»Es ist noch nicht vorbei«
Der evangelische Pfarrer Bartel betreut in Thailand Tsunami-Überlebende
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epd
 Nicht nur als Seelsorger gefragt: Pfarrer Burkhard Bartel - hier mit Fotos von Überlebenden der Flutkatastrophe im Krankenhaus in Takuapa am Nordende der Küste von Khao Lak in Thailand.
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Dieses Jahr an Weihnachten steht Pfarrer Burkhard Bartel vor einer schwierigen Aufgabe. Nicht nur zum Ereignis in Bethlehem vor gut 2000 Jahren muss der evangelische Pfarrer in Thailand Worte finden. Er steht in den Gottesdiensten an den Weihnachtstagen Menschen gegenüber, die genau ein Jahr zuvor die schlimmste Erfahrung ihres bisherigen Lebens gemacht haben. Tsunami - das Wort, das vor dem 26. Dezember 2004 nur Fachleute kannten, ist zum Inbegriff von Katastrophe geworden.
»Wie ich das zusammenbringen soll, weiß ich noch nicht so recht«, gibt Bartel zu, der seit zwei Jahren die deutschsprachigen evangelischen Gemeinden in Thailand betreut. Zumindest in einem Punkt ist er sich sicher: »Der Tsunami ist noch nicht vorbei.« Zwar ist der Wiederaufbau in den Ferienparadiesen Thailands so gut wie abgeschlossen. Aber in den Menschen wirkt die Katastrophe immer noch fort.
Als die riesige Flutwelle die Hotels in dem bei Deutschen besonders beliebten Strandort Khao Lak und an anderen Küstenabschnitten des Indischen Ozeans überrollte, befand sich der jetzt 52-jährige Pfarrer mit seiner Familie auf dem Weg in den Urlaub. Er kehrte um und fuhr ins Katastrophengebiet.
Seitdem hat Bartel die Strecke von 1000 Kilometer zwischen der Hauptstadt Bangkok, seinem Hauptsitz, und Khao Lak häufig zurückgelegt. Partnergemeinden in Deutschland spendeten 200000 Euro. Die Hälfte davon ist mittlerweile ausgegeben. Die Gemeinde half einem Thailänder, der seine Frau und eine Tochter durch den Tsunami verloren hat. Er selbst wurde schwer verletzt und musste operiert werden. Das hätte der Mann nicht bezahlen können. Das Hotel, in dem er arbeitete, existiert nicht mehr.
Die evangelischen Gemeinden kümmerten sich auch um weitere Überlebende der Katastrophe, besorgten Boote für Fischer und Stromgeneratoren. Bartel kann es nicht verhehlen: »Durch den Tsunami hatten wir unglaublich viel Arbeit.« Er war nicht nur als Seelsorger gefragt. Die deutsche Botschaft wandte sich an Bartel, ebenso Hilfsorganisationen und Fernsehsender, die ein Live-Interview haben wollten. Doch gleichzeitig habe er sehr nah bei den trauernden Menschen sein können. »Es gab sehr bewegende Momente, die mich beflügelt haben, nicht aufzuhören.« Auch wenn die Hilfsorganisationen wieder abzögen, Projekte eingestellt würden, die Überlebenden brauchten weiterhin Hilfe.
Zugleich wollen die Einheimischen vergessen. Zurück zur Normalität. Hotels wurden wieder aufgebaut. An einigen Stellen streitet man sich um Landbesitz. Hotelketten schneiden dabei meistens besser ab als arme thailändische Familien. Doch gerührt erzählt Bartel vom Strand, der nach dem Tsunami verwüstet war. Die Thais haben ihre kleinen Imbissbuden und Souvenirläden wieder aufgebaut, genauso provisorisch wie vorher. Und warten auf Touristen. | TSUNAMI-KATASTROPHE
AM 26. DEZEMBER 2004, um 7.58 Uhr erschüttert vor der Küste Sumatras ein Seebeben den Indischen Ozean - 9,0 auf der Richterskala. Kurz darauf zieht sich das Meer zurück - um sich wenig später als gigantische Flutwelle über das Land zu ergießen.
WEITE TEILE DER KÜSTE Südostasiens werden überflutet: Thailand, Birma, Malaysia. Anschließend rollt die Wasserwand auf Sri Lanka, Indien und die Malediven zu. Selbst in Ostafrika wird die Küste überspült.
MEHR ALS 180.000 TOTE werden gezählt, zählt man die Vermissten hinzu, beläuft sich die Opferzahl auf mehr als 230.000.
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