Gedenken - handtellergroß
Seit zehn Jahren verlegt der Künstler Gunter Demnig »Stolpersteine«
Rund 4000 »Stolpersteine« erinnern auf deutschen Gehwegen an ermordete Juden. München hat sich gegen das Kunstprojekt ausgesprochen.
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 »Stolpersteine« der Erinnerung vor Häusern, in denen im Holocaust ermordete Juden lebten. In der Mauerkircherstraße in München-Bogenhausen durften diese Tafeln nicht bleiben. Im Juni ließ sie die Stadt München nach einem Stadtratsbeschluss wieder entfernen.
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Die Karriere des Balletttänzers Fritz Heilscher endete 1933. Im Juli 1942 starb er 43-jährig im KZ Sachsenhausen. Er war einer der rund sechs Millionen Juden, die von den Nazis bis 1945 ermordet wurden. An NS-Opfer wie Heilscher erinnern heute handtellergroße, gewölbte Messingplatten, eingelassen ins Gehwegpflaster vor dem letzten Wohnsitz der Ermordeten.
Die Idee für die »Stolpersteine«, die aufmerksamen Passanten Namen, Ort und Datum der Ermordung zeigen, hatte der Kölner Künstler Gunter Demnig vor zehn Jahren. Seitdem biegt und hämmert der 58-Jährige in seinem Atelier aus Messingblech die faustgroßen Gedenkwürfel.
Von örtlichen Bürgerinitiativen unterstützt, zementierte er seither rund 4000 der Messingplatten in die Trottoirs von bislang 52 Städten, davon allein 750 in Berlin.
In der bayerischen Landeshauptstadt sucht man Demnigs Stolpersteine hingegen vergebens: Im Juni war die Stadt den von Demnig »exemplarisch verlegten« Gedenkplatten mit der Spitzhacke zu Leibe gerückt. Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) begründete seine Ablehnung mit der Befürchtung einer »Inflationierung der Gedenkstätten«. Für die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, ist es »unerträglich«, die Namen ermordeter Juden auf Tafeln zu lesen, die in den Boden eingelassen sind und auf denen mit Füßen »herumgetreten« werde.
Anders sieht das freilich der Künstler: »Auschwitz war der Ziel- und Endpunkt, aber in den Wohnungen und Häusern begann das Unfassbare, das Grauen«, sagt Demnig. |