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Dieser Artikel: Ausgabe 01/2005 vom 02.01.2005
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Geläute der Trauer und der Mahnung

Am 2. Januar jährt sich die Kriegszerstörung der Nürnberger Altstadt - Auftakt eines Gedenkjahres


»Nürnberg - das war eine Stadt: und ist eine Schutthalde. Das war gemütlich-bürgerlich: und ist ein Grauen.«

Nürnberg-Steinbühl mit der Christuskirche im Herbst 1947.
Foto: Stadtarchiv Nürnberg
   Kaum zu glauben, dass aus diesem Trümmerfeld wieder eine Stadt wurde: Nürnberg-Steinbühl mit der Christuskirche im Herbst 1947. Von der neogotischen Arbeiterkathedrale blieb nur der Turm stehen; das Schiff wurde abgerissen und durch einen Beton-Neubau ersetzt.

So wie dem emigrierten Literaten Alfred Kerr ging es vielen Beobachtern, die - meist im Gefolge des Prozesses gegen die Hauptkriegsverbrecher - im Sommer oder Herbst 1945 nach Nürnberg kamen. Von den mittelalterlichen Gassen und Fachwerkzeilen, aber auch von den Industrieanlagen und Siedlungen außerhalb der Altstadt war nur noch ein gespenstischer Trümmerhaufen übrig. Nürnberg hatte für den Pakt mit dem NS-Regime, den es als »Stadt der Reichsparteitage« eingegangen war, den höchsten denkbaren Preis bezahlen müssen.

2005 jähren sich die wichtigsten Eckdaten der neueren Stadtgeschichte zum 60. oder 70. Mal: Nürnberger Gesetze, Kriegsverbrecherprozesse, Kriegsende und zuvorderst die verheerende Bombennacht vom 2. Januar 1945, in der alliierte Flugzeuggeschwader binnen weniger Minuten die historische Altstadt in Schutt und Asche legten. Rund 1800 Menschen starben.

Zum Gedenken werden während eines Gottesdienstes in St. Lorenz am Abend des 2. Januar, just zum Zeitpunkt, als 60 Jahre zuvor der Angriff begann (19.20 Uhr), die jeweils tiefsten Glocken der Nürnberger Kirchen läuten. Es ist ein Geläute der Trauer; aber auch eines der Mahnung, denn die Katastrophe der Zerstörung ist nicht denkbar ohne die Katastrophen, die Nazi-Deutschland zuvor in ganz Europa angerichtet hatte. Von der Einsicht in diese Kopplung der Ereignisse sind alle Veranstaltungen im Gedenkjahr 2005 geprägt, was Oberbürgermeister Ulrich Maly denn auch bei einer Pressekonferenz noch einmal ausdrücklich betonte.

In Gedenkgottesdiensten, Vorträgen und Diskussionsrunden soll Raum sein, denen, die es nicht erlebt haben, die Ereignisse samt den notwendigen Lehren daraus nahe zu bringen; vor allem soll auch Zeitzeugen Gelegenheit gegeben werden, ihre persönlichen Erinnerungen zu verarbeiten. »Ganz viele alte Menschen leiden bis heute enorm an den Erlebnissen aus dieser Zeit«, hat Dekan Michael Bammessel festgestellt. Was ein Leben lang verdrängt worden sei, werde vielfach nun zur seelischen Belastung.

Zwei Vorleistungen, um der Öffentlichkeit die Dimensionen der Ereignisse transparent zu machen, hat das Stadtarchiv bereits geleistet. Der Forschungsband »Der Luftkrieg gegen Nürnberg« bietet eine detailgenaue Gesamtdarstellung der Ereignisse, die neben den örtlichen auch britische und amerikanische Quellen berücksichtigt und überdies hunderte von Zeitzeugenerinnerungen dokumentiert und verarbeitet.

Eine Ausstellung im Pellerhaus zeigt noch bis zum 8. Mai Stadtansichten, die während des Krieges und in den ersten Nachkriegsjahren entstanden sind, darunter amerikanische 3D-Luftaufnahmen, die mit ausliegenden 3D-Brillen betrachtet ein plastisches Bild der Ruinenlandschaft zeigen.

1945: Kriegsende - Zeitenwende

Weitere Artikel zu den letzten Jahren und Monaten des NS-Regimes sowie Lesererinnerungen an das Kriegsende finden Sie » hier...

 

Thomas Greif

 


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abgerufen 09.02.2012 - 02:21 Uhr

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