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Dieser Artikel: Ausgabe 38/2005 vom 18.09.2005
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Offene Worte statt feiner Diplomatie

Warum die Evangelische Kirche aus dem Projekt »Einheitsübersetzung« aussteigt

Von Volker Rahn

Nein, eine Schamfrist hat er wirklich nicht verstreichen lassen. Kaum vier Wochen ist es her, da war der Papst im Land der Reformation zu Gast. Jetzt warf Wolfgang Huber, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, den Katholiken die Brocken vor die Füße: Ab sofort ist mit ihm eine Überarbeitung der als ökumenisch geltenden »Einheitsübersezung« der Bibel nicht mehr zu machen.

Selbst das feinste Diplomaten-Deutsch, in dem Huber den Ausstieg der evangelischen Kirche aus der gemeinsamen Übersetzungsarbeit begründete (»Es gab alle erdenklichen Anstrengungen, das jetzt eingetretene Ergebnis zu vermeiden«), mag über eines kaum hinwegtäuschen: Hier ist jemandem der Kragen geplatzt.

Auslöser waren die Vorgaben aus Rom, die die Praxisarbeit an der Erneuerung der gemeinsamen Übersetzung erschwerten. Dass dabei die lateinische Übersetzung der Bibel neben den Urschriften besondere Beachtung finden soll, lässt sich evangelischerseits vielleicht noch verschmerzen.

Weh tut Protestanten indessen, dass in Zweifelsfällen der katholischen Auslegungstradition und ihren Kirchenvätern der Vorzug vor neuen sprachlichen und theologischen Inspirationen gegeben wird.

Absolut inakzeptabel aber ist, dass die Übersetzung ihre Gültigkeit erst durch die Vorlage in Rom erhält. Die katholischen Vertreter wollten - oder konnten zuletzt kein Jota von den Instruktionen aus dem Vatikan abweichen. Hier zog Huber die Notbremse. Und er stutzte damit die »Einheitsübersetzung« auf das zurecht, was sie schon immer war: ein katholisches Buch.

Die erstmals 1978 erschienene »Einheistübersetzung« war eigentlich nie ein ökumenisches Projekt. Das Wort »Einheit« stand missverständlich für die Zusammenarbeit der deutschsprachigen katholischen Bistümer. Hinzugezogen waren lediglich evangelische Fachwissenschaftler. Beachtung fand die Bibelübertragung an der Basis dennoch wegen ihrer guten Lesbarkeit und zeitgemäßen Sprache.

Wenn denn der Streit um die Überarbeitung der »Einheitsübersetzung« am Ende so etwas wie eine ökumenische Zeitansage ist, dann ist vorsichtiger Optimismus angeraten. Die Zeit der feinen Diplomatie und des gekonnten Taktierens scheint vorbei. Stattdessen regiert das offene Wort. Den Nachfahren Martin Luthers dürfte genau das entgegenkommen. Und der deutsche Papst hat dafür bestimmt ein besonderes Ohr.

 


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abgerufen 03.09.2010 - 03:41 Uhr

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