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Dieser Artikel: Ausgabe 20/2005 vom 15.05.2005
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Wittenberg, Luther und die Nazis

Ausstellung in Jerusalem / Symposium für Palästinenser


Wie die Nationalsozialisten die Lutherstadt Wittenberg und den Reformator Martin Luther zur Selbstdarstellung benutzt haben, das ist das Kernthema einer Ausstellung, die jetzt in der Lutherischen Erlöserkirche in Jerusalem eröffnet wurde.

September 1933: Oberbürgermeister Werner Faber und der in Wittenberg zum Reichsbischof gewählte Ludwig Müller vor dem Wittenberger Rathaus.
Foto: Katalog
   September 1933: Oberbürgermeister Werner Faber und der in Wittenberg zum Reichsbischof gewählte Ludwig Müller vor dem Wittenberger Rathaus.

Wer das Erbe der Reformation akzeptiere, müsse sich mit jenen Schriften des Reformators befassen, »die im Dritten Reich benutzt wurden, um die Juden zu diskriminieren und zu verfolgen«, heißt es in der offiziellen Einladung.

Die Ausstellung, die von der Landeszentrale für Politische Bildung in Sachsen-Anhalt und dem Luther-Zentrum in Wittenberg ini­tiiert wurde, zeigt die Entwicklung und Zerstörung jüdischen Lebens in Wittenberg zwischen 1933 und 1945. Die Ausstellung geht auf einen Impuls aus der evangelischen Gemeinde Wittenbergs im Luther-Jahr 1983 zurück, als man anlässlich des 45. Jahrestags der Reichspogromnacht feststellte, dass über die Schicksale der betroffenen Wittenberger Juden fast nichts bekannt war.

Die Jerusalemer Erlöserkirche befindet sich an der Schnittstelle des jüdischen, armenischen, christlichen und muslimischen Viertels der Altstadt. Mit den verschiedenen Gemeinden unter ihrem Dach versteht sich vor allem die deutschsprachige Gemeinde als »Brücke zwischen den Kulturen«.

Für den 23. Mai ist mit Beteiligung der arabischen Gemeinde in der Erlöserkirche ein Symposium für Palästinenser geplant. »Einige Palästinenser sehen den Holocaust positiv und grüßen Deutsche mit einem Heil Hitler«, erläuterte der für die Organisation der Ausstellung in Jerusalem verantwortliche Wolfram Buchholz, Verwaltungsleiter der evangelischen Stiftungen in Jerusalem. Andere glaubten dagegen, dass die Palästinenser ohne den Holocaust »bis heute in Frieden leben könnten«, weil ansonsten der Staat Israel nicht entstanden wäre. Eine dritte Gruppe, so Buchholz, setze die Israelis mit den Nazis gleich, verleugne aber gleichzeitig die Nazi-Verbrechen.

Bei dem Symposium soll Buchholz, der den Katalog ins Arabische übersetzte, von seiner Erfahrung erzählen. Für ihn sei die Beschäftigung mit der Geschichte der Juden in Wittenberg während des Dritten Reiches »eine völlig neue Erfahrung« gewesen. Eingeladen ist auch Khaled Mahameed, der im März in Nazareth das »erste Holocaust-Museum in der arabischen Welt« eröffnet hat. Der palästinensische Rechtsanwalt ist für sein Museum ( www.alkaritha.org) von jüdischer wie von arabischer Seite mit Zustimmung, teils aber auch mit heftiger Kritik bedacht worden.

 

Kirche und Nationalsozialismus

Kirche und Nationalsozialismus (Bild: Dietrich Bonhoeffer und »Reichsbischof« Ludwig Müller)

Weitere Beiträge zum Thema »Kirche und Nationalsozialismus« finden Sie » hier.

 

 

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Ulrich W. Sahm

 


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abgerufen 08.02.2012 - 12:11 Uhr

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