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Dieser Artikel: Ausgabe 23/2005 vom 05.06.2005
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Sagen Sie mal, Sacharja...

Interviews mit Personen der Bibel (123)


Der Prophet Gottes über Schweigen, Stille und den Lärm unserer Zeit

Hubert van Eyck: Genter Altar, Der Prophet Sacharja, 1426.
Foto: sob
   Hubert van Eyck: Genter Altar, Der Prophet Sacharja, 1426.

  ...»alles Fleisch sei stille vor dem Herrn«, haben Sie den Gläubigen gepredigt. Ist das nicht etwas übertrieben? Leidet die Menschheit nicht vielmehr daran, dass viel zu viele Menschen still vor sich hin leben, zu still leiden und zu still lieben? Müssten wir nicht im Gegenteil Menschen ermutigen, dass sie lautstark und selbstbewusst ihre Meinung vertreten?

Sacharja: Selbstbewusst ja, aber bitte, bitte nicht lautstark. Wer etwas zu sagen hat, kann es auch leise tun. Oder gar schweigend.

  Haben Sie ein Gehörproblem?

Sacharja: Vielleicht. Diese vielen Stimmen um mich herum machen mich fertig. Alle reden, alle rufen, alle schreien, niemand hört mehr genau hin. Schrecklich. Kein Wunder, dass Gott sich dann nicht unter die Menschen traut!

  Gott will, dass die Menschen ihn anrufen, zu ihm sprechen!

Sacharja: Ja klar. Aber nicht so laut bitte. In der Stille liegt die Kraft. Stille entfaltet so etwas wie einen Sog. In dem fühlt sich Gott wohl und kommt den Menschen nah.

  Jetzt verstehe ich Ihren Satz: »Alles Fleisch sei stille vor dem Herrn.« Dennoch: In unseren Gottesdiensten rufen jeden Tag - zumindest jeden Sonntag! - Hunderttausende Menschen zu Gott, sie singen, sie beten, sie zitieren Psalmen. Das kann doch Gott nicht als störend empfinden?

Sacharja: Darüber habe ich in meinen Visionen keine Informationen erhalten. Ich weiß nur: Gott verabscheut den Lärm.

  Ihr Propheten-Kollege Amos hat das noch drastischer ausgedrückt: »Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder«, sprach Gott durch seinen Mund.

Sacharja: Ich kenne diese Prophetie. Selbst wenn Gott es wortwörtlich so gesagt haben sollte, hätte ich diesen Satz der Menschheit nicht so ungefiltert wiedergegeben. Mit Polemik kommt auch Gott nicht weiter. Mir hat er gesagt: Wenn ich meinen Messias schicken soll, dann richte den Menschen bitte aus: »Sei stille!«

  Sämtliche Kirchenvertreter meiner Zeit verlangen im Gegenteil von ihren Gläubigen: Seid nicht stille, redet von Eurem Glauben, vom dem, was euch bewegt! Schweigt nicht, wenn es um wichtige Themen geht! Tut euren Mund auf für die Armen!

Sacharja: Ihre Glaubenshüter haben da durchaus Recht. Das fordert auch Gott von uns: nicht zu schweigen, wenn es um die Not geht, um die Hoffnung, um Hilfe. Sie können das Schweigen nd den lautstarken Einspruch nicht gegeneinander ausspielen. Alles hat seine Zeit. Das Schweigen und das Sprechen. Die Stille und das Lautstarke. Aber, lassen Sie mich das hinzufügen: Die Stille soll und wird das letzte Wort haben.

  Warum?

Sacharja: Weil es darauf ankommt, ins eigene Herz zu lauschen. Die innere Stimme ist ungleich wichtiger als das äußerliche Stimmenwirrwarr, das uns den Großteil unserer Tage umgibt. Nach innen horchen können Sie allerdings nur, wenn Sie sich dem akustischen Dauer-Pegel entziehen. Eine Voraussetzung dafür, Gott nahe zu kommen. Und umgekehrt auch: dafür, dass Gott Ihnen nahe kommt.

  Hören Sie mal: Wir Evangelischen sind davon überzeugt, dass uns Gott durch die Predigt nahe kommt! Dass ein Pastor im Gottesdienst eine ViertelStunde schweigen soll, können Sie ja wohl kaum fordern.

Sacharja: Vergessen Sie nicht: Der Pastor, der predigt, hat vorher bereits geschwiegen. Als er sich überlegt hat, wie er das Wort Gottes auslegen soll. Nur wenn er das getan hat, kann er wirklich kraftvoll predigen. Dann wird er - oder sie! - mit wenigen wohl gewählten Worten viel mehr aussagen als ein anderer mit vielen. Gottes Wille kann auch durch Worte zu uns kommen, da gebe ich Ihnen Recht. Doch so sinnvoll das Hören auch sein mag: Es ist bequem. Und lenkt ab. Wenn Gott kommt, dann in der Stille. Und jetzt entschuldigen Sie mich bitte. Mir klingeln die Ohren schon von so vielen Worten...

Eine » Übersicht aller Interviews mit Personen der Bibel finden Sie » hier...

 

ZUR PERSON

Den aus der babylonischen Gefangenschaft nach Jerusalem zurückgekehrten Juden verhieß der Prophet Sacharja (hebr., »Der Herr hat sich erinnert«) zwischen 520 und 518 v. Chr. die Ankunft eines Messias. In Visionen sah Sacharja, dass es dem Volk Israel wieder gut gehen und dass ein Friedensreich anbrechen werde. Diese Voraussagen prägten sich sehr tief in den jüdischen - und christlichen - Glauben ein; die Evangelisten deuteten den von Sacharja namentlich nicht genannten Messias als Jesus.

QUELLE: Sacharja 2,17 (Nachschlagen bei  » bibel-online.net:  Sacharja 2,17

 

@ Haben Sie Fragen an Menschen aus der Bibel? Stellen Sie sie ins Internet unter:  www.sagen-sie-mal.de

Uwe Birnstein

 


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abgerufen 11.03.2010 - 21:23 Uhr

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