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Dieser Artikel: Ausgabe 51/2005 vom 18.12.2005
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Gute Verbindung

Warum es sich lohnt, bayerischen Gefangenen für ein Jahr das Sonntagsblatt zu schenken


Sonntagsblatt und Gefängnis - wie passt das zusammen? Gut, findet Bernd Blum, der seit drei Jahren evangelischer Gefängnisseelsorger in der JVA Bernau am Chiemsee ist: »Das Sonntagsblatt ist für viele Gefangenen ein roter Faden, eine gute Verbindung in die Welt draußen.«

Vorbereitung auf das Leben in Freiheit: Das Sonntagsblatt ist für viele Gefangene ein unverzichtbarer Begleiter.
Foto: sob
   Vorbereitung auf das Leben in Freiheit: Das Sonntagsblatt ist für viele Gefangene ein unverzichtbarer Begleiter.

Vor jedem Sonntagsgottesdienst in der Anstaltskapelle legt Pfarrer Blum die 20 Sonntagsblätter, die er jede Woche bekommt, auf den kleinen Schriftenstand neben dem Ausgang. Nicht nur in der Adventszeit, in der rund 40 Gefangene in den Gottesdienst kommen, sind die Zeitungen hinterher alle weg. »Für Kranke oder Gefangene auf Sonderabteilungen muss ich vorher Exemplare zurücklegen«, sagt Bernd Blum, »zehn Sonntagsblätter mehr könnte ich gut gebrauchen.«

Dass die Insassen der Justizvollzugsanstalt Bernau die Evangelische Wochenzeitung sehr genau lesen, merkt der Pfarrer beim wöchentlichen Glaubensgespräch: »Da kommen viele Hinweise auf Artikel im Sonntagsblatt - sogar meine Sonntagspredigt wird mit der Andacht verglichen.« Er selbst mache die Gefangenen in den Abkündigungen auf manches aufmerksam, was im Blatt steht. »Das Sonntagsblatt«, sagt Blum, »ist hier im Gefängnis auch eine Hilfe, um Menschen ins Gespräch zu bringen.«

In der JVA Bernau sind rund 900 Männer inhaftiert, die zum wiederholten Mal straffällig geworden sind. Die Palette der Delikte reicht vom Betrug bis zur Sexualstraftat. Bis zu drei Jahre Haft verbüßen die Gefangenen hier. Der Pfarrer ist für sie ein wichtiger Ansprechpartner: Bei ihm können sie ohne Vorbehalte sprechen, denn Bernd Blum ist zum Schweigen verpflichtet. Nichts aus den Gesprächen wird aktenkundig. In die wöchentliche Sprechstunde kommen zwölf bis 15 Gefangene mit kleineren Anfragen. Für längere Gespräche besucht Blum die Männer auf ihren Zellen. Auch für deren Angehörige und für das Wachpersonal hat er ein offenes Ohr. Zu den Höhepunkten der Gefängnisseelsorge in Bernau gehören die bewachten Wanderungen im Sommer, zum Beispiel zum traditionellen Berggottesdienst auf der Kampenwand, und das Eheseminar.

Einmal im Vierteljahr lädt Pfarrer Blum zum Partnertag ins Gefängnis ein. 30 bis 40 Paare melden sich jedes Mal dafür an, nur acht können teilnehmen. Sein Ziel ist es, auf beiden Seiten Verständnis zu wecken: für die Situation der Gefangenen »drinnen«, für die Schwierigkeiten der Ehefrauen oder Partnerinnen »draußen«. Die Frage der Treue quält viele Gefangene, ihre Partnerinnen und Kinder dagegen sehen sich mit gesellschaftlicher Ausgrenzung oder Hänseleien konfrontiert. In Kleingruppen und im Plenum geht es beim Eheseminar um faires Streiten und den Umgang mit Konflikten. »An so einem Tag lernt man die schwierigsten Gefangenen von einer ganz anderen Seite kennen«, sagt der Pfarrer.

Vorbereitung auf ein neues Leben

Die Arbeit im Gefängnis erfüllt Bernd Blum, der schon Militärpfarrer in Bad Reichenhall und Gemeindepfarrer in Übersee am Chiemsee war, mit Dankbarkeit. »Es ist eine Freude, im Gefängnis Gottesdienst zu halten: Man spürt, wie die Gefangenen mitgehen, und dass sie Trost und Zuspruch für ihr Leben finden.«

Auch außerhalb der Anstaltskapelle sind kleine Gesten der Aufmerksamkeit für die Männer lebenswichtig: ein kurzes Gespräch im Vorübergehen, eine Zigarette, ein Lächeln. Blum sieht in den Gefangenen nicht nur die Straftäter, sondern vor allem auch Menschen, die Hilfe brauchen. »Die Männer sind bestraft - jetzt ist es unsere Aufgabe, sie wieder dem Leben zuzuführen.« Glaubensgespräche, Gottesdienste und Eheseminare können dabei helfen - und auch die Lektüre des Sonntagsblattes, als gute Verbindung in die Welt »draußen«.

GESCHENK-ABO

Schenken Sie einem Gefangenen ein Jahr das Sonntagsblatt!

Für viele Gefangene in den bayerischen Justizvollzugsanstalten ist das Sonntagsblatt neben dem Gottesdienst und der Gefängnisseelsorge der einzige Kontakt zur Kirche, oft aber überhaupt die einzige Verbindung nach draußen. Mit der einmaligen Spende eines  Jahresabonnements können Sie vielen Gefangenen bei ihrer Neuorientierung helfen. Helfen Sie mit, dass im nächsten Jahr jeder evangelische Häftling in Bayern das Sonntagsblatt lesen kann!

Ihre Sonntagsblatt-Redaktion

Susanne Petersen

 


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abgerufen 08.02.2012 - 10:59 Uhr

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