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Dieser Artikel: Ausgabe 51/2005 vom 18.12.2005
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Harte Euros für die Heimat

Was sich hinter einer Statistik der Weltbank verbirgt

Erhard Eppler

Statistiken müssen nicht langweilig sein. Sie können uns auch ein Licht aufstecken. Dies gilt für Zahlen, die wir neuerdings von der Weltbank bekommen.

Danach haben Migranten, also Menschen aus armen Ländern, die in reicheren Arbeit gefunden haben, im letzten Jahr 167 Milliarden US-Dollar nach Hause überwiesen. Dies ist gut das Doppelte dessen, was die Industrieländer an staatlicher Entwicklungshilfe leisten (75 Milliarden). Dabei sind Migranten aus Deutschland wohl weniger beteiligt. Aber wenn in Bosnien-Herzegowina mehr als 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus solchen Überweisungen stammt, dann kommt ein beträchtlicher Teil von Menschen, die nach Deutschland geflohen sind und hier unauffällig, aber fleißig ihre Arbeit tun.

Diese Menschen zeigen uns, was die reichen Länder für die armen tun könnten, aber nicht tun. Seit vor 36 Jahren der Pearson-Bericht erschien, bekennen sich die meisten Industrieländer zum 0,7 Prozent-Ziel, also dazu, dass sie jährlich 0,7 Prozent ihres Sozialprodukts als Entwicklungshilfe nach Süden transferieren wollen. Nur Skandinavier und Niederländer haben dies wirklich versucht. Daher ist die Hilfe für den Süden immer marginal geblieben, weniger wichtig als die Rohstoffpreise im einen, Privatinvestitionen im anderen Land. Und, so erfahren wir jetzt, auch weniger wichtig als das, was an Eltern, Ehepartner oder Kinder nach Hause überwiesen wird.

Weil das so ist, geht für die meisten Ländern die Frage, warum sie trotz Hilfe arm geblieben sind, an der Wirklichkeit vorbei. Interessanter wäre die Frage, ob das Zerbröseln schwarzafrikanischer Staaten und damit das Ende jeder Entwicklung mit der »Hilfe« von außen, zumal den Anpassungsprogrammen des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu tun hat.

Das 21. Jahrhundert dürfte geprägt sein von gewaltigen Migrationswellen, innerhalb von Staaten vom Land in die Slums der Megastädte, aber auch von Lateinamerika in die USA, von Afrika nach Europa. Schon heute schreckt viele das Risiko der Abschiebung, ja des Todes irgendwo im Mittelmeer nicht mehr ab. Die Zahlen der Weltbank machen uns klar, dass es den Verzweifelten, die da Einlass begehren, nicht nur um die eigene Existenz geht, sondern auch um die ihrer Familien. Solange die auf ihre Hilfe angewiesen sind, wird Europa vor allem der Ort sein, wo harte Euros zu verdienen sind, nicht die neue Heimat, für die Neubürger sich mit verantwortlich fühlen.

 


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abgerufen 08.02.2012 - 11:03 Uhr

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