Sagen Sie mal, Gott...
Interviews mit Personen der Bibel (116)
Ein bemerkenswert großherziger Weltenrichter - in einem Interview aus gegebenem Anlass
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sob (Repro)
 ... zu richten die Lebenden und die Toten: Ein Sterbender vor Gott (Meister von Heiligenkreuz, um 1425, Pergament, Bibliothèque Nationale Paris).
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...in der letzten Woche mussten wir Abschied nehmen von drei beliebten Zeitgenossen, prominenten dazu: Harald Juhnke, Rainier von Monaco, Karol Wojtyla. Haben Sie den dreien - wenn ich das mal etwas lapidar formulieren darf - Einlass in den Himmel gewährt?
Gott: Natürlich. Schließlich hat jeder von ihnen nach bestem Gewissen gehandelt. Ich sah mich keinesfalls dazu veranlasst, einen von ihnen in die Hölle zu schicken.
Das wundert mich. Mit Verlaub: Immerhin war ein ausgewiesener Alkoholiker dabei!
Gott: Alkoholismus zähle ich zu den Krankheiten und nicht zu den Todsünden. Es verbietet sich von selbst, einem Menschen aus gesundheitlichen Gründen den Himmel zu verwehren.
Verstehe. Aber es war auch ein Vater dreier Kinder dabei, der es offensichtlich Zeit seines Lebens nicht geschafft hat, seinen Sohn und seine Töchter auf den tugendhaften Pfad der ehelichen Treue zu geleiten!
Gott: Es gibt eine Zeit, von der an Kinder groß genug sind zu wissen, was sie tun - und was sie tun sollten. Deswegen sehe ich mich in keiner Weise veranlasst, einem Vater die himmlischen Ehren zu verwehren!
Ich merke, Ihr Herz ist groß.
Gott: Der Himmel auch.
Auch groß genug für einen Menschen, der verantwortlich ist für Überbevölkerung und Berufsverbote - und für die Trennung der Kirche, die sich auf Ihren Sohn beruft?
Gott: Jetzt bringen Sie aber wirklich einiges durcheinander. Sie sind wohl evangelisch?!
Genau.
Gott: Das erklärt die Richtung Ihrer Frage, entschuldigt aber nicht die Härte. Also nacheinander: Die Schuld für die Überbevölkerung wollen Sie doch nicht wirklich einem einzelnen Menschen anlasten?
Oh doch. Hätte der Papst die künstliche Empfängnisverhütung für moralisch einwandfrei erklärt, wäre sicherlich Millionen Kindern der Hungertod erspart geblieben.
Gott: Ihre Sicht der Dinge scheint mir sehr kleinkariert. Ich jedenfalls freue mich über jedes Menschenkind, das das Licht der Welt erblickt. Das Problem liegt doch woanders: Die reichen Völker der Menschheit schaffen es nicht, ihre armen Brüder und Schwestern zu ernähren. Obwohl es genug Nahrung gibt!
Nun gut, ich ziehe das Argument zurück. Aber: Der Papst, dem Sie im Himmel Asyl geben, hat doch hervorragenden Theologen ihren Job genommen - nur weil sie nicht in der vermeintlich rechten Weise an Sie geglaubt haben!
Gott: Gemach, gemach. Ich verstehe das Problem, werde Karol auch danach befragen. Sicherlich gehört aber auch dies zu den lässlichen Sünden, die keineswegs den Weg in das Fegefeuer der römisch-katholische Kirche rechtfertigen. Ich erinnere an das Naturgesetz: Wo viel Licht ist, muss auch viel Schatten sein.
Der letzte Punkt wiegt ungleich schwerer: Durch sein starres Festhalten an den Gesetzen und Dogmen der katholischen Kirche hat dieser Papst die Einheit der Christenheit blockiert!
Gott: Nehmen Sie sich nicht so wichtig. Aus meiner Warte stellt sich die Lage ganz anders dar: Wojtyla hat mich zu Tränen gerührt. Noch niemals zuvor hat es ein Papst gewagt, mit den Führern anderer Religionen so auf Tuchfühlung zu gehen und ihnen Respekt und Achtung zu zollen! Karol hat mein Volk Israel mit der Kirche zu versöhnen versucht - hat sogar glaubwürdig seine Reue bekannt für begangene Missetaten. An seinem Sarg saßen nicht nur die Führer der weltlichen Obrigkeiten friedlich beieinander, sondern auch die Oberhäupter der Religionen, die allesamt ihre eigene Sprache gefunden haben, in der sie mich zu beschreiben versuchen. Und Sie klagen wegen konfessioneller Kleinigkeiten? Gehen Sie in sich - dann können wir gerne dieses Gespräch fortsetzen.
Im Himmel?
Gott: Wenn ich Sie einlasse, gerne. | Eine » Übersicht aller Interviews mit Personen der Bibel finden Sie » hier...
ZUR PERSON
Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde, wird in der Bibel wie im Volksglauben als Weltenrichter verstanden, vor dem sich die Menschen am Ende ihres irdischen Lebens oder aber am Tag des Jüngsten Gerichts verantworten müssen. Die Lehre von der Hölle und dem Fegefeuer findet sich allenfalls in Ansätzen in der Bibel, wurde in der altkirchlichen und mittelalterlichen Theologie entwickelt.
QUELLE: Matthäus 25, 31-46; Lukas 16, 19-31 (Nachschlagen bei » bibel-online.net: Matthäus 25, 31, Lukas 16, 19
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