Tiefflieger bei Weißenburg
Sonntagsblatt-Leser Uwe Hitz wurde aus dem bombardierten Nürnberg evakuiert
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 Uwe Hitz im Mai 1944.
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Meine Mutter, meine Schwester und ich hatten Nürnberg verlassen müssen, weil die Luftangriffe immer schlimmer wurden. Wir kamen in Weißenburg bei der Patentante meines Vaters unter. Mit im Haus wohnte eine Frau mit ihrem kleinen Sohn, die man auch aus Nürnberg evakuiert hatte. Ihr Mann war bei der Luftwaffe und gegen Kriegsende in Roth stationiert. Manchmal flog er im Tiefflug über das Haus.
Seine Frau rannte dann mit dem Sohn auf dem Arm in den Hof und winkte ihm zu, wenn er zum zweiten Mal tief über das Grundstück flog. Ich hatte ihn öfter in der Kanzel des Jagdeinsitzers gesehen. Länger hörten wir ihn nicht mehr, offensichtlich hatte man seine Einheit versetzt. Aber eines Tages kam ein Jagdflugzeug mit deutschem Hoheitszeichen tief auf uns zugeflogen. Wir konnten den Flugzeugführer deutlich sehen, er sah uns bestimmt auch. Plötzlich kamen Feuerstöße aus den beiden Tragflächen. In panischer Angst warfen wir uns auf den Boden. Es war offensichtlich ein Amerikaner, der mit dem erbeuteten deutschen Flugzeug sein Unwesen trieb.
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 Uwe Hitz lebt in Spardorf in Mittelfranken.
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Anschließend flog er zum Sportplatz, auf dem sich BDM-Mädchen versammelten; meine Schwester war auch dabei. Als das Flugzeug ganz tief über den Platz flog, winkten ihm die Mädchen begeistert zu. Aber auch hier drückte der Pilot auf den Auslöser, so dass die Geschosse über die Mädchen hinwegflogen. Unsere Mutter verbot uns nun, noch zu den Appellen des BDM bzw. der Pimpfen zu gehen. Da ich mich für das Drillen nicht begeistern konnte, folgte ich gerne. Mein »Führer« akzeptierte aber meine Abwesenheitsbegründung nicht. Er drohte mir eine Haftstrafe an, falls ich nächste Woche nicht erscheinen sollte. Dazu kam es nicht mehr, die Amerikaner hatten uns vorher erobert. Weißenburg war glücklicherweise kampflos übergeben worden. |
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Bewegende Dokumente und Zeitzeugenberichte von Lesern des Sonntagsblattes:
Der 16. April 1945 war im mittelfränkischen Heroldsberg ein warmer Frühlingstag, die Natur erwachte, in der Sonne zwitscherten die Vögel. Die Stille vor dem Sturm? Am westlichen Horizont konnte man Fahrzeuge beobachten. Flüchtlingstrecks? Eine amerikanische Militärkolonne? Dann dieser dumpfe Knall, gefolgt von einem anschwellenden Pfeifton, dann eine Explosion. Das südwestliche Ecktürmchen am Kirchturm war in eine Sandsteinwolke gehüllt und klirrend glitt über das Dach einer Nachbarscheune ein Granatsplitter herunter...
Sonntagsblatt-Leser Berthold Hellmuth aus Heroldsberg schreibt diese Zeilen in seinen Erinnerungen an das Kriegsende vor 60 Jahren. Er war sieben Jahre alt, als sein Heimatort von den Amerikanern eingenommen wurde. »Wie dass sein würde, wenn der Feind angreift, überstieg meine Vorstellungskraft. Wie sieht der Feind aus? Lange hielt ich die Bombermannschaften, die über uns hinweg seit 1941 Nürnberg angriffen, für eine Art Marsmenschen«, notierte Hellmuth. Und er fährt fort: »Jetzt fühle ich mich wie vor einer hohen, unüberwindlichen, nach rechst und links ins Unendlichen verlaufende Mauer, in der eine kleine Pforte nach drüben führt. Durch sie müssen wir alle hinurch. Doch wie wird es drüben sein? War es kindliche Todesangst?«  |