Ungewisser Abschied - freudiges Wiedersehen
Flucht aus Posen - Für Elisabeth Born ging der Krieg im Odenwald zu Ende
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 Elisabeth Born mit ihrer Tochter Dorothea im Jahr 1946.
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Es war Januar 1945 in Posen; Eiseskälte, Lautsprecher tönten durch die Stadt: »Wir haben die Russen zurückgeschlagen, keine Panik, wer die Stadt verlässt, wird erschossen!« An diese Lügen glaubten wir schon lange nicht mehr.
Mitten im Krieg hatte ich meinen Mann getroffen, 1944 heirateten wir. Doch nun ereignete sich die Vertreibung aller Deutschen aus dem Warthegau. Zum Glück erhielt ich vom Roten Kreuz eine Fahrkarte für den letzten Zug nach Leipzig. Ich war im dritten Monat schwanger. Am Tag des Abschieds eilte ich zu meinem Mann in die Kaserne; aber, wie ihn finden?
Suchend in langen dunklen Gängen kam er plötzlich aus dem Dunkel auf mich zu, wir lagen uns erschüttert in den Armen - ich musste mich losreißen, um nicht meinen letzten Zug zu versäumen; er musste in Posen bleiben.
Mit dieser Ungewissheit im Herzen verließ ich die Stadt. Die Fahrt bei Minus 20 Grad Celsius war katastrophal. Eine verzweifelte Mutter mit drei Kindern und einem schreienden Säugling warf diesen aus dem fahrenden Zug, eine andere bekam Wehen, als der Zug anhielt. Man holte einen wackeligen Tisch aus dem Bahnhof, entfachte noch ein kleines Holzfeuer, die Geburt war schnell und gut, Mutter und Kind konnten zurück in den Zug.
Dann blieb der Zug stehen. Schlotternd vor Eiseskälte warteten wir. Endlich kam ein Zug, voll besetzt mit verwundeten Soldaten, wie sollten wir da noch Platz finden? Wir wurden in die Abteile gedrückt wie Heringe in die Dose, wir lagen und hingen halb auf den Knien der Verwundeten, mein Rucksack mit Geige machte alles mit, den Koffer hatte ich lange nicht mehr. Wir landeten dann doch in Leipzig. Von dort fuhr ich zu meinem Vater in Seeheim an der Bergstraße.
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 Elisabeth und Erwin Born leben in München.
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Endlich kamen die Amerikaner mit Panzern und allem Kriegsgerät auch in den Odenwald, was den Krieg für uns dort beendete. Vom Tod des »Führers« und von der Kapitulation der Nazis hörten wir nur bruchstückweise.
Am 24. August kam unsere kleine Dorothea zur Welt. Und am 6. September stand mein Mann in der Tür. Wegen Hungerödemen war er aus russischer Kriegsgefangenschaft entlassen worden. Heute, nach 60 Jahren, sind wir immer noch vereint und feierten bereits Diamantene Hochzeit. Wir sind unendlich dankbar. |
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