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Dieser Artikel: Ausgabe 16/2005 vom 17.04.2005
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Raus aus dem Milieu mit Stallgeruch

Was ein Mitgliedschafts-Experte der Synode zum Thema »Kirche vor Ort« empfiehlt


»Kirche vor Ort« - ein schwer wiegendes Thema, das sich die bayerische Landessynode bei ihrer Frühjahrstagung in dieser Woche in Augsburg vorgenommen hat.

»Kirche vor Ort« oder: Synodale und ein Planungsexperte vor dem Augsburger Rathaus, in dem das Kirchenparlament in dieser Woche tagt. Von links: Synodenpräsidentin Heidi Schülke, EKD-Oberkirchenrat Rüdiger Schloz, Vizepräsidentin Dorothea Deneke-Stoll.
Foto: Zoepf
   »Kirche vor Ort« oder: Synodale und ein Planungsexperte vor dem Augsburger Rathaus, in dem das Kirchenparlament in dieser Woche tagt. Von links: Synodenpräsidentin Heidi Schülke, EKD-Oberkirchenrat Rüdiger Schloz, Vizepräsidentin Dorothea Deneke-Stoll.

Kirche vor Ort«: Was, wo ist das? Hans-Gerhard Koch, der das Impulspapier des Landessynodal- ausschusses zum Schwerpunktthema vor dem Kirchenparlament vortrug, konnte sich den Hinweis nicht verkneifen, dass die Redewendung »vor Ort« aus der Bergmannssprache kommt. »Vor Ort« ist dort, wo die Kohle her kommt, unten, im Schacht. Ohne Kohle macht das Bergwerk keinen Sinn. Macht also auch Kirche, die nicht »vor Ort« ist, keinen Sinn? Und, zweideutig gefragt: Liegt nicht auch die Kohle, die die Kirche braucht, »vor Ort«?

Für »Kirche vor Ort« hatte sich die Synode nicht irgendeinen, sondern den Experten schlechthin geholt. Rüdiger Schloz, Theologe und Soziologe, ist seit über drei Jahrzehnten verantwortlich für die im Auftrag der EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) betriebenen aufwändigen Mitgliedschaftsstudien. In einem spannenden, teils gar amüsanten Parforceritt durch die Soziologie des Protestantismus nahm Schloz die Synodalen mit in die Milieuforschung. Zum Einstieg stand die dramatische Erkenntnis, dass »ganze Gruppen faktisch mehr oder weniger von der Kirche ausgeschlossen werden, weil unsere Aktivitäten, unser Angebot oder der »Stallgeruch« zu bestimmten Milieus einfach nicht passen«.

Woher weiß das Schloz? In der vierten und bisher letzten EKD-Mitgliedschaftsstudie (2003, Buchveröffentlichung dazu demnächst) wurden erstmals die Kirchenmitglieder in Milieus oder, wie der Soziologe sagt, Clusters eingeteilt und unterschieden. Die Kirchenverbundenheit in diesen verschiedenen Gruppen ist völlig unterschiedlich.

Die Gruppe des so genannten »hochkulturellen Milieus«, übrigens im Durchschnittsalter von 63 Jahren, weist die höchste Verbundenheit auf (und prägt damit auch das Gemeindeleben »vor Ort«), während das Cluster »Jugendkulturelles Milieu«, das durch den »Internetsurfer, 29 Jahre alt« typisiert wird, beim Kriterium Kirchenverbundenheit geradezu dramatisch nach unten absackt. Nun ja: Der Typ kommt im Gemeindeleben nicht vor.

Insgesamt geht Schloz von sechs unterschiedbaren Milieus aus. »Aufbruch aus der Verengung« forderte Schloz und meinte damit: Statt »verengt« nur ein bestimmtes Milieu anzusprechen, müsse die Kirche für alle Milieus da sein. Ein so verstandene missionarische Kirche vor Ort zeichnet sich Schloz zufolge vor allem aus durch: funktionierende Bildungseinrichtungen, diakonischen Elan, Mitgliederpflege. Sie hat neue Angebote gerade für junge Leute, setzt auf Mutter-Kind-Gruppen und wertet den ehrenamtlichen Dienst auf.

Schlozens Vortrag machte geradezu Lust auf eine »Soziologie der Kirche vor Ort«. Die Vizepräsidentin der Synode Dorothea Deneke-Stoll, die der Vorbereitungsgruppe vorsaß, schrieb denn auch der Synode, ja der ganzen bayerischen Kirche einen »Prozess« hin zu mehr Eigenverantwortlichkeit ins Stammbuch. Schlankere Strukturen und »die gegenseitige Wertschätzung von Haupt- und Ehrenamtlichen« sind weitere Kennzeichen. Das Impulspapier lädt alle Kirchengemeinden zu einer theologischen und soziologischen Bestandsaufnahme ein. Rückmeldung an die Synode erwünscht!

  Mehr im Intranet der bayerischen Landeskirche unter  www.elkb.de (Passwort erforderlich).

SYNODE

 

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Lutz Taubert

 


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abgerufen 08.02.2012 - 23:26 Uhr

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