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Dieser Artikel: Ausgabe 51/2005 vom 18.12.2005
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ZEITZEICHEN


Böse Zungen behaupten ja, dass die moderne Spendenbeschaffung an Johann Tetzels Ablasshandel erinnere. Und in der Tat: Der überlieferte Satz des Mönches »Sobald der Gülden im Becken klingt im huy die Seel im Himmel springt«, kann in seiner spätmittelalterlichen Sprachkraft durchaus mit den von Werbeprofis entwickelten Slogans der Neuzeit konkurrieren. »Gutes tun und auch darüber reden« lautet das aktuelle Motto, dessen Auswirkungen in den Tagen vor Weihnachten deutlich werden. Bene­fiz-Galas und Spendenbriefe, Wohltätigkeitsveranstaltungen und Sammelaktionen verstopfen Briefkästen, Fernsehprogramme, Tageszeitungen.

Dabei werden in Deutschland eher kleine Plätzchen gebacken, wenn es um die Bereitschaft zur freiwilligen Gabe geht. Nach Schätzungen des Deutschen Spendenrats stag­niert die Summe seit Jahren bei rund 2,5 Milliarden Euro. Aber der Bedarf wächst und wächst. Jahr für Jahr balgen sich mehr Vereine, Stiftungen, Gemeinden, Opernhäuser, Schulen, Universitäten um diese Summe. Einzige Profiteure des Verdrängungswettbewerbs aber sind professionelle »Fund­raiser«, die sich gern hinter ihrer englischen Berufsbezeichnung verstecken, weil »Mittelbeschaffer« zu profan und bürokratisch klingen würde.

Wo sich viele »Beschaffer« tummeln, ist Beschaffungskriminalität nicht weit. Wohl deshalb sammeln sich so viele vorweihnachtliche Spendenaufrufe im Junk-Ordner unserer Mailbox - Kettenbriefe für den Papierkorb. Nein, wir haben nichts gegen die »Mittelbeschaffer«, aber auch nichts für sie. Denn unsere Weihnachtsspende wird traditionell und garantiert provisionsfrei am Heiligen Abend im Klingelbeutel landen. Und übrigens: Schon Tetzel hat es damals mit dem Fundraising übertrieben. Die Folgen sind bekannt.

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abgerufen 08.02.2012 - 22:49 Uhr

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