Kopfnüsse für den Endsieg
Sonntagsblatt-Leserin Ursula Aberhan bekam den Gesinnungswandel ihres Lehrers schmerzhaft zu spüren.
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 Ursula Aberhan mit ihrer jüngeren Schwester.
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Es war Ende April, vielleicht schon Anfang Mai 1945. Von unserem zwölf Häuser-Dorf hatten wir eine halbe Stunde bis zur Schule. Die Tiefflieger flogen täglich über uns. Sie versuchten, ganz gezielt, Bauern auf dem Feld oder auch uns Schulkinder zu töten.
Wir sollten also den ganzen Weg im Straßengraben gehen und, sobald wir ein Flugzeug hörten, im Straßengraben entlang robben. Obwohl es eigentlich nicht lustig war, haben wir viel gelacht.
Die Mutter konnte diese Situation nicht mehr aushalten und ging zum Schulrektor. Ihm erklärte sie, dass sie ab morgen ihre Kinder nicht mehr zur Schule schickt. Er faselte vom baldigen Endsieg und vom Durchhalten. Worauf die Mutter meinte: »Daran glauben Sie doch selbst nicht mehr!« Ein paar Tage später hatten wir den Endsieg - der Alliierten.
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 Ursula Aberhan (geb. 1935) lebt in Miesbach.
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Alle Schulen in der Gegend wurden für Monate geschlossen. Nur der Schulleiter unserer Schule hat nach zwei Tagen wieder Unterricht angeordnet. Er wohnte im Schulhaus. Bisher stand er immer in der Pause vor seiner Wohnungstür und alle Schulkinder mussten laut »Heil Hitler« rufen. Manchmal - wir Mädchen hatten viel zu schwätzen - vergaßen wir das. Es gab dann eine schmerzhafte Kopfnuss.
Als der Lehrer seine Schule nach dem Zusammenbruch überraschend schnell wieder öffnete, wurde uns verboten »Heil Hitler« zu sagen. Als wir wie gewohnt an ihm vorbeigingen, riss es mir den Arm nach oben: »Heil Hitler!« Die folgende Kopfnuss war erheblich. |
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Bewegende Dokumente und Zeitzeugenberichte von Lesern des Sonntagsblattes:
Der 16. April 1945 war im mittelfränkischen Heroldsberg ein warmer Frühlingstag, die Natur erwachte, in der Sonne zwitscherten die Vögel. Am westlichen Horizont konnte man Fahrzeuge beobachten. Dann dieser dumpfe Knall, gefolgt von einem anschwellenden Pfeifton, dann eine Explosion. Das südwestliche Ecktürmchen am Kirchturm war in eine Sandsteinwolke gehüllt und klirrend glitt über das Dach einer Nachbarscheune ein Granatsplitter herunter...
Sonntagsblatt-Leser Berthold Hellmuth aus Heroldsberg schreibt diese Zeilen in seinen Erinnerungen an das Kriegsende vor 60 Jahren. Er war sieben Jahre alt, als sein Heimatort von den Amerikanern eingenommen wurde. »Wie dass sein würde, wenn der Feind angreift, überstieg meine Vorstellungskraft. Wie sieht der Feind aus? Lange hielt ich die Bombermannschaften, die über uns hinweg seit 1941 Nürnberg angriffen, für eine Art Marsmenschen«, notierte Hellmuth. Und er fährt fort: »Jetzt fühle ich mich wie vor einer hohen, unüberwindlichen, nach rechst und links ins Unendlichen verlaufende Mauer, in der eine kleine Pforte nach drüben führt. Durch sie müssen wir alle hinurch. Doch wie wird es drüben sein? War es kindliche Todesangst?«  |