»Unseres Führers allergetreueste Opposition« (Teil 1)
Kirchenkampf in Bayern vor 70 Jahren
Von
Carsten Nicolaisen
Am 11. Oktober 1934 brach die nationalsozialistische »Reichskirchenregierung« in das Landeskirchenamt in München ein und versuchte, Landesbischof Hans Meiser und den Landeskirchenrat abzusetzen. Aber die Verantwortlichen für diese Kampagne hatten die Bekenntnistreue der Gemeinden, deren Loyalität zum Landesbischof und deren Zivilcourage unterschätzt.
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LK-Archiv, Nürnberg
 Eine bittere Stunde für den ehemaligen Kirchenpräsidenten Friedrich Veit (Mitte). Nachdem er zum Rücktritt gedrängt wurde, führt er nun bei der Einführung seines Nachfolgers Hans Meiser den Festzug zur Nürnberger Lorenzkirche an.
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Nach einem bekannten Goethe-Wort ist die ganze Kirchengeschichte ein »Mischmasch von Irrtum und Gewalt«. Das trifft insbesondere für die jüngere bayerische Kirchengeschichte in der Zeit des Nationalsozialismus zwischen 1930 und 1945 zu. Vor 70 Jahren, am 11. Oktober 1934, drangen Vertreter der Berliner »Reichskirchenregierung« in das Münchner Landeskirchenamt ein, legten eine Verordnung vor, nach der der rechtmäßige bayerische Landesbischof abgesetzt und die Landeskirche in zwei Kirchengebiete geteilt sei, versetzten eine Reihe von Oberkirchenräten - darunter auch einen, der gar nicht mehr am Leben war - in den Ruhestand und verpflichteten die anwesenden Beamten und Angestellten zum Gehorsam. Zwei bayerische Pfarrer, treue Nationalsozialisten, übernahmen als »geistliche Kommissare« das Kirchenregiment; der auf einer Dienstreise befindliche Landesbischof wurde nach seiner Rückkehr unter Hausarrest gestellt und von politischer Polizei Tag und Nacht scharf bewacht.
Wo liegen Hintergründe und Anlässe für diese spektakuläre Aktion? Wie konnte es dazu kommen, wo doch der Protestantismus weitgehend konform ging mit dem Nationalsozialismus? In Bayern waren völkische und nationalsozialistische Gedanken schon früh auf fruchtbaren Boden gefallen, zuerst in den mehrheitlich protestantischen Gebieten in Coburg und in Franken. Auch prominente evangelische Theologen neigten diesem Gedankengut zu. Zu nennen ist etwa der Erlanger Professor Paul Althaus, der, obwohl er nie Mitglied der NSDAP wurde, schon in den 1920er Jahren im Nationalsozialismus positive Anknüpfungspunkte für die Kirche sah. Auch der bis 1930 amtierende Münchner Dekan Hermann Lembert sympathisierte mit dem Nationalsozialismus; nach dem gescheiterten Hitlerputsch vom November 1923 trat er in seiner Predigt für Hitler ein, worauf ihm aus der Gemeinde sogar ein »Bravo« zugerufen wurde.
Eine Kirche nach dem Führerprinzip
Eine wichtige Rolle für den Transport nationalsozialistischer Ideen in die bayerische Pfarrerschaft spielte ferner der spätere Erlanger Dekan Eduard Putz, der 1927 als zwanzigjähriger Theologiestudent in die NSDAP eintrat. Putz hielt Propagandavorträge auf Pfarrerversammlungen, in denen er den Nationalsozialismus zur einzigen Macht für die Rettung Deutschlands vor dem völligen Zusammenbruch hochstilisierte. 1931 wurde tatsächlich ein eigener NS-Pfarrerbund gegründet, und bis Jahresende 1932 waren immerhin bereits 57 bayerische Pfarrer der NSDAP beigetreten. In den Gemeinden war der Rückhalt des Nationalsozialismus ungleich größer; im evangelischen Franken gab es einzelne Gemeinden, die 1932 zu 100 Prozent nationalsozialistisch wählten.
