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Dieser Artikel: Ausgabe 13/2005 vom 27.03.2005
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Sagen Sie mal, Simon von Kyrene...

Interviews mit Personen der Bibel (113)


Vom Zusammenhang zwischen der Last des Kreuzes und dem Geheimnis des Lebens

Simon von Kyrene übernimmt das Kreuz.
Foto: sob (Repro)
   Simon von Kyrene übernimmt das Kreuz.

Und sie legten das Kreuz auf ihn, dass er's Jesus nachtrüge.

 Lukas 23,26

  ...Hätten Sie Jesu Kreuz auch getragen, wenn die Soldaten Sie nicht dazu gezwungen hätten?

Simon von Kyrene: Sicherlich nicht. Ich hatte den ganzen Tag auf dem Feld gearbeitet und war folglich ziemlich am Ende mit meinen Kräften. Mein Weg nach Hause führte mich durch Jerusalem. Als ich viele Menschen sah, blieb ich aus Neugierde stehen. Und beob­achtete, wie römische Soldaten Jesus, diesen umstrittenen Wanderprediger aus Galiläa, durch die Gasse stießen. Er blutete, sein Körper war übersät mit blauen Flecken und Striemen, eigentlich konnte er nur noch kriechen.

  Spürten Sie Mitleid?

Simon von Kyrene: Der Anblick war absolut Mitleid erregend. Aber zum Nachdenken kam ich gar nicht, denn plötzlich packten mich Soldaten an den Armen und zerrten mich mitten in die Menschenmenge. Neben mir sah ich Jesus, hinter ihm lag ein großes hölzernes Kreuz, über drei Meter lang. Soldaten hoben es hoch - und eh ich mich versah, legten sie es mir auf die Schulter. Die Menschenmenge grölte, als ich unter der Last fast zusammen brach.

  Aber nur fast....

Simon von Kyrene: Ja. Ich dachte, ich würde ebenso wie Jesus in die Knie gehen. Doch erstaunlicherweise weckte das Kreuz ungeahnte Energien in mir. Ich spürte, wie sich meine Muskeln anspannten und ich mich mit der schweren Last auf den Schultern aufrichtete. Das Holz drückte meinen Nacken. Ich dachte, es würde mir die Knochen auseinander reißen, als ich losging. Vor mir taumelte der geschlagene Jesus die Gasse entlang. Langsam folgte ich ihm und zog das Kreuz hinter mir her. Die Menschen standen nun schweigend am Straßenrand.

  Ein Heer von Gaffern.... Und niemand von denen half Ihnen?

Simon von Kyrene: Niemand. Einige schauten ängstlich zu, andere wandten sich ab, wieder andere Blicke zeigten Respekt - und sogar Mitleid. Was aber wie gesagt nicht dazu geführt hat, dass jemand das Kreuz mit trug.

  Sie sagten anfangs, auch Sie hätten es nicht freiwillig getragen, sondern weil Sie gezwungen wurden.

Simon von Kyrene: Eben. Das verbietet mir auch, zu richten über die »Gaffer«. Hinterher habe ich immer wieder versucht, das Geschehen zu durchdenken. Hätte ich das Kreuz nicht getragen, wäre ich um eine äußerst lebensdienliche Erfahrung ärmer. So schwer das Kreuz auch war - es setzte in mir riesige Kräfte frei. Kräfte, von denen ich vorher gar nichts wusste. Es scheint mir einen geheimen Zusammenhang zu geben, den nur diejenigen kennen, die das Kreuz tragen.

  Wie? Ich denke, Sie haben das Kreuz alleine getragen?

Simon von Kyrene: Ich meine es im übertragenen Sinne. Übersetzen Sie es so: Diejenigen, die schweres Leid tragen, die ihr eigenes Kreuz schultern müssen. Die bekommen so viel Kraft, dass sie ihr Schicksal ertragen können. Dieses Phänomen meine ich mit »geheimem Zusammenhang«.

  Bei mir ist das anders, wenn ich ehrlich bin. In mir wachsen neue Kräfte, wenn es mir gut geht. Wenn mir etwas gelungen ist. Wenn ich ohne große Sorgen bin und die Lasten vergessen kann .

Simon von Kyrene: Das sei Ihnen unbenommen, ich kann das gut nachvollziehen und will Ihnen um Gottes willen nicht Ihre Sorglosigkeit vermiesen! Dennoch bleibe ich dabei: Wer die Last des Kreuzes nie tragen musste, ist dem Geheimnis des Lebens noch nicht ganz auf die Spur gekommen.

  Sie klingen überheblich.

Simon von Kyrene: Das tut mir Leid. Aber immerhin haben Sie mich zum Interview eingeladen, ich sollte Ihnen Rede und Antwort stehen. Und wie könnte ich schweigen von dem, was mir widerfahren ist?

Eine » Übersicht aller Interviews mit Personen der Bibel finden Sie » hier...

 

ZUR PERSON

Als Jesus nach Golgatha geführt wurde, zwangen römische Soldaten den Feldarbeiter Simon aus Kyrene, das Kreuz zu tragen. Von ihm ist weiter nichts bekannt, als dass sich seine Söhne Alexander und Rufus vermutlich später zum christlichen Glauben bekehrten. Die spätere Überlieferung setzte Simon mit Simeon gleich, einem afrikanischen Christen, der in Antiochien als Prophet wirkte. Aus diesem Grund wird der Kreuz tragende Simon oft als Schwarzer dargestellt.

QUELLE: Lukas 23, 26 (Nachschlagen bei  » bibel-online.net:  Markus 23, 26

 

@ Haben Sie Fragen an Menschen aus der Bibel? Stellen Sie sie ins Internet unter:  www.sagen-sie-mal.de

Fragen: Uwe Birnstein

 


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/news/aktuell/2005_13_24_01.htm
abgerufen 08.02.2012 - 22:47 Uhr

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