»Wir brauchen einen langen Atem«
Worauf es bei der Katastrophenhilfe und beim Wiederaufbau in Südostasien ankommt
Von
Lutz Taubert
Dies ist die Stunde der Hilfsorganisationen, die in Südostasien, aber auch »zu Hause« in Deutschland vor nie gekannten Herausforderungen stehen. Denn die Spenden- und Hilfsbereitschaft der Deutschen schlägt alle Rekorde. Die Diakonie Katastrophenhilfe stützt sich vor allem auf ihre Partnerorganisationen vor Ort.
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 Wiederaufbau im südindischen Fischerdorf Nagappattinam: Das Mädchen Pawarniaya hilft bei der Errichtung eines Dachstuhls aus Bambusstäben.
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Sie sammeln Kleider, sie stellen Medikamentenpakete zusammen oder sie wollen gleich selbst ins Krisengebiet fliegen: Die Deutschen spenden nicht nur so viel Geld wie nie zuvor in der Nachkriegszeit; viele wollen auch ganz praktisch helfen, zupacken, etwas mit ihren eigenen Händen ausrichten.
Ausgerechnet das aber müssen die professionellen Helfer dankend zurückweisen: Die Frauen in Indien tragen den traditionellen Sari und keine westeuropäischen Jeans; deutsche Medikamente sind in Indien nutzlos, im schlimmsten Fall gefährlich, wenn die Beipackzettel in Deutsch verfasst sind; unvermittelbar war auch der - deutsche - Koch, der sich der Diakonie Katastrophenhilfe anbot: Er hätte seinen Urlaub drangegeben, um den Menschen in Not Essen zu kochen.
Natürlich: In ein paar Stunden könnte man ja tatsächlich in Sri Lanka sein, mit Kleidern, Aspirintabletten und Kochgeschirr. Die Flutkatastrophe in Südasien macht in einer tragischen Weise anschaulich, dass wir in einer globalen Welt leben, die, wie es der Mainzer Kardinal Karl Lehmann ausdrückte, nach einer »neuen globalen Solidarität« verlangt. Hannelore Hensle, Chefin der Diakonie-Katastrophenhilfe, fällt die Absage an den deutschen Koch aber auch deshalb schwer, weil hinter seinem Angebot genau die ernsthafte Hilfsbereitschaft steckt, die einst - vor 50 Jahren - zur Gründung ihrer Hilfsorganisation und auch von »Brot für die Welt« führte.
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 Nagapattinam, Indien: Ein Helfer breitet durchnässte Schulbücher zum Trocknen aus.
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Doch heute ist es ein Markenzeichen von »Diakonie Katastrophenhilfe«, vor allem auf die befreundeten kirchlichen Hilfsorganisationen vor Ort zu setzen und damit auf einheimische Freiwillige und Profis, die die Sprache beherrschen, sich in Kultur und Religion auskennen, keine Anreise und damit verbundene Kosten haben. Hannelore Hensle hält an der Regel fest, dass in der Not- und Katastrophenhilfe erfahrenes deutsches Personal nur dann entsandt wird, »wenn unsere Vor-Ort-Struktur Hilfe für bestimmte Fachrichtungen anfordert.«
Indien, Sri Lanka, Indonesien, Somalia: Das sind die Länder, in denen die Diakonie bei der Flutkatastrophe ihre Schwerpunkte setzt. Partner in Indien ist das Hilfswerk der indischen Kirchen, CASA, das mit 12 mobilen Einsatzteams à 16 einheimischen Helfern unterwegs ist. Dabei wird das Prinzip der Diakonie-Katastrophenhilfe auch hier eingehalten: Neben Erstmaßnahmen gilt die Hilfe dem Wiederaufbau und dem künftigen Katastrophenschutz (siehe Interview).
So weit die Situation »vor Ort«. Zu Hause in Deutschland hat mittlerweile die Spendenbereitschaft ein nie da gewesenes Höchstmaß erreicht. Eine Umfrage des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) unter den 40 größten beteiligten Hilfsorganisationen lässt absehen, dass der bisherige Privatspendenrekord der Deutschen, 350 Millionen Euro anlässlich der Elbeflut 2002, in dieser Woche gebrochen wird.
Der Markt wird für viele Bürger immer unübersichtlicher, »der Wettbewerb sollte Grenzen finden«, sagt Spenden-Experte Burkhard Wilke, Geschäftsführer des DZI, das die seriösen Hilfsorganisationen mit einem Spendensiegel auszeichnet. In der Tat ist der Spendenmarkt Konkurrenz und für manche auch ein Geschäft. So wurden - nur ein Beispiel - bei der großen TV-Spenden-Gala zu Silvester von jeder »gespendeten« SMS-Nachricht, für die ein Handy-Benutzer 2,99 Euro zahlen musste, gleich 30 Cent für Telefondienstleistungen abgezweigt. Zum Vergleich: Eine DZI-geprüfte Organisation wie die Diakonie Katastrophenhilfe behält weniger als 5 Prozent des Spendenaufkommens für Verwaltung, 95 Prozent kommen garantiert dem eigentlichen Spendenzweck zu Gute.
Manche Hilfswerke sind überfordert, plötzlich riesige Summen in sinnvolle Projekte umzusetzen. Die »Ärzte ohne Grenzen« waren letzte Woche so ehrlich zu verkünden, dass sie keine Spenden mit dem Stichwort Südasien mehr annehmen könnten. Die Diakonie dagegen kann weiterhin jeden Euro anlegen - kurzfristig, aber auch, weil es um Wiederaufbau und Katastrophenvorsorge geht, langfristig. »Wir brauchen einen langen Atem«, so Hannelore Hensle.
Spendenkonto: Konto 99 88 77 BLZ 760 605 61 Acredo-Bank Nürnberg, Stichwort »Flut Asien«. Das ist das Sonderkonto der Diakonie Katastrophenhilfe, das das Diakonische Werk Bayern eingerichtet hat.
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SPENDENKONTO
Das Sonderkonto der Diakonie Katastrophenhilfe, die das das Diakonische Werk Bayern eingerichtet hat: Konto 99 88 77 BLZ 760 605 61 Acredo-Bank Nürnberg, Stichwort »Flut Asien«.
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