Die geheilte Wunde
Zum 60. Jahrestag der Zerstörung Dresdens am 13. Februar 1945
Von
Lutz Taubert
Wie wird man 70, 80 oder 100 Jahre nach dem 13. Februar 1945 dieses Tages gedenken? Der 13. Februar ist ein Datum, das sich in das Gedächtnis der deutschen Nation buchstäblich eingebrannt hat: Damals, Wochen vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges, sank Dresden durch alliierte Bombenangriffe in Schutt und Asche. Der 13. Februar, ein Datum, das fast schon ohne Jahreszahl auskommt, wird auch 100 Jahre nach dem Krieg noch für die Sinnlosigkeit von Tod und Zerstörung im Krieg stehen.
Und doch sind wir 60 Jahre nach 1945 an einer Zäsur angekommen. Der Wiederaufbau der Stadt ging, nach einer 40 Jahre währenden sozialistischen Starre, seit den 90-er Jahren in einem rasanten Tempo vonstatten. Nun sind wir sichtbar weit gekommen mit dieser Restauration. Die alte Stadt-Silhouette Dresdens mit der steinernen Kuppel der Frauenkirche ist wieder.
In der »archeologisch korrekt rekonstruierten« Frauenkirche sind aus dem Schutt geborgene alte verwitterte Bausteine und neue, hell schimmernde nebeneinander gefügt. Das macht den Menschen auf eine verblüffend direkte Weise anschaulich, was Restauration nach einem furchtbaren Krieg allenfalls sein kann: Die Narben bleiben. Die Wunde ist geheilt, aber sichtbar. An diesem Sonntag, zum 60. Jahrestag der Zerstörung, wird erstmals das Innere der Dresdner Frauenkirche für Besucher wieder geöffnet werden. Um ein deutliches Zeichen gegen Krieg, Rassismus und Gewalt zu setzen, sei eine »Nacht der Stille« mit Texten, Gebeten, Musik geplant.
Es ist eine Gegenreaktion gegen das, vor dem Dresden Angst hat: den Aufmarsch der Neonazis zum Jahrestag. Bekanntlich fiel seitens der rechtsextremistischen NPD im sächsischen Landtag der unsägliche Vergleich vom »Bomben-Holocaust«.
Dahinter steckt vieles: Der Versuch der Relativierung der schlimmsten Nazi-Gräuel. Ein makaberer Streit zwischen politischen Interessenslagern um die bis heute nicht geklärte Zahl der Opfer der Bombennacht. (Eine Historiker-Kommission ist nun eingesetzt.) Und letztlich die Frage der Ursächlichkeit: Wer hat Schuld an Tod und Zerstörung?
Das Gedenken 2005 muss, gegen alle Geschichtsklitterung, vor allem eines deutlich machen: Die Tragödie der Deutschen kam nicht erst mit dem Ende des Kriegs, sondern begann 1933, mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten. Aus dieser Erkenntnis wächst auch für alle Nachgeborenen eine historische Verantwortung für die Zukunft: Nie wieder dürfen wir es dazu kommen lassen! |
Weitere Artikel zu den letzten Jahren und Monaten des NS-Regimes sowie Lesererinnerungen an das Kriegsende finden Sie » hier...
 |