Letzter sinnloser Einsatz im Altmühltal
Sonntagsblatt-Leser Max Schneider wurde wegen »Angehörigkeit zu einer verbrecherischen Organisation« zu einer Geldstrafe von 100 Mark verurteilt.
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 Max Schneider geriet in Gefangenschaft.
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Es war mein letzter Einsatz im April 1945. Mir waren zehn Jungen zugeteilt worden, alle um die fünfzehn Jahre alt, und zehn alte Volkssturmmänner. Die alten Männer habe ich über dem Fluss auf der Höhe postiert und ihnen gesagt, wenn der Feind kommt, werdet ihr ja wissen, was ihr zu tun habt. Die Jüngeren habe ich gebeten, möglichst bei mir zu bleiben. Es dauerte nicht lange, da war ich allein.
Erst ein paar Tage vorher war ich aus dem Lazarett als nicht wehrtauglich, aber arbeitsfähig nach Hause entlassen worden. Die Entlassungsstelle war aber immer schneller als ich, ich habe sie nicht erreicht. In Altenmarkt waren dann aber plötzlich die Amerikaner. Ich konnte kurzfristig noch eine Kriegerwitwe überreden, mir den Anzug ihres Mannes zu geben, denn als Soldat der Waffen-SS wollte ich nicht, wie schon viele andere, an den umstehenden Bäumen hängen.
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 Max Schneider lebt in Selb, das Bild zeigt ihn mit seiner Urenkelin.
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Die Amerikaner haben mich trotzdem auf einen LKW geschmissen und auf einen Flugplatz gebracht. Es hatte noch einmal geschneit, wir lagen unter freiem Himmel auf dem nassen Boden. Zu Essen gab es gerade so viel, dass man nicht verhungerte. Im September wurde die Verpflegung besser. Wir bekamen einen Pfarrer und ich die Erlaubnis, eine Baracke zu einem Gottesdienstraum auszubauen. Viele kamen in diese Lagerkirche und wir feierten dort auch Abendmahl. Nach genau einem Jahr wurden wir entlassen, die Spruchkammer verdonnerte uns zu einer Geldstrafe von 100 Mark wegen Angehörigkeit zu einer verbrecherischen Organisation. |
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LESER ERINNERN SICH
Bewegende Dokumente und Zeitzeugenberichte von Lesern des Sonntagsblattes:
Der 16. April 1945 war im mittelfränkischen Heroldsberg ein warmer Frühlingstag, die Natur erwachte, in der Sonne zwitscherten die Vögel. Die Stille vor dem Sturm? Am westlichen Horizont konnte man Fahrzeuge beobachten. Flüchtlingstrecks? Eine amerikanische Militärkolonne? Dann dieser dumpfe Knall, gefolgt von einem anschwellenden Pfeifton, dann eine Explosion. Das südwestliche Ecktürmchen am Kirchturm war in eine Sandsteinwolke gehüllt und klirrend glitt über das Dach einer Nachbarscheune ein Granatsplitter herunter...
Sonntagsblatt-Leser Berthold Hellmuth aus Heroldsberg schreibt diese Zeilen in seinen Erinnerungen an das Kriegsende vor 60 Jahren. Er war sieben Jahre alt, als sein Heimatort von den Amerikanern eingenommen wurde. »Wie dass sein würde, wenn der Feind angreift, überstieg meine Vorstellungskraft. Wie sieht der Feind aus? Lange hielt ich die Bombermannschaften, die über uns hinweg seit 1941 Nürnberg angriffen, für eine Art Marsmenschen«, notierte Hellmuth. Und er fährt fort: »Jetzt fühle ich mich wie vor einer hohen, unüberwindlichen, nach rechst und links ins Unendlichen verlaufende Mauer, in der eine kleine Pforte nach drüben führt. Durch sie müssen wir alle hinurch. Doch wie wird es drüben sein? War es kindliche Todesangst?«  |