Kuchen vor dem Untergang
Wie Sonntagsblatt-Leserin Maria Kurz ihr Fahrrad verlor
Der 20. April, Hitlers Geburtstag, war ein strahlend schöner, warmer Frühlingstag. Es herrschte eine eigenartige Stimmung, schwankend zwischen großer Angst vor dem Ende des Krieges und dem Herbeisehnen desselben. Meine Mutter willigte ein, von den gehorteten Vorräten noch rasch zwei Kuchen zu backen, wie es auch die Nachbarn taten.
Unser 4.000-Einwohner-Dorf am Rande der Schwäbischen Alb war heil durch den Krieg gekommen. Seit einigen Tagen zogen nun Truppen der Wehrmacht durch den Ort und quartierten sich teilweise auch ein. Unglücklicherweise wurden von ihnen zwei Flakbatterien auf der Umgehungsstraße aufgebaut, die auf amerikanische Tiefflieger feuerten, bis sie von diesen ausgeschaltet wurden. Dies hatte die schreckliche Konsequenz, dass am 20. April unser Dorf bombardiert wurde. 69 Häuser und viele Stallungen wurden zerstört, ebenso die spätgotische Kirche, ein kleines Schloss und das Rathaus. 21 Menschen kamen ums Leben, 80 Familien waren obdachlos. Am Tag danach wurde unser Ort von den Amerikanern eingenommen.
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pr
 Maria Kurz lebt in München
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Mitte Mai bekam ich von meiner früheren Dienststelle die Aufforderung, die Arbeit wieder aufzunehmen. Mit meiner Kollegin musste ich mit dem Fahrrad die ca. 15 Kilometer zum Landratsamt in die Kreisstadt fahren. Wir benützten oft eine Nebenstraße, die an einem Wald entlangführte. Dort lauerten uns eines Abends drei junge Männer auf; einer stieß mich vom Rad und drohte mit einer Pistole. Es waren ehemalige Zwangsarbeiter, die es auf unsere Räder abgesehen hatten. Zum Glück ließen sie uns zwei junge Frauen gehen.
Der Krieg war vorbei, wir waren jung und überstanden die Not der ersten Nachkriegsjahre relativ gut. Rückblickend können wir dankbar sagen, dass wir unter der amerikanischen Besatzung nicht zu leiden hatten. |
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LESER ERINNERN SICH
Bewegende Dokumente und Zeitzeugenberichte von Lesern des Sonntagsblattes:
Der 16. April 1945 war im mittelfränkischen Heroldsberg ein warmer Frühlingstag, die Natur erwachte, in der Sonne zwitscherten die Vögel. Am westlichen Horizont konnte man Fahrzeuge beobachten. Dann dieser dumpfe Knall, gefolgt von einem anschwellenden Pfeifton, dann eine Explosion...
Sonntagsblatt-Leser Berthold Hellmuth aus Heroldsberg schreibt diese Zeilen in seinen Erinnerungen an das Kriegsende vor 60 Jahren. Er war sieben Jahre alt, als sein Heimatort von den Amerikanern eingenommen wurde. »Wie dass sein würde, wenn der Feind angreift, überstieg meine Vorstellungskraft. Wie sieht der Feind aus? Lange hielt ich die Bombermannschaften, die über uns hinweg seit 1941 Nürnberg angriffen, für eine Art Marsmenschen«, notierte Hellmuth.  |