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Dieser Artikel: Ausgabe 48/2004 vom 28.11.2004
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Freundlich und konfliktfähig

Regionalbischof Hans-Martin Weiss berichtet der Landessynode aus dem Kirchenkreis Regensburg


»Ich bin froh, evangelisch zu sein«, sagte Regionalbischof Hans-Martin Weiss im Bericht vor der Landessynode in Amberg.

Hans-Martin Weiss
Foto: Sauerbeck
   Regional- bischof Hans-Martin Weiss vor der Synode.

Es sind manchmal sehr weite Wege, die Regionalbischof Hans-Martin Weiss von seinem Dienstsitz in Regensburg zu den evangelischen Gemeinden in seinem Kirchenkreis zurücklegt. Ostbayern und das nördliche Oberbayern sind Diaspora, der Kirchenkreis flächenmäßig der größte in der Landeskirche. Bei seinen Fahrten sieht Weiss nicht nur eine zauberhafte Landschaft, heimelige Dörfer, stolze Städte, er sieht auch Problemzonen in der nördlichen Oberpfalz, deren von Erz- und Kohlengruben geprägte Industriegeschichte vorüber ist.

Gemeinden mit riesigen Flächen

Das kirchliche Leben konzentriert sich nach den Beobachtungen von Weiss auf das Miteinander in der Ortsgemeinde. Von den rund 200 Gemeindepfarrstellen würden Gemeinden betreut, die sich besonders im Bayerwald, im Oberpfälzer Wald und in Niederbayern über riesige Flächen ausdehen. Manche Religionslehrer unterrichten an bis zu elf Schulen. »Vielen ist es ein Herzensanliegen, in einer katholischen Umgebung ihrer evangelischen Kirchengemeinde treu zu bleiben.«

In Fragen der Ökumene zog Weiss eine zwiespältige Bilanz. Mancherorts werde auf katholischer Seite, vor allem seitens mancher Priester und Teilen der Diözesanleitungen, ein Rückzug aus schon einmal erreichten Feldern ökumenischer Zusammenarbeit beobachtet.

Der Vorstoß von Bischof Walter Mixa in Richtung einer Trennung der Gottsdienstpraxis bei der Militärseelsorge markiert für Weiss »ein Differenzierungsbedürfnis, für das viele Christen kein Verständnis haben«. Auf der anderen Seite gebe es an vielen Orten eine herzliche Nachbarschaft und ein gutes Miteinander zwischen evangelischen und katholischen Christen. »Viele katholische Christen engagieren sich gerne in evangelischen Gemeinden und bleiben dennoch ihrer Konfession treu«, berichtet Weiss. Ihm liegt daran, weiter vertrauensbildende Kontakte zu den Verantwortlichen in der katholischen Kirche aufzubauen. Dabei will er die Anliegen der Gemeinden vertreten, denen an einer ökumenischen Offenheit viel liegt. Welche Anteile dabei Freundlichkeit, Deutlichkeit, Entschiedenheit und Konfliktfähigkeit in seinem Vorgehen haben, will er von der aktuellen Situation vor Ort abhängig machen.

Christsein in der Minderheit

Zahlenmäßig bilden die evangelischen Christen im Kirchenkreis eine Minderheit. Die Region weist sogar den größten katholischen Bevölkerungsanteil im Bereich der deutschen katholischen Bistümer auf. Passau hat 88,1 Prozent und Regensburg hat 84,1 Prozent römische Katholiken in seinem Bereich. Zum Vergleich: In Bamberg sind es 42,2 Prozent, in München-Freising 56,1 Prozent.

Trotz der Diasporasituation sieht Weiss eine »hohe Akzeptanz« der evangelischen Gemeinden. Als Beleg zitierte er die Bemerkung eines katholischen Stadtrates aus Hengersberg: »Es ist gut, dass ihr Evangelischen in unsere Region gekommen seid. Bleibt nur hier. Seitdem ihr bei uns seid, sind Klima und Miteinander in unserm Ort viel besser geworden.« Bei Gemeindebesuchen schlägt ihm ein vielgestaltiges Sprachengemisch entgegen. »Einmal dominierte sogar das Sächsische«, berichtete Weiss. »Die sind verwundert und gekränkt, wenn jemand sagt, sie lebten in einer hinausgeworfenen Region«.

 

Themenspecial »Landessynode«

Auf einen Blick: Lesen Sie mehr im Themenspecial zur » Landessynode...

 

INFORMATION

DER KIRCHENKREIS REGENSBURG ist mit mehr als 24000 Quadratkilometer der flächengrößte der sechs bayerischen Kirchenkreise. In acht Dekanaten mit 149 Kirchengemeinden leben etwa 300000 evangelische Christen. Er reicht von der österreichischen Grenze im Osten bis Neuburg an der Donau im Westen, von Tirschenreuth im Norden bis Landshut im Süden.

Die Gründung des Kirchenkreises Regensburg war 1951 notwendig geworden, weil nach dem Zweiten Weltkrieg Tausende von evangelischen Flüchtlingen - vor allem aus Schlesien - nach Niederbayern und in die Oberpfalz kamen. Die bis dahin winzigen Diasporagemeinden wuchsen sprunghaft an, und es kam zu vielen Gemeindeneugründungen.

Um das evangelische Gemeindeleben zu ermöglichen, wurden in den fünfziger Jahren im ganzen Kirchenkreis mit einfachen Mitteln Kirchenbaracken erbaut. In nicht wenigen Städten gab es bis in die sechziger Jahre evangelische Bekenntnisschulen. Noch einmal gewachsen ist die Zahl der Gemeindeglieder nach der deutschen Wiedervereinigung und durch den Zuzug von Aussiedlerfamilien aus den ehemaligen Staaten der Sowjetunion. Etwa 200 Theologinnen und Theologen sind im Gemeindedienst tätig. Ferner gibt es 50 übergemeindliche Pfarrstellen.

  Näheres unter  www.kirchenkreis-regensburg.de

Helmut Frank

 


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abgerufen 21.05.2012 - 09:11 Uhr

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