theologischen Kärnerarbeit ist vor allem die Rückbesinnung da­rauf angebracht, dass Kirchen, ja Religionen eine durchaus politische Verantwortung in der und für die Welt haben - jenseits theologischer Differenzen.

Die alte Idee eines Konzils der Kirchen, oder gleich eine Weltversammlung der Religionen scheint derzeit die einzige Idee zu sein, die auch in die Zukunft weist.

So sollten wir die ÖRK-Vollversammlung in Brasilien vor allem daran messen, ob sie ihren Beitrag zum zwingend notwendigen Dialog der Religionen leistet.

 


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abgerufen 08.02.2012 - 12:12 Uhr

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