Moderne Orgel mit historischer Fassade
Der Straßburger Daniel Kern baut die Orgel für die Dresdner Frauenkirche
Beim Bombenangriff am 13. Februar 1945 wurde mit der Dresdner Frauenkirche auch die berühmte Barockorgel des sächsischen Orgelbauers Gottfried Silbermann zerstört. Die »moderne, aber im Geist Silbermanns« gebaute Orgel, die am 30. Oktober bei der Einweihung der wieder errichteten Frauenkirche erklingen wird, kommt aus der Europastadt Straßburg.
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 Erhielt nach einem erbitterten Orgelstreit den Zuschlag: Orgelbauer Daniel Kern in seiner Straßburger Werkstatt vor dem Plan der Orgel für die Dresdner Frauenkirche.
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Daniel Kern ist zuversichtlich, dass er auch diesmal wieder pünktlich liefert. »Es ist immer zeitlich knapp, aber wir halten den Termin ein.« Den Monat Mai muss sich der Orgelbauer aus Straßburg nicht rot in seinem Kalender ankreuzen. Seit einem Jahr arbeiten er und seine 20 Mitarbeiter in der Manufaktur in einem Hinterhof der Europastadt auf diesen Termin hin. Dann muss die neue Orgel der wieder aufgebauten Frauenkirche in Dresden auf ihrem Platz stehen. Am 30. Oktober soll sie zur Kirchweihe erklingen.
»Hans im Glück« des Orgelbaus
Der breitschultrige Elsässer mit dem braunroten Bart ist der Hans im Glück des Orgelbaus. Vor zwei Jahren erteilte die Stiftung Frauenkirche seiner Firma den Auftrag zum Bau einer neuen Orgel. Bestellt wurde sie jedoch erst im vergangenen Jahr, weil die Finanzierung unklar gewesen sei, sagt Kern.
Mit dem Aufstellen der Orgel wird der Wiederaufbau des bedeutenden protestantischen Kirchenbaus abgeschlossen sein. Die barocke Kirche mit ihrer vom berühmten sächsischen Orgelbauer Gottfried Silbermann (1683-1753) gefertigten Orgel war bei dem verheerenden alliierten Bombenangriff auf Dresden vom 13. Februar 1945 zerstört worden. Auch Johann Sebastian Bach hatte auf der im Jahr 1736 installierten Silbermann-Orgel gespielt.
Der Zuschlag für Kerns Konzept einer modernen, aber »im Geiste Silbermanns« gebauten Orgel beendete in der Musikwelt aufs Erste einen unrühmlichen »Orgelstreit«. Erbittert hatten in einer »Pro-Silbermann-Gruppe Dresden« zusammengeschlossene Befürworter eines »authentischen« Orgelnachbaus mehr als zehn Jahre lang die Pläne der Stiftung Frauenkirche Dresden bekämpft. Diese bevorzugte für das Wahrzeichen Dresdens eine moderne Orgel mit historischer Fassade.
Heftige Kritik erntete die Stiftung auch für ihre Entscheidung, den Bauauftrag nicht an sächsische Orgelbauer, sondern ins Ausland zu vergeben. Daraufhin hatte ein Berliner Stifter die mit rund 1,5 Millionen Euro zugesagte Finanzierung eines Nachbaus zurückgezogen.
Kern steht die Freude ins Gesicht geschrieben, dass er den »Jahrhundert-Auftrag« an Land gezogen hat. »Das ist für uns ein Renommee«, sagt der Elsässer, der das Orgelbauer-Handwerk bei seinem Vater lernte. Das Dresdner Bauprojekt, eine Symbiose der Ansätze der Brüder Gottfried und Andreas Silbermann (1678-1734) und seines eigenen Stils, sei aber »auch eine schwere Verantwortung«.
Die meisten der rund 10000 Einzelteile der Frauenkirchen-Orgel werden von Meister Kern und seinen Handwerkern selbst gefertigt. Nur elektronische Teile und die Holzfassade im Barockstil werden von anderen Firmen übernommen. Das fast acht Meter hohe Gestell der Orgel aus Eichenholz und die Balganlage stehen bereits in der Werkstatt.
»Die Orgel wird vollständig aufgebaut und überprüft«, erläutert Kern. Danach werde sie wieder in ihre Einzelteile zerlegt und nach Dresden transportiert. Drei Monate lang wird sich Kern in der Elbmetropole selbst um »seine« Orgel kümmern. Die Intonation ist Chefsache. Dabei ist viel handwerkliches Geschick nötig: Jede einzelne der 4000 Pfeifen nimmt er in die Hand und überprüft die richtige Tonhöhe.
Kritiker, die anführten, die im Bombenhagel zerstörte Orgel des barocken Baumeisters lasse sich »authentisch« nachbauen, seien unehrlich, betont Kern. Insgesamt sieben Mal sei die originale Silbermann-Orgel überarbeitet worden. Die Kern-Orgel entspreche dem Wunsch der Stiftung nach einer Konzertorgel, die auch für Gottesdienste genutzt werden könne, bestätigt Thomas Gottschlich von der Bauleitung der Stiftung Frauenkirche.
Durch die Erhöhung der Zahl der Manuale von drei auf vier sowie der Register von 43 auf 67 sei jetzt auch die Orgelliteratur nach Bach spielbar. »Die Besucher der Frauenkirche werden mit dem Klang der neuen Orgel zufrieden sein«, verspricht Kern, der sich wie die Stiftung Frauenkirche über deren Preis ausschweigt. Kritiker der Kern-Orgel führen an, dass die Baukosten wesentlich höher als bei einem Silbermann-Nachbau ausfielen. »Es wird ein wunderschönes Werk«, versichert Kern. |