So überrascht es nicht, dass der politische Umbruch mit der Berufung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 von der Mehrheit der Pfarrer und aktiven Gemeindeglieder freudig begrüßt wurde. Manche Kirchen wollten sogar die Glocken läuten lassen, und als Hitler freundlich-wohlwollende Worte für Christentum und Kirche fand und feierlich versprach, die Rechte der Kirchen nicht anzutasten, meinten viele, der neue nationalsozialistische Staat würde wieder ein Staatswesen auf christlicher Grundlage werden. Auf der anderen Seite ließ Hitler allerdings keinen Zweifel daran, dass er Staat und Gesellschaft rücksichtslos im nationalsozialistischen Sinne umgestalten würde.
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Lachmann
 Gleichgeschaltete Kirche: Adolf Hitler begrüßt den »deutschchristlichen« Reichsbischof Ludwig Müller und Abt Albanus Schachleitner.
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An der Spitze der Landeskirche stand damals Kirchenpräsident Friedrich Veit, der auf Lebenszeit gewählt worden war. Veit war eine anerkannte Persönlichkeit von liberal-konservativer Ausrichtung, aber er hatte, wie viele 1933 plötzlich meinten, zwei gravierende Nachteile: er war bereits 72 Jahre alt und seinem ganzen Zuschnitt nach ein Repräsentant eines überholten Systems, der seine Kirche zwar bestens verwaltete, nicht aber in der Weise »führen« konnte, wie es angesichts der neuen politischen Herausforderungen notwendig zu sein schien. So kam es bald in verschiedenen Gremien der Landeskirche zu Bestrebungen, die auf eine Ablösung Veits zielten. Von Seiten der Pfarrerschaft war dieses Drängen so ultimativ, dass der Kirchenpräsident resigniert am 11. April 1933 zurücktrat.
Sein Vertreter wurde der bisherige Oberkirchenrat Hans Meiser, der den Kirchenpräsidenten nun auch sofort bei den Verhandlungen gesamtkirchlicher Gremien in Berlin vertrat und von dort alarmierende Nachrichten über die kirchenpolitische Lage mitbrachte. Anfang Mai wählte die Landessynode Meiser zum neuen Kirchenpräsidenten und verabschiedete gleichzeitig ein Gesetz, nach dem das bisherige Amt des Kirchenpräsidenten in das Amt des Landesbischofs umgewandelt wurde. Ein dem staatlichen Ermächtigungsgesetz nachempfundenes Kirchengesetz stattete ihn zudem mit umfassenden Vollmachten aus.
Der 52-jährige Meiser, ein Nürnberger Kaufmannssohn, war unter den damaligen Oberkirchenräten wohl derjenige, der die bayerische Landeskirche am besten kannte. Er war Vereinsgeistlicher der Inneren Mission in Nürnberg gewesen, Pfarrer in München und Vorstand der Münchner Diakonissenanstalt, später Leiter des Nürnberger Predigerseminars und seit 1928 Oberkirchenrat in München. Aus ungeklärten Gründen war Meiser während der Münchner Räterepublik 1919 kurzfristig als Geisel verhaftet worden; spätestens seitdem lehnte er jede Art von »Bolschewismus« ab.
Zwischen Anpassung und Selbstbehauptung
Meiser war kein Nationalsozialist, aber er war konservativ und national gesinnt wie viele seiner Amtskollegen, so dass die politischen Stellen keinen Anstoß an seiner Wahl nehmen konnten. Schon früh hatte er unter der zunehmenden Entkirchlichung des Volkes gelitten; nun erhoffte er sich - wie so viele andere auch - vom Nationalsozialismus Impulse und Unterstützung zur Wiedergewinnung des Volkes für die Kirche. In diesem Kontext ist auch die bereits am 13. April 1933 angeordnete Kanzelabkündigung zu verstehen, die einer öffentlichen Huldigung und theologischen Legitimierung des NS-Regimes gleichkam. In ihr hieß es: »Ein Staat, der wieder anfängt, nach Gottes Gebot zu regieren, darf in diesem Tun nicht nur des Beifalls, sondern auch der freudigen und tätigen Mitarbeit der Kirche sicher sein«.
Meiser ging es darum, die Kirche möglichst positiv in das neue Herrschaftssystem einzubringen. Deshalb fand er sowohl bei seiner Amtseinführung am 11. Juni 1933 in Nürnberg als auch auf der Landessynode wohlwollende Worte für die völkischen und nationalen Anliegen des Nationalsozialismus. Auf keinen Fall wollte er durch eine verfehlte Kirchenpolitik Zusammenstöße mit dem neuen Staat riskieren.
