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Dieser Artikel: Ausgabe 48/2005 vom 27.11.2005
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Sag zum Abschied mild die Wahrheit...

Regionalbischof Karl-Heinz Röhlins Bericht vor der Landessynode - Kritische Mahnungen


Seit Jahren gehört eine Umschau im gastgebenden Kirchenkreis durch den zuständigen Regionalbischof zum festen Programm der Landessynode. Für Karl-Heinz Röhlin wurde sein Weißenburger Auftritt ungeplant zu einer bilanzierenden Abschiedsrede. Der 54-Jährige nahm letztmals in einem kirchenleitenden Amt an der Tagung teil.

Mit einem Gottesdienst in der Andreaskirche begann in Weißenburg die Herbsttagung der Bayerischen Landessynode.
Foto: Sauerbeck
   FESTLICHER AUFTAKT: Mit einem Gottesdienst in der Andreaskirche begann in Weißenburg die Herbsttagung der Bayerischen Landessynode. In seiner Predigt ermahnte Imre Szebik, Leitender Bischof der Lutherischen Kirche in Ungarn, »den Globalisierungsprozess zu verlangsamen und die Ausbreitung des verantwortungslosen Nihilismus zu neutralisieren, zu verhindern und zu bremsen.« Der Tagungsort der Synode war mit Bedacht gewählt: Fast auf den Tag genau vor 475 Jahren hatten sich die Bürger in der Andreaskirche in einer Abstimmung zur Reformation bekannt.

 

Er werde das aber, eingedenk von »mitunter mühsamen Diskussionen über Gesetzesvorlagen und Eingaben«, nur bedingt vermissen, gestand Röhlin den Delegierten. Ab März kommenden Jahres wird er Rektor des Pastoralkollegs in Neuendettelsau.

In Weißenburg geizte er nicht mit Lob für die Mitarbeitenden in »seinem« Kirchenkreis: Kompetenz und Engagement, Kreativität und Verantwortungsbewusstsein seien ihm in achtjähriger Tätigkeit auf Schritt und Tritt begegnet. Röhlin nutzte aber auch die Freiheit des freiwillig Scheidenden, manch kritisches Wort zu hinterlassen. Mit Sorge sehe er etwa die wachsende Baulast der Gemeinden, die Erschöpfung von Mitarbeitenden, die schwierige kirchliche Sozialisation künftiger Generationen. »Bestimmte Milieus, wie jüngere Akademiker oder Menschen in Führungspositionen, erreichen wir kaum«, schrieb Röhlin der Kirche ins Stammbuch.

Kritische Töne zur Ökumene

Kritische Worte auch zur Ökumene und zum interreligiösen Dialog: So habe die Suspendierung des Großhabersdorfer Pfarrers Bernhard Kroll nach dem Ökumenischen Kirchentag von Berlin »viel Unverständnis auf beiden Seiten« ausgelöst. In der Frage gemeinsamer Gottesdienste von Katholiken und Protestanten am Sonntagvormittag seien die Ordinariate sehr zurückhaltend, der Pfingstmontag als »Fest der Ökumene« mit gemeinsamen Gottesdiensten gescheitert.

Noch deutlicher Röhlins Worte zum Dialog mit dem Islam: »Eindrücke bei Besuchen in Moscheen bleiben zwiespältig«, merkt der Oberkirchenrat an. Für Gespräche mit Imamen sei man noch immer auf Dolmetscher angewiesen: »Offenbar gehen die Vorgaben der türkischen Religionspolitik und die Bedürfnisse der hier lebenden türkischen Migranten auseinander.«

Die organisatorische Zersplitterung des Islams sei »unübersichtlich«, erfordere aber umso mehr, das Gespräch »mit dialogbereiten muslimischen Partnern« zu suchen. Dabei müsse aber klar sein: »Demokratische Errungenschaften wie Trennung von Religion und Staat, Religionsfreiheit und Gleichberechtigung von Mann und Frau sind nicht verhandelbar.«

Auch aus Begegnungen mit Betriebsräten und Arbeitern aus Firmen der krisengeschüttelten Industrieregion Nürnberg hat Röhlin Lehren gezogen, die er der Synode mitgab. »Die Kirche muss sich deutlich auf die Seite der Globalisierungsverlierer stellen und sich mit Nachdruck für die soziale Komponente der Marktwirtschaft einsetzen,« sagte er.

Weniger ernst gemeint war dagegen das Bedauern des Regionalbischofs, eine »spezielle Form der Kurzvisitation« in den letzten Jahren leider vernachlässigt zu haben - die Besuche bei den Heimspielen des 1.FC Nürnberg: »Unter dem Aspekt der Notfall-Seelsorge wären diese Visitationen dringend nötig gewesen.« Und schließlich fehlte auch nicht der theologische Bogen von seinem Abschied zum Psalm 24, dem Leitvers der Adventszeit (»Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch«): »Oberkirchenräte kommen und gehen. Aber unser Herr kommt.«

SYNODE

 

Themenspecial »Landessynode«

Auf einen Blick: Lesen Sie mehr im Themenspecial zur » Landessynode...

 

DAS STICHWORT

Bayerische Landessynode

  Die Landessynode ist laut Verfassung die kirchliche Volksvertretung in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern.

  Von den 108 Synodalen werden 89 gewählt und 13 berufen. Dazu kommen drei Delegierte aus den Hochschulen und drei Jugenddelegierte mit beratender Stimme. Die Synodalen werden für die Dauer von sechs Jahren gewählt und vertreten die ganze Landeskirche. Sie sind an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen verantwortlich. Für die laufende Synodalperiode bis zum Jahr 2008 wurde die Landessynode im Frühjahr 2002 neu konstituiert.

  Aufgaben: Die Landessynode kann über alle Angelegenheiten der Landeskirche beraten und beschließen. Sie ist das verfassungsgebende Organ der Landeskirche. Die Landessynode beschließt beispielsweise den Haushalt, verabschiedet neue Kirchengesetze oder wählt den Landesbischof. In der Regel tagt die Synode jährlich im Frühjahr und im Herbst in wechselnden bayerischen Städten.

Thomas Greif

 


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/news/aktuell/2005_48_nue_17_01.htm
abgerufen 21.05.2012 - 09:13 Uhr

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