Flugblätter gegen den NS-Terror
Bislang kaum bekannt: Der spätere Pfarrer Wolfgang Hammer unterstützte Robert Limpert in Ansbach
Der Ansbacher Schüler Robert Limpert gilt in Franken als tragische Symbolfigur für Widerstand gegen das NS-Regime in den letzten Kriegstagen. Doch nicht allein Limpert, dem der Ruf eines »Außenseiters« anhängt, hat damals gegen das Hitlerregime das Wort ergriffen.
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Wairer
 Wolfgang Hammer, ein Mitstreiter des mit 19 Jahren hingerichteten Robert Limpert (unten) in Ansbach.
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Wolfgang Hammer, in Ansbach geboren am 2. April 1926 als Sohn des Lehrers Wilhelm Hammer, studierte nach dem Krieg Theologie, wurde zunächst Pfarrer der bayerischen Landeskirche und war früher Mitarbeiter der Evangelischen Akademie Tutzing. Später arbeitete er in Starnberg, ging aber Ende der 50er-Jahre als dann reformierter Pfarrer nach Graubünden und St. Moritz in die Schweiz. Noch in den Jahren vor seinem Tod 1995 hat er von seiner Jugend im Dritten Reich gesprochen, erzählt seine Witwe Erika Hammer.
1970 bis 1974 erschien im Delp-Verlag Hammers dreibändiges Werk »Adolf Hitler - Dialog mit dem Führer«. Für den Münchner Historiker Michael Rißmann ist es einer von wenigen Versuchen, die religiöse Gedankenwelt Hitlers geschichtswissenschaftlich zu erfassen. Kennzeichnend für Hammers dialogischen Ansatz ist, dass er ausdrücklich Originalzitate Hitlers, zum Beispiel aus »Mein Kampf«, verwendet und interpretiert.
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Archiv
 Robert Limpert.
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Auf seine Heimatstadt nimmt Hammer in diesen Büchern auch kritisch Bezug. Er war noch ein Kind, als evangelische Theologen den »Ansbacher Ratschlag« formulierten, der »im Sommer 1934 die 'Entjudung' der lutherischen Kirche verlangte und vorschlug, dass judenstämmige Geistliche nur an 'judenchristlichen' Gemeinden tätig sein dürften« (Hammer in »Adolf Hitler - Ein deutscher Messias?«, 1970).
Dieses Papier - neben den Erlanger Theologen Paul Althaus und Werner Elert unterzeichneten es auch die Ansbacher Pfarrer Gottfried Fuchs (St. Gumbertus), Heinrich Grießbach (St. Johannis) und Fikenscher - war Auftakt zu jahrelangen Auseinandersetzungen in der Stadt zwischen den regimekonformen »Deutschen Christen« um Fuchs auf der einen und Christen in der »Bekenntnisgemeinschaft Ansbach« auf der anderen Seite. Darin hieß es: »Wir wissen uns ... vor Gott verantwortlich, zu dem Werk des Führers in unserem Beruf und Stand mitzuhelfen.«
Äußerungen in Hammers späteren Büchern legen nahe, dass er schon damals mit der Ansbacher Bekenntnisgemeinschaft sympathisierte; später studierte er bei deren theologischem Vordenker Karl Barth. Wie der Katholik Robert Limpert sei der Protestant Hammer ausdrücklich christlich motiviert gewesen, erinnert sich ihr damaliger Mitstreiter Hans Stützer, als sie in den letzten Kriegsnächten zum »aktiven Widerstand gegen die Nazihenker« aufriefen.
Hammer sei, so Stützer, als Soldat von der Front desertiert und heimgekehrt. Vorher schon sei er zusammen mit Limpert 1943 vom Humanistischen Gymnasium verwiesen worden, nachdem die Schüler antifaschistischer Tafelschriften bezichtigt und dann auch noch beim Ausspionieren des Lehrerkollegiums ertappt worden waren.
Gruppe verteilte Flugblätter
Die Erinnerungen Stützers, bestätigt von Erika Hammer, bringen neue Details in die bisherige Ansbacher Geschichtsschreibung. Demnach hat Hammer wie Limpert, Stützer und - als Vierter im Bunde - Herbert Frank im April 1945 Flugblätter verbreitet und die kampflose Übergabe der Stadt gefordert. Die von Zeitgenossen immer wieder erwähnte Außenseiterrolle Limperts verliert damit an Gewicht bei der Beurteilung der darauf folgenden Ereignisse.
Limpert war vom Bürgermeister Albert Böhm am 18. April 1945 ermächtigt worden, den anrückenden Amerikanern die kampflose Übergabe der Stadt mitzuteilen. Er durchschnitt, als der Kampfkommandant Ernst Meyer einschritt, ein Kommunikationskabel der Soldaten. Er wurde nur Stunden später verhaftet, mit Hilfe von Ansbacher Polizisten und unter den Augen von Mitbürgern neben dem Rathaustor aufgehängt, während die amerikanischen Spitzen schon in Ansbach kämpften. In ihrem Buch »Ansbach unterm Hakenkreuz« (1994) erwähnt die Historikerin Diana Fitz ein einziges Mal auch Wolfgang Hammer: »Zu Hammer, einem seiner engsten Freunde, war die Kunde offensichtlich noch nicht vorgedrungen. Als er sich gerade auf dem Rückweg ... befand, sah er mit eigenen Augen, was geschehen war« - nämlich die gnadenlose Hinrichtung des jungen Ansbacher Christen Limpert.
In seinen drei Büchern über Adolf Hitler dankt Autor Hammer ausdrücklich seinem »langjährigen Lehrer und väterlichen Freund, Professor Karl Bosl« für die Prägung in jungen Jahren. Das ist ein weiteres Indiz für die Geistesverwandschaft zwischen Limpert und Hammer. Denn Bosl ist es auch gewesen, der bei einer Trauerfeier im September 1945 Limperts »Pflichtbewusstsein ... gegen die geistige und charakterliche Aushungerung Deutschlands« gewürdigt hat. |
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