Trotz dieser auf Harmonie bedachten Strategie der Konfliktvermeidung mit dem nationalsozialistischen Staat kam es zu den Ereignissen im Herbst 1934. Sie sind nicht zu verstehen ohne die revolutionären kirchenpolitischen Veränderungen auf Reichsebene. Die Vertretung des deutschen Gesamtprotestantismus war damals der Deutsche Evangelische Kirchenbund, zu dem sich die Landeskirchen 1922 locker zusammengeschlossen hatten.
Die Führung des Kirchenbundes in Berlin wurde schon wenige Wochen nach Hitlers Regierungsantritt unter Druck gesetzt. Die Deutschen Christen, die im Frühjahr 1933 großen Zulauf erhalten hatten und sich nun als eine nationalsozialistisch orientierte volksmissionarische Reformpartei darstellten, meldeten ihre Machtansprüche an und forderten unter der Devise »Ein Volk - ein Reich - ein Führer - eine Kirche!« die sofortige Schaffung einer deutschen Reichskirche. Die Deutschen Christen waren zunächst eine Kirchenpartei gewesen, die - übrigens gegründet von zwei ehemaligen bayerischen Pfarrern - um 1930 in Thüringen erste kleinere Erfolge erzielen konnte. Ihre 1932 veröffentlichten Grundsätze machten keinen Hehl daraus, dass sie die Kirche in theologisch höchst bedenklicher Weise äußerlich wie innerlich nazifizieren wollten.
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Archiv
 Angriff auf den Bischof: Kampagne der Fränkischen Tageszeitung.
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Der Präsident des Kirchenbundes, Hermann Kapler, sah sich zum Handeln gezwungen und leitete darum eine Verfassungsreform des deutschen Protestantismus ein. Als Kapler seinen Antrittsbesuch bei Hitler machte und ihm dabei seine Pläne vortrug, geschah etwas ganz Außergewöhnliches, was ein bezeichnendes Licht auf Hitlers Skrupellosigkeit wirft. Während Kapler vor den zuständigen kirchlichen Gremien über seinen Empfang bei Hitler berichtete, wurde ihm ein Telegramm in die Sitzung hereingereicht mit der Meldung, dass Hitler soeben den Wehrkreispfarrer Ludwig Müller aus Königsberg zu seinem Bevollmächtigten für die Angelegenheiten der evangelischen Kirche ernannt habe. Müller sollte insbesondere »alle Arbeiten zur Schaffung einer evangelischen deutschen Reichskirche fördern«.
Hitler hatte also ohne jede Vorankündigung einen Staatskommissar eingesetzt, und die besondere Pikanterie lag darin, dass dieser Staatskommissar ein Pfarrer war, der zur Führungsriege der Deutschen Christen gehörte!
Die folgenden Wochen und Monate liefen nun ab wie ein kirchenpolitischer Kriminalfilm. Die Deutschen Christen wollten Ludwig Müller als Reichsbischof an der Spitze der Kirche sehen, aber die Vertreter der Landeskirchen setzten überraschend doch noch einmal ein Zeichen für die Unabhängigkeit der Kirche, indem sie den integren Leiter der Betheler Anstalten, Friedrich von Bodelschwingh, wählten. Daraufhin entfachten die Deutschen Christen im Verein mit der NSDAP Proteststürme gegen Bodelschwingh, und als wenig später auch in der größten Landeskirche, der preußischen, ein nationalsozialistischer Staatskommissar eingesetzt wurde, waren die Kirchenführer so eingeschüchtert, dass sie ihre Unterstützung für Bodelschwingh zurückzogen, der, kaum vier Wochen im Amt, zurücktrat. Dank der Intervention des Reichspräsidenten von Hindenburg gelang es, die neue Kirchenverfassung im Juli 1933 fertigzustellen, aber Hitler genehmigte sie nur unter der Bedingung, dass innerhalb von neun Tagen allgemeine Kirchenwahlen stattzufinden hätten.
