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Dieser Artikel: Ausgabe 13/2005 vom 27.03.2005
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Julia ist jetzt bei Jesus

Was bedeutet Ostern angesichts der Nachricht »Ihre Tochter ist tot«? Von Roland Radke


Einen größeren Schmerz als der Tod eines Kindes kann es für Eltern nicht geben. Das Ehepaar Radke aus Oberstdorf machte diese Erfahrung. Ihre neunjährige Tochter Julia verunglückte beim Skilaufen am Nebelhorn tödlich.

»Sie war ein fröhliches Kind Gottes«: Julia Radke.
Foto: privat
   »Sie war ein fröhliches Kind Gottes«: Julia.

Freitag, 16. April 2004. Ein wunderschöner Frühlingstag in Oberstdorf. Meine Frau und unsere Tochter Julia, neun Jahre alt, beschließen, an diesem herrlichen Morgen noch einmal zum Skilaufen auf das Nebelhorn zu fahren. Die Pisten sind hart gefroren. Auf einer steilen Passage am Sonngehrenlift stürzt Julia, rutscht mehrere hundert Meter talwärts, ohne stoppen zu können. Am Fangzaun, an Felsen und Bäumen vorbei, stürzt sie über eine 50 Meter hohe Felswand in die Tiefe.

Ich halte in dieser Zeit in unserem Gästehaus »Heim Bergfrieden«, das durch den tödlichen Absturz der »Drei am Himmelhorn« 1956 weit über die Grenzen Deutschlands bekannt ist, eine Bibelarbeit über ein Wort aus dem Epheserbrief: »Ihr sollt erfahren, dass die gleiche Kraft in euch wohnt, die Jesus Christus von den Toten auferweckt hat« (Epheser 1, 18-20). Einer meiner letzten Sätze lautete so: »Wer an den auferstandenen Jesus glaubt, kann auch einmal dem Tod getrost ins Auge schauen.«

Dann die erschütternde Nachricht

Mitten in diese Aussagen hinein werde ich ans Telefon gerufen, wo mir meine Frau mitteilt: »Julia ist abgestürzt, wir müssen mit dem Schlimmsten rechnen.« Ich fahre zum Büro der Nebelhornbahn, wo ich eine halbe Stunde ohne irgendeine Information warten muss. Dann die erschütternde Nachricht: »Herr Radke, Ihre Tochter ist tot!« Wir kommen nach Hause. In Julias Zimmer finden wir ein Osterei aus Pappkarton auf ihrem Schreibtisch, das sie in den Tagen zuvor in der Kinderstunde angefertigt hatte. Unter dem offenen Grab hat sie den vorgedruckten Satz ausgemalt: »Jesus sagt: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er gestorben ist« (Johannes 11,25).

Die nächsten Stunden sind schrecklich, das Geschehen nicht zu fassen und zu begreifen. Wie ein Lauffeuer wird die Nachricht von Julias Tod ins Land hinausgetragen. Menschenworte können letztlich nicht trösten, aber es tut gut, eingebettet zu sein in eine riesengroße Schar von Menschen, die für uns beten. Die Warum-Fragen beschäftigen uns: Warum lässt Gott das zu? Erst vor kurzem sind wir nach Oberstdorf gezogen, und jetzt das? Was wäre, wenn wir in Pforzheim geblieben wären?

Wir sind in einem großen Haus

Der Tag der Beerdigung: Hunderte nehmen Abschied von Julia. Einige Klassenkameradinnen von Julia können es nicht aushalten am Grab. Aus unserer früheren Gemeinde, der Pforzheimer Stadtmission, kommen viele mit dem Bus und mit Privatautos. Sie haben Urlaub genommen, ihre Kinder vom Schulunterricht befreien lassen, um mit uns diesen schweren Weg zu gehen und für uns da zu sein, für uns zu beten.

Julias Eltern.
Foto: privat
   Julias Eltern.

Was uns am stärksten tröstet, ist, dass Jesus den Tod besiegt hat, dass er auferstanden ist und dass wir fest glauben und wissen dürfen, dass Julia jetzt bei ihm in der Ewigkeit ist. Wie arm wären wir dran, wenn wir das nicht glauben könnten. Unvorstellbar groß wäre der Schmerz ohne diese lebendige Hoffnung. In den letzten Monaten ist uns die Auferstehung Jesu neu bewusst geworden. Wie oft habe ich in den letzten 25 Jahren darüber gepredigt, aber nun leuchtet uns die Osterbotschaft ganz anders und neu auf. Wie froh sind wir, dass wir wissen, dass Julia schon in ihren jungen Jahren ein fröhliches Kind Gottes war und dass für sie gilt: »Wer den Sohn Gottes hat, der hat das Leben.« In der Offenbarung des Johannes sagt Jesus selbst: »Siehe, ich war tot ...«

Die Betonung liegt auf dem Wort »war«. Karfreitag und Ostern bedeuten deshalb: Der Tod ist tot! »Der Tod ist verschlungen in den Sieg ...« Und das hat Auswirkungen auch für uns Christen. »Lässet auch ein Haupt sein Glied, welches es nicht nach sich zieht«, so singen wir in einem Choral. Ich stelle mir das wie bei der Geburt eines Babys vor: Jede Hebamme ist froh, wenn der Kopf durch ist. Dann ist das Wichtigste passiert. So ist der Kopf - Jesus - schon durch, und wir sind als seine Glieder angewachsen an seinem Leib. Luther konnte sagen: »Mit dem rechten Bein sind wir schon aus dem Grab raus.« Und das hat auch Jesus selbst gesagt - dieses Bibelwort haben wir auch für Julias Grab ausgesucht: »Ich lebe, und ihr sollt auch leben!« Dieses Leben aus Gott kann kein Tod töten. Im Tod wird unsere Seele entleibt.

Von Stephanus heißt es in Apostelgeschichte 7: »Stephanus rief den Herrn an und sprach: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf.« Das Leibliche wird zwar zerschlagen, die Seele, der Geist, wie immer wir das nennen wollen, wird vor ihrem Schöpfer, Herrn und Richter stehen. Hätte sonst Jesus zum Schächer am Kreuz dieses Wort sagen können: »Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein«? Die Betonung liegt auf dem »mit mir«! Der Apostel Paulus schreibt im Philipperbrief: »Ich habe Lust abzuscheiden, um bei Christus zu sein, was auch viel besser wäre...« Wer zu Jesus gehört, der ist bei ihm!

Julia sieht ihren Herrn jetzt, sie ist bei ihm. Die Gemeinschaft mit Jesus Christus kann durch den Tod nicht aufgehoben werden. Das wäre eine »schöne Theologie«, die dem Tod das noch erlaubt, dazwischenkommen zu dürfen. Wer in Jesus hineinstirbt, so wie unsere geliebte Julia, der ist bei ihm. Das hat für uns nichts, absolut nichts mit griechischem Denken zu tun, so wie es manche theologischen Richtungen behaupten, sondern das ist für uns biblische Auferstehungsbotschaft. Wir sind in einem großen Haus, das »In Christus« heißt. Wir leben gemeinsam unter diesem Dach. Nur in verschiedenen Räumen. Das ist unser großer Trost in dieser schweren Zeit der Trauer: »Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: Wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn« (Römer 14,8).

  Roland Radke ist Geschäftsführer und geistlicher Leiter des Christlichen Freizeit- und Bibelheims »Bergfrieden« an der Oytalstraße in Oberstdorf.

 


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abgerufen 08.02.2012 - 23:07 Uhr

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