Liebevolle Aufnahme
Sonntagsblatt-Leserin Elisabeth Müller musste aus Schlesien fliehen
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 Die Pfarrersfamile Müller (rechts Elisabeth) musste im März 1945 aus Schönkirch/Breslau fliehen. Der Vater war 1942 in Stalingrad gefallen.
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Ich war damals gerade sechs Jahre als, als wir 1945 im März aus Schlesien fliehen mussten. Mein Vater war in Schönkirch/Breslau Pfarrer. Er fiel 1942 in Stalingrad. So musste meine Mutter mit ihren vier kleinen Kindern und ihrer Mutter die Heimat Schlesien verlassen. Es hieß: Wer da bleibt, wird erschossen!
In Oberschreiberhau wurden wir von einem Flüchtlingstransport mitgenommen. Auf dem Rücken trugen wir einen kleinen Rucksack, den meine Großmutter vor der Flucht noch nähte. Da wurde das Nötigste reingelegt. Wir durften nichts mitnehmen, nur das, was wir auf dem Leib trugen. Schweren Herzens musste ich meinen kleinen Puppenwagen mit dem roten Herz zurücklassen.
Wir waren lange unterwegs, die Endstation war Viechtach im Bayerischen Wald, wo wir alle müde und erschöpft ankamen. Eine Mädchenschule wurde für uns Flüchtlinge freigemacht. Alles war mit Stroh ausgelegt, damit wir Platz zum Schlafen hatten. Der Apotheker aus Viechtach hatte großes Mitleid mit meiner Mutter. Er beschrieb ihr den Weg zu einem Bauernhaus, ein kinderloses Ehepaar lebte darinnen. Meine Mutter musste eine Stunde laufen, bis sie dort war, sie hatte meinen Bruder Christoph mit, er war neun Jahre alt. Der Bauer wollte ihn sofort adoptieren. So bekamen wir ein kleines Zimmer für uns alle. Ein Kinderbettchen für meine kleine Schwester Hanna und eine Waschschüssel schenkte uns das Gasthaus Schmaus.
Die Amerikaner kamen oft vorbei, sie wollten die Uhr von meinem Vater haben. Meine Mutter sagte, dass ihr Mann gefallen ist. Da ließen sie von ihr ab. Oft versteckte sie sich auf dem Dachboden. Sie hatte solche Angst, man könnte sie finden.
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 Elisabeth Müller lebt in Taufkirchen.
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So sprach es sich in Viechtach herum, dass eine Pfarrerswitwe mit ihren Kindern Platz sucht. Wir hatten Glück. In der Fendlvilla wurden wir liebevoll für eine Zeit aufgenommen. Dort hatten wir auch eine Küche mit einem Ofen. Das Holz holten wir uns aus dem Wald und ebenso die Beeren. Trotz der großen Armut war es für mich eine schöne Zeit. |
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Bewegende Dokumente und Zeitzeugenberichte von Lesern des Sonntagsblattes:
Der 16. April 1945 war im mittelfränkischen Heroldsberg ein warmer Frühlingstag, die Natur erwachte, in der Sonne zwitscherten die Vögel. Die Stille vor dem Sturm? Am westlichen Horizont konnte man Fahrzeuge beobachten. Flüchtlingstrecks? Eine amerikanische Militärkolonne? Dann dieser dumpfe Knall, gefolgt von einem anschwellenden Pfeifton, dann eine Explosion. Das südwestliche Ecktürmchen am Kirchturm war in eine Sandsteinwolke gehüllt und klirrend glitt über das Dach einer Nachbarscheune ein Granatsplitter herunter...
Sonntagsblatt-Leser Berthold Hellmuth aus Heroldsberg schreibt diese Zeilen in seinen Erinnerungen an das Kriegsende vor 60 Jahren. Er war sieben Jahre alt, als sein Heimatort von den Amerikanern eingenommen wurde. »Wie dass sein würde, wenn der Feind angreift, überstieg meine Vorstellungskraft. Wie sieht der Feind aus? Lange hielt ich die Bombermannschaften, die über uns hinweg seit 1941 Nürnberg angriffen, für eine Art Marsmenschen«, notierte Hellmuth. Und er fährt fort: »Jetzt fühle ich mich wie vor einer hohen, unüberwindlichen, nach rechst und links ins Unendlichen verlaufende Mauer, in der eine kleine Pforte nach drüben führt. Durch sie müssen wir alle hinurch. Doch wie wird es drüben sein? War es kindliche Todesangst?«  |