Für die Wahlen stand den Deutschen Christen der gesamte Propaganda-Apparat der NSDAP zur Verfügung, und in der Nacht vor dem Wahlsonntag sprach sich auch Hitler selbst in einer Rundfunkrede für die Deutschen Christen aus. So war es kein Wunder, dass sie einen klaren Sieg errangen und nun in vielen Landeskirchen die Schlüsselpositionen besetzen konnten.
Rasseprinzip statt christlicher Taufe
In Bayern - ähnlich auch in Württemberg und Hannover - konnten sich die alten Kirchenleitungen allerdings im Amt halten. Hier hatten sich die Deutschen Christen erst verhältnismäßig spät um den Nürnberger Pfarrer und späteren Oberkirchenrat Hans Greifenstein gesammelt, aber eher als eine innerkirchliche Bewegung, weniger als eine Kirchenpartei mit eigenen Machtansprüchen. Über allgemeine Einheitslisten zogen viele kirchentreue Nationalsozialisten in die Kirchenvorstände und die Synode ein. Dem Landesbischof gelang es fürs Erste, die Deutschen Christen auf das Bekenntnis der Kirche zu verpflichten und sie dazu zu bewegen, sich lediglich als eine innerkirchliche, volksmissionarische Bewegung zu verstehen, vor allem aber, sie seiner Führung zu unterstellen.
Am 27. September 1933 trat in Wittenberg die erste Nationalsynode der neuen Reichskirche zusammen. Sie wählte einstimmig, also auch mit der Stimme des bayerischen Landesbischofs, Ludwig Müller zum Reichsbischof. Müller wollte die Reichskirche ideologisch im Sinne der Deutschen Christen und organisatorisch im Sinne der nationalsozialistischen Führung in das nationalsozialistische Herrschaftssystem einpassen. Aber bereits als die mehrheitlich deutschchristliche preußische Generalsynode Anfang September 1933 unter Müllers Führung den staatlichen »Arierparagraphen« in verschärfter Form auf die Kirche übertragen und damit die so genannten »Nichtarier« vom kirchlichen Dienst ausgeschlossen hatte, zeigte sich, dass Müller den Bogen überspannt hatte.
Wegen dieser Verletzung des kirchlichen Bekenntnisses, die das nationalsozialistische Rasseprinzip an die Stelle der christlichen Taufe setzte, rief der damalige Berliner Pfarrer Martin Niemöller zur Bildung eines Pfarrernotbundes auf, dem bald über ein Drittel der gesamten deutschen Pfarrerschaft beitrat. Auch Meiser rückte mehr und mehr vom Reichsbischof ab, weil dieser vor Rechtsbrüchen und Verletzung der Kirchenverfassung nicht zurückschreckte.
Als die Deutschen Christen im November 1933 auf einer Massenkundgebung im Berliner Sportpalast ihre Radikalität enthüllten, indem sie eine »artgemäße« deutsche Volkskirche forderten, in der die »Viehhändler- und Zuhältergeschichten des Alten Testaments« sowie die »Minderwertigkeitstheologie des Apostels Paulus« keinen Platz mehr haben sollten, distanzierte sich der Reichsbischof nur halbherzig von dieser Irrlehre. Noch mehr verlor er an Vertrauen, als er die gesamte evangelische Jugend eigenmächtig in die Hitler-Jugend eingliederte. Der Zorn der kirchlichen Opposition erreichte seinen Höhepunkt, als der Reichsbischof Kanzelerklärungen des Pfarrernotbundes mit Disziplinarmaßnahmen bedrohte. (...)
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70 Jahre Kirchenkampf
Meisers Kampf um die »intakte« Kirche

 Friedrich Veit.
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11. April 1933 - Auf Betreiben national- sozialistischer Pfarrer wird Kirchen- präsident Friedrich Veit zum Rücktritt gezwungen.
4. Mai 1933 - Eine außerordentliche Landessynode wählt Hans Meiser zum Landesbischof und verabschiedet ein »Ermächtigungsgesetz«, das ihm außerordentliche Vollmachten verleiht.
23. Juli 1933 - Auf Anordnung Hitlers finden Neuwahlen zum Kirchenvorstand im gesamten Reichsgebiet statt, die den nationalsozialistisch gesinnten »Deutschen Christen« in den meisten Landeskirchen Mehrheiten sichern.
12. - 14. September 1933 - Vor der Landessynode fordert Meiser die Deutschen Christen Bayerns auf, sich ihm zu unterstellen, was diese tun.
