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Dieser Artikel: Ausgabe 16/2005 vom 17.04.2005
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Wenn alte Trauer wach wird

Sonntagsblatt-Sprechstunde


»Ich bin erschrocken, wie traurig mich der Tod des Papstes macht«

Ich bin fast erschrocken, wie traurig mich der Tod von Papst Johannes Paul II. macht. Ich schreibe das, weil ich den Eindruck habe, dass das mehr ist als die Trauer, die im Fernsehen gezeigt wurde und über die in den Zeitungen zu lesen ist.

In seiner Funktion in der katholischen Kirche hat mir der Papst eigentlich nie viel bedeutet. Es ist eher etwas ganz Persönliches, ein Gefühl, das mich erinnert an die Traurigkeit, die ich empfunden habe, als ein Freund von mir gestorben ist, der über lange Jahre so etwas wie ein Vater-Ersatz für mich war. An meinen leiblichen Vater kann ich mich kaum erinnern; er ist gestorben, als ich vier Jahre alt war.

Ich kann aber darüber mit niemandem reden. Eine Kollegin hat zu mir gesagt: Dann fahr doch nach Rom - sie hat das freundlich gemeint, aber ich merke: Das ist es nicht. Ich möchte eher alleine sein, mich zurückziehen - und dennoch das Gefühl haben: Es ist in Ordnung, was ich da erlebe.

Frau B. (52)

Ich kann mir die ausführliche Berichterstattung über alles, was mit dem Papst-Tod zu tun hat, nicht anders erklären als mit dem Bedürfnis, das, was dieser Tod an Gefühlen, Eindrücken und Gedanken auslöst, zu ordnen und einzuordnen. So ist es »in Ordnung«, es hat seine Zeit und seinen Ort.

Sie selbst haben dem, was sie gerade erleben, schon einen Ort gegeben: ganz benachbart dem Erleben, an das Sie sich erinnern, wenn Sie an den Tod Ihres Freundes denken und verbunden mit den Gedanken an den frühen Tod Ihres Vaters.

Damit sind Sie nicht allein; ich weiß aus einigen Gesprächen, dass durch die Intensität, mit der in der Öffentlichkeit die einzelnen Schritte des Sterbens und des Todes von Papst Johannes Paul II. gezeigt worden sind, in vielen Menschen Erinnerungen an eigene, ganz persönliche Trauerprozesse geweckt wurden.

Trauer ist ja nicht einfach vorbei nach einiger Zeit; sie gehört hinein in die eigene Lebensgeschichte, sie verbindet mit der verstorbenen Person, sie zeigt etwas von der Bedeutung, die jemand gehabt hat - und wird immer mal wieder wachgerufen.

Sie werden Ihre Art und Weise finden, damit umzugehen: warum nicht durch Rückzug und ein paar ruhigere Tage... Sie können auch die öffentliche Trauer dieser Tage als Wegweiser nehmen und als Orientierung: Da ist die Wahrnehmung des Sterbens, das Erschrecken und die persönliche Trauer, das Nachdenken darüber, was dieser Mann bedeutet hat, auch das Gespräch darüber mit anderen, die einem vertraut sind, schließlich ein Ritual, durch das der Verstorbene Gott selbst in die Hände gelegt wird und das damit endet, dass er einen Ort bekommt, ein Grab, zu dem man gehen kann, wenn einem danach ist...

Warum sollen Sie eigentlich nicht, auch nach Jahren wieder, einige dieser Schritte im Gedenken an Ihren verstorbenen Freund oder auch an Ihren Vater gehen?

SONNTAGSBLATT - SPRECHSTUNDE

Barbara Hauck

Wenn Sie ein Problem haben und Rat brauchen, dann schreiben Sie an die »Sprechstunde«, Birkerstraße 22, 80636 München. Die Berater antworten auf dieser Seite oder mit Brief. Sie können auch unmittelbar an einen Berater schreiben: Pfarrerin Barbara Hauck, Deutenbacher Str. 1, 90547 Stein - oder Kirchenrat Waldemar Pisarski, Hauptstr. 67, 82327 Tutzing.

Waldemar Pisarski

Wenn Sie eine längerfristige Korrespondenz wünschen, steht Ihnen die Evangelische Briefseelsorge, Postfach 600306, 81203 München, zur Seite. Alle Zuschriften werden vertraulich behandelt.

 

 

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Barbara Hauck

 


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abgerufen 08.02.2012 - 10:49 Uhr

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