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Dieser Artikel: Ausgabe 13/2005 vom 27.03.2005
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Vom Zauber des Ortes

Neue Sonntagsblatt-Serie: Stätten protestantischer Geschichte in Bayern


Geschichte ist verknüpft mit Raum und Zeit. Die Zeit geht dahin; der Ort aber bleibt und gibt noch nach Jahrhunderten eine Ahnung des Vergangenen.

Nürnberg, St. Lorenz
Foto: Lagois
   Typisch evangelisch: die Nürnberger Lorenzkirche, ...

Historische Stätten machen Geschichte erlebbar und stiften Identität. Darum geht es in der neuen Sonntagsblatt-Serie, die mit dieser Ausgabe startet und in der wir Woche für Woche »Stätten protestantischer Geschichte in Bayern« vorstellen wollen. Einen konkreten Anlass gibt es auch: Im September jährt sich zum 450. Mal eines der bedeutendsten Ereignisse protestantischer Geschichte in Deutschland, nämlich der »Augsburger Religionsfriede« von 1555. Das Gedenken wird Anlass dazu geben, über protestantische Geschichte und Identität in Bayern nachzudenken.

Dem »genius loci« wohnt für die meisten Menschen - zumal, wenn sie als Touristen eine ihnen fremde Gegend erkunden - ein magischer Zauber inne. Vom Karlsthron im Aachener Dom bis nach Lützen, von der Wiener Hofburg bis zur Thomaskirche in Leipzig, von der Porta Nigra in Trier bis zur Berghütte auf dem Kickelhahn im Thüringer Wald, in dessen Holzwand Goethe sein Gedicht »Wanderers Nachtlied« einritzte: Überall sind Besucher von Ehrfurcht erfüllt, mögen sie auch sonst nicht viel für Geschichte übrig haben.

Nürnberg, St. Lorenz
Foto: Archiv
   ..., das Konfessionsbild aus der Weißenburger Andreaskirche ...

Ein Ort wie der Schauplatz der Varus-Schlacht im Teutoburger Wald konnte zur Identifikationsstiftung eines ganzes Volkes beitragen, obwohl man bis heute nicht ganz sicher weiß, wo er überhaupt zu suchen ist. So stark ist die Bindekraft des Ortes, dass manchmal ein Ortsname ausreicht, um das Bild einer ganzen Epoche zu entwerfen: Canossa, Versailles, Weimar.

Was aber sind nun »Stätten protestantischer Geschichte in Bayern«? Selbst wenn man die Auswahlkriterien weit fasst, damit auch versteckt blühende Orchideen am Wegesrand zur Geltung kommen, wird jeder Leser und jede Leserin irgendeinen ganz bestimmten Ort schmerzlich vermissen. Auch nicht alle großen Themen, die die Geschichte der Protestanten in Bayern kennzeichnen, lassen sich zugespitzt verorten: So sickerten etwa die österreichischen Exulanten im 17. und 18. Jahrhundert in Franken flächendeckend ein. Überall haben sie kleine Spuren hinterlassen; einen zentralen Erinnerungsort gibt es aber nicht.

Nürnberg, St. Lorenz
Foto: epd-bild
   ...oder ein Luther-Porträt aus der Werkstatt von Lucas Cranach.

Klar ist, dass sich protestantische Geschichte und Identität vor allem aus der Reformationszeit speist. Reichsstädte im heutigen Bayern wie Weißenburg oder Kempten gehörten zu den Unterzeichnern der Protestation von Speyer 1529 und der »Confessio Augustana«. Mancher Landstrich, wie weite Teile Mittel- und Oberfrankens oder das nördliche Ries, verdankt seine evangelische Prägung bis heute der konfessionellen Entscheidung einer adeligen Familie im 16. Jahrhundert. Jedes Territorium brachte bei der Formierung der protestantischen Kirche in Bayern vor 200 Jahren eine eigene evangelische Vergangenheit ein - ohne dass wirklich alle hier vorkommen können.

»Stätten protestantischer Geschichte« sind aber nicht nur Stätten der Reformationszeit. In Donauwörth oder Auhausen geschahen im 17. Jahrhundert Weichenstellungen mit weit reichender konfessioneller Wirkung. Protestantische Geschichte in Altbayern beginnt dagegen fast durchwegs erst im 19. Jh. in Orten wie Großkarolinenfeld oder München. Und auch der Kirchenkampf im Dritten Reich kennt zentrale Schauplätze des Geschehens - die großen Nürnberger Innenstadtkirchen etwa, in denen sich in den Bekenntnisgottesdiensten Tausende versammelten, um den Nazis die Stirn zu bieten.

SERIE

Stätten protestantischer Geschichte in Bayern

 

Alle Folgen der Serie » Stätten protestantischer Geschichte in Bayern und weitere Informationen finden Sie » hier...

 

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Thomas Greif

 


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/news/aktuell/2005_13_21_01.htm
abgerufen 08.02.2012 - 22:59 Uhr

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