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Dieser Artikel: Ausgabe 30/2004 vom 25.07.2004
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Staatlich erzeugter Nachwuchsmangel in der Altenpflege

Bundeseinheitliche Regelung macht den Seniorenheimen die Praxisplätze für Auszubildende zu teuer


In der bayerischen Altenpflege droht Nachwuchsmangel. Aber nicht etwa, weil es zu wenige junge Leute gäbe, die sich für den Beruf interessieren. Sondern weil durch eine bundeseinheitliche Verordnung die Ausbildung für Altenheimträger eine zu teure Angelegenheit geworden ist.

Altenpfleger oder -pflegerin: Ein Beruf, für den es wachsenden Bedarf gibt. Und es gäbe auch genug junge Leute, die sich dafür interessieren. Allein es fehlt an Praxisplätzen für die Ausbildung.
Foto: Diakonie Neuendettelsau
   Altenpfleger oder -pflegerin: Ein Beruf, für den es wachsenden Bedarf gibt. Und es gäbe auch genug junge Leute, die sich dafür interessieren. Allein es fehlt an Praxisplätzen für die Ausbildung.

Weil Praxisplätze fehlen, rechnet die Diakonie Neuendettelsau damit, dass in rund 70 Prozent der evangelischen Altenpflegeschulen in Bayern heuer keine neuen Ausbildungsjahrgänge starten können. Trotz hohem Interesse am Beruf sei ein eklatanter Rückgang junger Fachkräfte zu befürchten, teilte das größte evangelische Sozialunternehmen Bayerns mit.

Grund ist die zu Jahresbeginn in Kraft getretene bundeseinheitliche Neuordnung der Altenpflegeausbildung. Sie bestimmt, dass diejenigen Heime, die Praktikantinnen aufnehmen, auch die Ausbildungsvergütung bezahlen müssen. Zwar könnten sich die Heime wieder über erhöhte Pflegesätze entschädigen, wegen des Konkurrenzdrucks scheuen viele davor jedoch zurück.

Lieber bieten sie keine Praxisplätze mehr an. Das ist - arbeitsmarktpolitisch - eine kuriose, ja absurde Situation: Es herrscht Lehrstellennot; tausende Jugendliche wollen eine Ausbildung. Gerade im Bereich der Altenpflege gäbe es genügend Bewerber und Bewerberinnen, es gibt auch genügend Schulplätze in Altenpflegeschulen. Aber sie können nicht genutzt werden, weil es an Praxisplätzen fehlt.

Das bekommen auch die fünf Altenpflegeschulen der Diakonie Neuendettelsau in Ansbach, Roth, Gunzenhausen, Neuendettelsau und Neunkirchen am Sand zu spüren. Ihnen flattern wesentlich mehr Bewerbungen auf den Tisch, als sie Praxisplätze haben. Nach derzeitigem Stand können nur an zwei Standorten - in Neuendettelsau und Neunkirchen - Eingangsklassen gebildet werden.

Als Ausweg aus dem Dilemma fordern die Neuendettelsauer Altenpflegeexperten die Einführung einer Umlagefinanzierung. Dabei müssten alle Heime und ambulanten Pflegedienste, egal ob sie selbst ausbilden oder nicht, in einen gemeinsamen Topf einzahlen, aus dem dann die Ausbildungskosten beglichen würden.

Eine Sprecherin des Sozial­ministeriums nannte in einer Erwiderung eine Ausbildungsumlage »das schlechtestee Mittel, weil damit ein erheblicher bürokratischer Aufwand verbunden ist«.

sob/epd

 


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abgerufen 08.02.2012 - 11:53 Uhr

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