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Dieser Artikel: Ausgabe 13/2005 vom 27.03.2005
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Krone und Schleier

Die Kunst der mittelalterlichen Frauenklöster


Eine Doppelausstellung in Bonn und Essen zeigt, dass der Anteil der Frauen an der Kunst des Mittelalters - als Künstlerinnen oder Auftraggeberinnen - weit größer ist, als bisher angenommen.

Mystische Versenkung vor einem Bild: Vision der heiligen Klara vor einem Altarretabel (Fragment), Nürnberger Meister um 1350/60.
Foto: KAH Bonn
   Mystische Versenkung vor einem Bild: Vision der heiligen Klara vor einem Altarretabel (Fragment), Nürnberger Meister um 1350/60.

Klausur und Keuschheit, Gehorsam und Gebetszwang sind die strengen Ideale, nach denen sich die Lebensführung in Klöstern seit je ausgerichtet hat. Doch ein Leben hinter Klostermauern bietet auch Schutz und damit Vorteile: Aus einer männlich dominierten Welt flüchteten die Frauen des Mittelalters in die Obhut der Klöster.

Hier boten sich ihnen ganz andere Möglichkeiten als in der Welt »draußen«. Nonnen konnten Bildung und künstlerische Fertigkeiten erlangen, waren befreit vom Diktat des Mannes. In der Gesellschaft genossen sie hohes Ansehen, ihre Konvente waren manchmal mächtig. Der Adel schickte seine Töchter zur Unterweisung, und oft trat eine Fürstin als Gründerin eines Klosters auf. Die Bedeutung des Schaffens der Klosterfrauen für die kulturelle Entwicklung ist jedoch weithin unbeachtet geblieben.

Die Doppelausstellung »Krone und Schleier«, die im Essener Ruhrlandmuseum und in der Bundeskunsthalle in Bonn zu sehen ist, führt nun erstmalig Kunst aus Frauenklöstern des Mittelalters vor Augen. Rund 500 herausragende Exponate zeigen die kulturelle Bedeutung dieses weiblichen Beitrags zur europäischen Kunst und Kultur. Leistungen, die auch der Suche der Frauengemeinschaften nach »eigenen« Ausdrucksformen ihrer Frömmigkeit entsprungen sind.

In Essen wird die Spanne von 500 bis 1200 ausgebreitet, als in der Folge tief greifender wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Umbrüche die großen Orden entstanden. Auf deren Wirken konzentriert sich die Bonner Schau, die bis zur Reformation reicht, die den Niedergang der Klöster einleitete. Hier hat man die bedeutende Ausstattung des Schweizer Dominikanerinnenklosters St. Katharinental, das 1868 aufgelöst wurde, wieder zusammengeführt. Ein »Werkhaus« widmet sich hier besonders der Kunstproduktion der Klosterfrauen.

Denkmal für viele namenlose Frauen

Doch Kunst wurde von den Frauen nicht nur in Eigenleistung erstellt, sondern nach ihren Vorstellungen auch in Auftrag gegeben. Künstlerische Gestaltung durchdrang alle Bereiche des Lebens. Selbst das Mobiliar oder eigene Münzen bezeugen ein hohes Maß an ästhetischem Willen.

»Krone und Schleier«, als Brautschleier und Brautkrone Symbole der Vermählung mit Christus, unterstreichen es schon im Ausstellungstitel: Es geht um gottesfürchtige Werke; das Kunstverständnis der Nonnen zeigt sich vor allem in der Anfertigung von liturgischem Gerät und Textilien, Statuen und Reliquiaren, religiösen Handschriften sowie Tafel- und Andachtsbildern. Der Reichtum vieler Schatzkammern stand durchaus im Widerspruch zum Armutsideal der Orden. Immer wieder ist die den Nonnen zugeschriebene Rolle als Bräute Christi Thema von Bildern. Stiftsfrauen zeichnen sich selbst als minnende Seelen oder lassen sich von Christus einen Ring anstecken. Der Vereinigung mit Gott im Gebet dienten private Andachtsbilder.

Neben Ausnahmeerscheinungen wie Hildegard von Bingen und Hrotsvits von Gandersheim sind es besonders die vielen namenlosen Künstlerinnen und kunstbeflissenen Frauen, denen die Ausstellungen ein spätes Denkmal setzt.

NACHGEFRAGT

Kunst und Mystik

Carola Jäggi
   Carola Jäggi (42) ist Professorin für Christliche Archäologie an der Universität Erlangen. Die Kunsthistorikerin ist Mitglied im Kuratorium der Doppelaustellung Krone und Schleier.
  Was ist das spezifisch Weibliche an der Kunst in und aus Frauen- klöstern des Mittel- alters?
Jäggi: In mittel- alterlichen Frauen- klöstern mit strenger Klausur entstand ein Mikro- kosmos, in dem Bilder eine ganz andere Bedeutung hatten, als wir das heute ermessen können. Die Frauen, die oft unter strikten Schweigevorschriften lebten, haben mit Bildwerken gelebt wie mit einem Lebenspartner: als Gegenüber und als Tröster.
  ... religiöse Bildwerke - also eine besondere Form der Spiritualität der »Bräute Christi«?
Jäggi: Aus Schwesternbüchern des 14. Jahrhunderts, »vitae sororum«, wissen wir, dass die Frauen wirklich mit Statuen und Bildern gesprochen haben, Visionen und Erlebnisse hatten. Vor allem der Christus am Kreuz hat natürlich im Leiden der Schwestern eine besondere Rolle gespielt und daneben natürlich auch Maria. In dieser Tradition werden Visionen als etwas Positives dargestellt, im Zusammenhang mit Männern wurden sie meist nicht so positiv gesehen. Bilder galten immer als etwas Niedrigeres als das Wort, als Hilfsmittel für Laien, Novizen und Frauen - nichts für »richtige Theologen«.
  Die Ausstellung nimmt Klöster und Damenstifte in den Blick. Was ist der Unterschied?
Jäggi: In Klöstern herrscht strikte Klausur. Salopp gesagt: Wer einmal drin war, war für immer drin. Privatbesitz gab es nicht. In Damenstiften haben die Frauen die Bande zu ihren Familien nie ganz gekappt. Privatbesitz war erlaubt, man konnte das Stift auch wieder verlassen. Die religiösen Gemeinschaften der Frauen waren aber stets dynamische Lebensräume, sehr viel bunter und reicher, als man sich das heute vorstellen kann. Nun sieht man erstmals künsterisch hochwertige Exponate in einem explizit weiblichen Kontext. (Fragen: Markus Springer)

INFORMATIONEN

Krone und Schleier. Die Kunst aus mittelalterlichen Frauenklöstern.

   www.krone-und-schleier.de

  Ausstellung Essen: Die frühen Klöster und Stifte, 500 - 1200. Ruhrlandmuseum, Goethestr. 41, 45128 Essen, Telefon (0201) 8845200,  www.ruhrlandmuseum. Geöffnet Di-So 10-18 Uhr, Fr bis 24 Uhr.

  Ausstellung Bonn: Die Zeit der Orden, 1200 - 1500. Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Museumsmeile Bonn, Friedrich-Ebert-Allee 4, 53113 Bonn, Telefon (0228) 9171-200,  www.bundeskunsthalle.de. Geöffnet Mo 10-19 Uhr, Di-So 10-21 Uhr.

Ulrich Traub

 


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abgerufen 08.02.2012 - 23:36 Uhr

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