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Dieser Artikel: Ausgabe 39/2004 vom 26.09.2004
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Geld, das gegen den Strom fließt

Das Ökumenische Netz Bayern befasste sich in St. Ottilien mit der Weltwirtschaft und einer Regionalwährung


Die Frage, was die Welt im Innersten zusammenhält, ist nicht nur eine fürs stille Kämmerlein, sondern auch eine des verantwortlichen Handelns in der Welt. Das Ökumenische Netz Bayern lud zu einer Tagung und zeigte bemerkenswerte Beispiele auf, global zu denken und lokal zu handeln.

Echte Viscri-Socken sind zu einem Markenzeichen geworden. Wer die Schafwollsocken aus dem rumänischen Selbsthilfeprojekt des Dorfes Viscri anhat, trägt Verantwortung und hilft lokal.
Foto: Halke
   Echte Viscri-Socken sind zu einem Markenzeichen geworden. Wer die Schafwollsocken aus dem rumänischen Selbsthilfeprojekt des Dorfes Viscri anhat, trägt Verantwortung und hilft lokal.

Die S-Bahn bleibt mit einem Ruck stehen. Geltendorf, Endhaltestelle. Auf dem Bahnsteig drängen sich Lederhosen und Dirndl. Alle Welt will zur Wiesn nach München. Ein paar Unerschrockene jedoch verlassen die S-Bahn und machen sich auf den Weg. Durch die Allee geht es nach St. Ottilien. Die Benediktinerabtei liegt auf einem Hügel weitab vom Trubel der Welt.

Eingeladen in diese Idylle hatte das Ökumenische Netz Bayern (ÖNB), in dem - nach eigenen Angaben - rund 220 christliche Gruppen und Einzelmitglieder zusammengeschlossen sind. Das Netzwerk, das 1988 aus der innerkirchlichen Bewegung »Konziliarer Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung« entstand, tagte zu seiner Jahreshauptversammlung hinter den Klostermauern.

Was jedoch hinter diesen Mauern referiert und diskutiert wurde, waren durchaus weltliche Themen. Für Inge Ammon vom Sprecherteam des Ständigen Ausschusses sollen unter dem Motto »Heilsame Alternativen« Auswege aufgezeigt werden, die weltweit und besonders auch für Deustchland »angesichts von Hartz IV und 1-Euro-Jobs« Veränderungen hervorbringen können. Wie ist die weltweite Wirtschaftskrise, die den Graben zwischen reichen und armen Ländern immer tiefer werden lässt, zu überbrücken? Sind Wirtschaftswachstum oder eine neoliberale Wirtschaftsordnung die Lösung für eine gerechtere Weltordnung?

Die 58 Teilnehmer und Teilnehmerinnen hatten sich einen Referenten eingeladen, der ungewöhnliche Antworten gibt. Professor Wolfgang Berger, Unternehmensberater aus Karlsruhe, sieht den entscheidenden Konstruktionsfehler des Kapitalismus in unserem Geldsystem. Und dieses wiederum kennt laut Berger keine Moral, sondern nur Gewinner. Wurzel allen Übels sind für ihn Zins und Zinseszins. Geld sollte vielmehr wieder zu dem werden, was es ursprünglich war, nämlich ein Tauschmittel, und als solches sollte es frei zwischen den Menschen fließen können.

Einen ersten Schritt in diese Richtung hat eine Initiative im Chiemgau schon gemacht. Sie hat das Geld nicht neu erfunden, vielmehr den Umgang mit ihm. Vereinsmitglieder lassen von ihrem Konto Geld abbuchen und erhalten dafür »Chiemgauer« im Wert von 5, 10 bis hin zu 50 Euro. Mit dieser Regionalwährung (1 Chiemgauer = 1 Euro) kann man regionale Produkte kaufen und regionale Dienstleistungen in Anspruch nehmen. »So bleibt das Geld bei uns und hilft lokale wirtschaftliche Kreisläufe aufbauen«, sagt Martin Schmidt-Bredow von der Chiemgauer Initiative.

Elsbeth Seiltz konnte von einem ähnlichen Erfolgsweg berichten. Sie ist Geschäftsführerin des Netzwerkes »Unser Land«, das regionale Produkte der Landwirtschaft in die Geschäfte bringt. So werden die Lebensgrundlagen der Menschen vor Ort und die regionalen Kreisläufe erhalten. »Zudem verknüpfen wir die lokale Wirtschaft mit dem Naturschutz. Unser Apfelsaft zum Beispiel kommt ausschließlich von Äpfeln von Streuobstwiesen«, erzählt Seiltz.

Für die, die den Weg gefunden hatten hinter die Klostermauern, wurde deutlich, dass hier nicht abgewandt von der Welt diskutiert wurde. All die Projekte leben davon, dass Einzelne in der Welt verantwortlich handeln. Dazu gehört auch die Unterstützung des Selbsthilfeprojektes im rümänischen Viscri, denn der Kauf der handgestrickten Socken kommt direkt den Herstellerinnen zugute.

Vielleicht wanderte am Ende der Tagung eine wackere Schar durch die Allee auf eben diesen Socken zurück in die Welt.

Sandra Zeidler

 


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abgerufen 04.02.2012 - 06:50 Uhr

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