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Dieser Artikel: Ausgabe 30/2004 vom 25.07.2004
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»Man will mich ein bisserl kaputt machen«

St. Pöltens katholischer Bischof Kurt Krenn und der Kinderporno-Skandal im Priesterseminar


Rücktritt nur, wenn der Papst es will: »Wenn er meint, Kurt Krenn habe etwas gemacht, das der Kirche nicht gefällt, dann soll Gottes Wille geschehen.«
Foto: stjosef.at
   Rücktritt nur, wenn der Papst es will: »Wenn er meint, Kurt Krenn habe etwas gemacht, das der Kirche nicht gefällt, dann soll Gottes Wille geschehen.«

Wer in den vergangenen Wochen die Internet-Seite des St. Pöltener Bischofs Kurt Krenn aufsuchte, konnte ein Stimmungsbild von der Seelenlage seiner Diözese gewinnen. Im Gästebuch wurde der Bischof frontal angegriffen und genauso vehement verteidigt. Der Sex-Skandal um das St. Pöltener Priesterseminar, für das Krenn zuständig ist, spaltet die Gegner und Befürworter des umstrittenen Bischofs einmal mehr, wobei sich nun auch im Lager der Freunde Krenns Fassunslosigkeit breit macht.

Nun werden »bis auf weiteres« keine Gästebucheinträge mehr freigeschaltet. »Aufgrund der kontroversen Natur der Vorgänge und der Bewertung der Geschehnisse, betreffend das Priesterseminar St. Pölten und dessen Leitung, sowie des zahlenmäßigen Umfangs der Einträge ist diese Entscheidung für uns die einzig mögliche«, heißt es unter  www.stjosef.at/bischof.k.krenn

Krenn gerät immer mehr unter Druck, weil auf mehreren Rechnern des Priesterseminars kinderpornografisches Material und Gewaltpornos gefunden wurden. Mehrere Wochen lang hatten Ermittler acht beschlagnahmte Computer auf kinderpornografische Bilder und Filme durchsucht. Die Rechner waren in den Zimmern der Seminaristen beschlagnahmt worden.

Nach Auskunft von Staatsanwalt Walter Nemec wurden die Fahnder auf mehreren Computern fündig. Gegen einen 27-jährigen Seminaristen aus Polen wird nun deshalb Anklage erhoben. Auf der Wechselfestplatte des Computers des Verdächtigen seien eine »Vielzahl von pornografischen Darstellungen mit Unmündigen« rekonstruiert worden, so Nemec.

Die beiden deutschen Leiter des Priesterseminars sind inzwischen zurückgetreten. Von ihnen existieren Fotos, die sie in homoerotischen Szenen mit Seminaristen zeigen. Laut Krenn, ein erklärter Gegner homosexueller Lebensweisen, »Bubendummheiten«. Die Vorgänge im Seminar wurden öffentlich, als ein Unbekannter Weihbischof Heinrich Fasching einen Briefumschlag voll kompromittierender Fotos zukommen ließ.

Krenn weigert sich bisher energisch, sein Amt niederzulegen. Der oberösterreichischen Sonntags Rundschau sagte er: »Man will mich ein bisserl kaputt machen. Ich habe viel Stehvermögen. Die wollen mich abschießen.« Auf die Frage, ob sich der Vatikan schon bei ihm gemeldet habe, sagte der Bischof: »Nein. Es ist ja gar nichts. Vielleicht waren irgendwie, irgendwo ein Homosexueller oder ein anderer schlimmer Bursche dabei. Mehr ist nicht bekannt. Der Rest ist alles Mache.«

Unterdessen wächst der Druck auf Krenn. Der österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel will eine »rasche Klärung« des Skandals. Im ORF sagte er, die Kirche habe einen Auftrag, »vorbildlich bestimmte Prinzipien zu leben«. Demgemäß hätten »die Verantwortlichen zu handeln, und sie haben das im Sinne der Wahrheitssuche und im Sinne einer zügigen Aufklärung zu tun«. Laut einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts OGM votieren 72 Prozent der Österreicher für den Rücktritt Krenns.

Auf die Frage, was ihn zum Rücktritt bewegen könnte, meinte Krenn: »Da gibt es nur einen, der mich bewegen kann, und das ist der Papst. Wenn er meint, Kurt Krenn habe etwas gemacht, das der Kirche nicht gefällt, dann soll Gottes Wille geschehen.« Aus dem Vatikan lag bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch keine Reaktion vor. Papst Johannes Paul II. wurden jedoch bereits die Unterlagen der Affäre vorgelegt.

Allgemein wird nicht mit einer raschen Entscheidung gerechnet. Offen ist noch, welche Gruppe sich in Rom durchsetzt: die Krenn-Kritiker, zu denen etwa der deutsche Kardinal Josef Ratzinger zählt; oder die Krenn-Freunde, wie etwa Kardinal Marian Jaworski und der päpstliche Sekretär Erzbischof Stanislaw Dziwisz.

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abgerufen 08.02.2012 - 23:24 Uhr

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