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Dieser Artikel: Ausgabe 13/2005 vom 27.03.2005
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Hoffnungen - in Asien und in Afrika

Was die große Flut für den ärmsten der Kontinente bedeutet

Von Wolfgang Weissgerber

Kann, darf man das Elend der Welt in Relation zueinander setzen? Die große Flut im indischen Ozean hat Kontinente und Nationen sehr ungleichartig getroffen, am schlimmsten Indonesien, dann Thailand, Sri Lanka, Indien, letzte Ausläufer Afrika. Die Spendenbereitschaft war immens und global; es berührt, dass in Afrika die Ärmsten der Armen für die Flutopfer in Asien gespendet haben.

Afrika leidet zugleich auf besonders makabre Weise unter der Flutwelle. Was die großen Hilfsorganisationen nicht laut sagen, hat das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) in aller Deutlichkeit auf den Punkt gebracht: Die immensen (und keinesfalls zu kritisierenden) Anstrengungen für die Tsunami-Opfer gingen und gehen zu Lasten der internationalen Hilfe für Afrika, den ärmsten Kontinent.

Dort geht das Sterben unvermindert weiter. Hunger, Aids, Bürgerkrieg - die drei großen Geißeln des Schwarzen Kontinents - raffen Tag für Tag Menschen dahin, die Welt schaut meist betreten zur Seite. Dem WNP standen Anfang 2005 fünf Millionen US-Dollar weniger zur Verfügung als ein Jahr zuvor; ein Rückgang um ein Fünftel.

Die aktuelle Forderung der vom britischen Premier Tony Blair initiierten Afrika-Kommission, die Entwicklungshilfe zu verdoppeln, bleibt unter diesen Umständen ein frommer Wunsch. Das Gleiche gilt für einen Appell der Kommission der Bischofskonferenzen an die Europäische Union. Denn die hat, statt Entwicklungshilfe zu »qualifizieren«, gerade ganz andere Sorgen: Gefährdet der geplante Abbau von Zuckersubventionen, ein gewaltiges Handelshemmnis für Produzenten in der Dritten Welt, womöglich die Existenz heimischer Rübenbauern?

Ein Beispiel für das Verhältnis von Arm und Reich: Mit seiner Wirtschaftspolitik verhindert der reiche Westen ein ums andere Mal, was er mit seiner Entwicklungshilfe bezweckt.

Derweil hat das kollektive Entsetzen des Westens, am Rande der Berliner Tourismusbörse, zu einer Diskussion mit gespenstischen Zügen geführt: Ist es ethisch zu verantworten, dort Urlaub zu machen, wo Tausende starben?

Doch das kollektive Gedächtnis ist kurz. Der moderne Tourismus in Sri Lanka oder in Thailand ist und bleibt trotz der negativen Begleiterscheinungen ein wichtiger Wirtschaftszweig. Wenn die Hütten wieder aufgebaut, die Hotels wieder hergerichtet sind, dann wird das Leben weitergehen. Diese Hoffnung hat Afrika nicht.

 


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abgerufen 08.02.2012 - 23:46 Uhr

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