27. September 1933 - Der deutschchristliche Wehrkreispfarrer und Bevollmächtigte Hitlers für evangelische Kirchenfragen, Ludwig Müller, wird von der Nationalsynode - auch mit Meisers Stimme - zum Reichsbischof gewählt.

 Hans Meiser.
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Herbst/ Winter 1933/34 - Meiser wird neben Martin Niemöller, dem Leiter des Pfarrernot- bunds, zum Sprecher der »bischöflichen« kirchlichen Opposition gegen die Rechts- und Verfassungs- verletzungen der Reichskirchen- regierung unter Ludwig Müller.
25. Januar 1934 - Meiser erklärt mit anderen Kirchenführern bei einem Empfang bei Hitler seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit dem Reichsbischof.
13. März 1934 - Bei einem Empfang nimmt Meiser Hitler gegenüber seine Unterstellung unter den Reichsbischof zurück und begründet dies mit zahlreichen Rechtsbrüchen der Reichskirchenregierung und der fortschreitenden Gleichschaltung der Landeskirchen mit der Reichskirche.
22. April 1934 - In Ulm versammeln sich die verschiedenen Gruppen der kirchlichen Opposition (»Bekenntnisgemeinschaft«) und erklären sich zur »rechtmäßigen evangelischen Kirche Deutschlands«. Die Erklärung wird von Meiser im Ulmer Münster verlesen.
29. - 31. Mai 1934 - Meiser nimmt an der Bekenntnissynode in Barmen teil, auf der sich die Bekenntnisgemeinschaft zur Bekennenden Kirche formiert und die Barmer Theologische Erklärung verabschiedet.
21. Juli 1934 - Meiser lehnt die Forderung nach Eingliederung der bayerischen Landeskirche in die Reichskirche ab.
23. August 1934 - Die Landessynode stellt sich geschlossen hinter Meiser und lehnt Eingliederungsversuche ebenfalls ab.
3. September 1934 - Der Reichsbischof erlässt eine Verordnung zur Eingliederung der württembergischen und der bayerischen Landeskirche in die Reichskirche, die der Landeskirchenrat nicht anerkennt. Daraufhin titelt die nationalsozialistische Fränkische Tageszeitung in einem Extrablatt »Fort mit Landesbischof D. Meiser!« Auf einer Besuchsreise erklärt Meiser den Gemeinden in Lindau, Neu-Ulm, Augsburg, Ansbach, Dinkelsbühl, Rothenburg, Gunzenhausen, Nürnberg, Würzburg und Schweinfurt seinen kirchenpolitischen Kurs. In der gesamten Landeskirche werden überfüllte Bekenntnisgottesdienste gehalten.
11. Oktober 1934 - Die Reichskirchenregierung dringt in das Landeskirchenamt ein und erklärt Landesbischof und Landeskirchenrat für abgesetzt. Der Reichsbischof ernennt die beiden deutschchristlichen Pfarrer Hans Gollwitzer und Hans Sommerer zu geistlichen Kommissiaren. Meiser hält am Abend in der Münchner Matthäuskirche eine Predigt, in der er »Verwahrung« einlegt »gegen die Gewalt, die man unserer Kirche übt«. Als er sich weigert, die Absetzungsurkunde zu unterschreiben, wird er in seiner Wohnung unter Hausarrest gestellt. Am 14. Oktober werden die Gemeinden in einer Kanzelabkündigung informiert. Zahlreiche Delegationen reisen nach München und fordern die Rücknahme der Gewaltmaßnahmen gegen Kirche und Bischof. Von ca. 1400 bayerischen Pfarrern unterzeichnen 1230 eine Treueerklärung für Meiser.
31. Oktober 1934 - Die Bischöfe Meiser, Wurm (Württemberg) und Marahrens (Hannover) werden zu einem Gespräch zu Hitler eingeladen. Damit ist ihre Legalität von höchster Stelle wieder anerkannt.
1. November 1934 - Die Gewaltmaßnahmen gegen die bayerische Landeskirche werden zurückgenommen, die Kommissare abgezogen; Meiser und der Landeskirchenrat nehmen ihre Amtsgeschäfte wieder auf. Die Landeskirche ist wieder »intakt«.
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Kirche und Nationalsozialismus
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