Der Rache ausgeliefert
Als die russischen Soldaten in die elterliche Mühle kamen
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 Bodo Sengstock mit Schwester Renate und Eltern 1945.
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Im März 1945 bekamen wir in Hinterpommern die Erlaubnis zur Flucht. Es war noch Winter und es lag hoher Schnee. In aller Eile wurde auf dem Gut in Lupow, Kreis Stolp, ein Treck zusammengestellt. Das Militär war auf dem Rückzug in Richtung Danzig. Und so waren die Straßen von Militärkolonnen und Flüchtlingen verstopft. Bereits hier haben sich menschliche Tragödien abgespielt. Als wir mit unserem Treck vor Grumbkow standen, hörten wir lautes Schießen, im Dorf waren bereits russische Panzer.
Also zurück nach Lupow. Als wir zur Mühle kamen - hier war mein Vater Müllermeister gewesen -, war unsere Wohnung von den Russen besetzt. Die Flaschen mit dem Blaubeersaft, die die Mutter im Keller gelagert hatte, hatten sie an die Wände geworfen, weil es kein Schnaps war. Und die Nähmaschine hatten sie als Hackklotz benutzt. Weil die Wehrmacht auf ihrem Rückzug die Dorfbrücke über die Lupow gesprengt hatte, erfolgte der Vormarsch der Russen über die Mühlenbrücke. So kehrte alles erst einmal bei uns in der Mühle ein.
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 Bodo Sengstock lebt in Zeitlofs/Detter.
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Die russischen Soldaten waren ständig betrunken. Wer von den Frauen und Mädchen konnte, hatte sich versteckt, denn sie vergewaltigten alle. Wer sich weigerte, wurde erschossen. Einige Familien aus Lupow haben sich aus Angst vor den Russen das Leben genommen. Ganze Familien haben sich zusammengebunden und in der Lupow ertränkt, andere haben sich im Wald vergiftet. Obwohl kein deutsches Militär mehr da war und die Russen freien Durchzug hatten, haben sie Häuser in Brand gesteckt und die Menschen misshandelt und umgebracht.
Wenn ich zum Fenster hinaussehe, sehe ich noch die endlosen Reihen der kleinen russischen Pferdewagen, mit den zottigen Panje-Pferdchen davor, an der Mühle vorbeiziehen. |
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