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Dieser Artikel: Ausgabe 11/2005 vom 13.03.2005
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Das Wunder von Bamberg

Unter den Trümmern der bombardierten evangelischen Erlöserkirche überlebten 500 Menschen


Ein Wunder kurz vor Kriegsende: Die Zuflucht in einem Bamberger Kirchenkeller rettete 500 Leben.

Die Bamberger Erlöserkirche während des Wiederaufbaus. Bilder von dem zerstörten Gotteshaus gibt es nicht - das Fotografieren nach dem Bombenangriffen war verboten.
Foto: Stadtarchiv Bamberg
   Die Bamberger Erlöserkirche während des Wiederaufbaus. Bilder von dem zerstörten Gotteshaus gibt es nicht - das Fotografieren nach dem Bombenangriffen war verboten.

Sechzig Jahre ist es her, dass Bamberg, bis dahin von Kriegsverwüstungen weitgehend verschont, gezielte Angriffe verkraften musste. Im Keller der jungen Erlöserkirche - das erste neu gebaute evangelische Gotteshaus Bambergs wurde erst 1934 eingeweiht - fanden 500 Menschen Schutz, während über ihnen die Mauern nach einem Bombenvolltreffer zusammenfielen.

Die heutige Gemeinde gedachte mit einem ökumenischen Gottesdienst dieser wunderbaren Rettung und »der dunklen Tage Bambergs«, wie Pfarrer Günther Schardt es ausdrückte. Die bis heute sichtbaren »Narben der Zerstörung, die abgeplatzten Ecken und Kanten« sollten heute ermahnen, »die hoffnungsvolle Vision Gottes vom Frieden« nicht aus den Augen zu lassen und stets für den Frieden einzustehen.

Der 22. Februar 1945 ist ein schöner Tag. Paul Geus hält sich am Vormittag im Freien auf, er blickt zum Himmel und zählt in kindlicher Unbefangenheit die Flugzeuge, die über seinen Kopf fliegen. Bis 33 zählt er, dann rennt der Elfjährige mit seiner Mutter und dem großen Bruder zur nahe gelegenen Erlöserkirche.

Brotzeit im Bombenhagel

Unter der Kirche befindet sich ein einziger großer Kellerraum, der Boden ist aus Sand, in der Mitte ein Stahlbetonpfeiler, Bänke in den Nischen des zehn­eckigen Raumes - Schutz für 500 Menschen. »Da standen wir halt und haben gewartet«, erzählt er heute lapidar. Sie warten auf Entwarnung, es ist ruhig da unten, Paul isst - Leberwurst und Rotwurst. Es ist Mittagszeit.

Plötzlich über ihren Köpfen ein Einschlag. Der ganze Keller voll Staub, der Pfeiler ist eingeknickt. Paul wirft vor Angst seine Wurst weg. Winfried Hofmann erinnert sich in einem Bericht, wie jemand schreien wollte, jemand »Ruhe!« brüllte, wie es ihm durch den Kopf fuhr: »So also sieht der Tod aus!«

Aber alle leben. Pauls Bruder sucht die Wurst, er säubert sie von Sand und Staub und isst. Schließlich ist es Mittagszeit.

Der Tod erwartet sie, als sie nach draußen steigen. Auf der Wiese neben den Trümmern, die vorher eine Kirche waren, liegen Tote, zwei Mädchen haben noch ihre Puppen im Arm. Der Kirchturm steht verloren im Schutt. Man findet auch den Korpus des Kruzifixes. Den Erlöser.

Fünf Jahre später wird die Kirche erneut eingeweiht. Ein Festzug bahnt sich den Weg über den rechten Regnitzarm, über die provisorische Brücke von der Inselstadt Bamberg zur Erlöserkirche. »Erlösersteg« wurde er damals genannt. Pfarrer Josef Eckert von der katholischen Nachbargemeinde Sankt Anna bezeichnete ihn als »Lebensader einer brückenlos gewordenen Gesellschaft«, die symbolisch zum Erlöser führte. Heute brauchte die symbolisch brückenlos gewordene Gesellschaft den Erlöser als sicheren Weg in die Zukunft.

HINTERGRUND

Anders als viele andere bayerische Städte war Bamberg wohl wegen seiner historischen Bedeutung lange Zeit kein offizielles Ziel von alliierten Luftangriffen. Angeblich waren auch die Zerstörungen vom 22. Februar 1945 nicht geplant: Die Bomber sollen ihre Last auf dem Rückflug von einem anderen Einsatz abgeworfen haben, weil der Himmel über der Stadt gerade wolkenfrei war.

 

1945: Kriegsende - Zeitenwende

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Anke Fichte

 


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/news/aktuell/2005_11_ofr_13_01.htm
abgerufen 09.02.2012 - 02:20 Uhr

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