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Dieser Artikel: Ausgabe 16/2005 vom 17.04.2005
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Zwischen Hoffnung und Terror

Im Kino: »Hotel Ruanda« ruft den Völkermord von 1994 in Erinnerung


Der Hotelmanager Paul Rusesabagina rettete im ruandischen Völkermord über 1000 Flüchtlinge vor dem sicheren Tod. »Hotel Ruanda« setzt seinem Mut ein filmisches Denkmal.

Don Cheadle als Hotelmanager Paul Rusesabagina.
Foto: Tobis
   Don Cheadle als Hotelmanager Paul Rusesabagina.

Alles war, natürlich, noch viel schlimmer. Einen Völkermord im Kino darzustellen, ist ein unmögliches Unterfangen - doch Regisseur Terry George gelingt es in seinem Spielfilm »Hotel Ruanda«, den Anforderungen des Mainstream-Kinos an Dramatik und Happy End gerecht zu werden, ohne seinen Helden und die Menschen, die hinter ihnen stehen, zu verraten.

1994 töteten Hutu-Extremisten in Ruanda in 100 Tagen fast eine Million Tutsi und damit jeden vierten Einwohner des Landes: ein Massaker, von dem die Weltöffentlichkeit durchaus etwas hätte mitbekommen können - wenn man es denn hätte wissen wollen. Die Handlung des Films beschränkt sich auf das belgische Luxushotel »Milles Collines« in der ruandischen Hauptstadt Kigali. Hotelmanager Paul Rusesabagina, ein Hutu, nahm dort 1268 Flüchtlinge auf und rettete ihnen das Leben.

Kaum je war man sich als Kino-Gänger seiner Hautfarbe so bewusst wie in der Schlüsselszene des Films, in der weiße Hotelgäste und Journalisten hastig von UN-Truppen evakuiert werden und die Afrikaner fassungslos und verzweifelt zurückbleiben. Die Verantwortlichen - das ist ein Schlüsselmotiv des Films -, allen voran Militärberater aus Frankreich und die Strippenzieher in der ruandischen Regierung, erscheinen nicht im Bild des Grauens, nur in fast versteckten Hinweisen werden sie erwähnt.

Ein Ort der Hoffnung inmitten des Wahnsinns.
Foto: Tobis
   Ein Ort der Hoffnung inmitten des Wahnsinns.

Es liegt etwas Lakonisch-Verächtliches in diesem ungewohnten Weglassen des postkolonialen weißen »Überbaus«, in diesem Verzicht auf platte Legitimationsversuche und Schuldzuweisungen an die westliche Politik. Als das verkörperte schlechte Gewissen taucht lediglich ein raubeiniger UN-Befehlshaber (Nick Nolte) auf, der genau weiß, dass Paul und die Flüchtlinge zum Tode verurteilt sind.

Der Nordire Terry George hält sich weder mit dem Versagen des Westens lange auf, noch mit Spekulationen, wie und warum es zu den Gräueln kommen konnte. In seiner psychologisch dichten Inszenierung braucht er außerdem nur wenige Streiflichter auf den Blutrausch außerhalb der Hotelanlage, um eine Atmosphäre wahnhaften Terrors zu erzeugen.

Der US-Schauspieler Don Cheadle zeigt Paul Rusesbagina als freundlich-distanzierten Mann von vollendeter Unscheinbarkeit, der nur privat zusammenbricht - ein »afrikanischer Schindler«. Sein professionelles Gentlemantum basiert auf einer schlitzohrigen Menschenkenntnis und einem Mut, der ihn auch angesichts mordlustiger Hutus in der Hotellobby funktionieren lässt. Für Moral ist beim höflichen Schmieren der skrupellosen Warlords mit feinem Whisky und Bargeld, beim Lügen und sanften Erpressen kein Platz. Auch ohne viel explizite Gewaltdarstellung entsteht so die beklemmende Atmosphäre eines unendlichen Überlebenskampfes zwischen Hoffnung und Horror.

Umso erschütternder wirkt das alles, als sich gerade jetzt, heute, in der Darfur-Provinz im Sudan ein »Ruanda in Zeitlupe« anbahnt, bei dem es scheint, als hätten die Warlords das Drehbuch gelesen.

  »Hotel Ruanda«, 121 Min., Südafrika/GB/I 2004. Drehbuch und Regie: Terry George. Mit: Don Cheadle, Joaquin Phoenix, Nick Nolte

FILMTIPP

»Hotel Ruanda«, 121 Min., Südafrika/GB/I 2004. Drehbuch und Regie: Terry George. Mit: Don Cheadle, Joaquin Phoenix, Nick Nolte

Mehr zu »Hotel Ruanda« findet man hier:

   www.tobis.de

   www.mgm.com

Katharina Grimnitz

 


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/news/aktuell/2005_16_28_01.htm
abgerufen 08.02.2012 - 11:01 Uhr

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