ZEITZEICHEN
Das feuchtwarme Sommerwetter mit seinen dennoch gleichsam herbstlichen Zwischenspielen narrt, wie es heißt, Maronen und Rotkappen in unseren heimischen Wäldern. Sie vermeinten, bereits im September angekommen zu sein und schössen nun wie die Pilze aus dem Boden, vermelden die Nachrichtenagenturen kopfschüttelnd. Letztere freilich bräuchten sich, so meinen wir, nicht derart aufzukoffern. Schießen doch aus deren Böden zur Zeit und zur Unzeit (wenn auch nicht Pilze, so doch) Stilblüten der seltsamsten Art.
»Gewinnwarnung« heißt ein Wort im Reigen ihrer neuen Modewörter. Die Firma Koks & Kohle zum Beispiel (Name sowohl geändert, als auch der Redaktion bekannt ) gäbe eine »Gewinnwarnung« heraus. So lesen wir und fragen uns natürlich zusammen mit dem gemeinen Manne auf der Straße ängstlich, welcher Art die Gewinne jener ehrenwerten Gesellschaft mit beschränkter Bodenhaftung wohl sein mögen, dass man vor ihnen warnen müsse.
Mancher Sinn manchen Wortes, so weiß man, erschließt sich von seinem glatten Gegenteil her, und so versuchen wir uns der »Gewinnwarnung« über die »Verlustempfehlung« zu nähern. Allein der Ausdruck »Empfehlung« bewirkt natürlich gute Vibrationen in uns. Diese wiederum helfen womöglich, einen »Verlust« zu verschmerzen. Weil nun aber für unsereinen als Christen ohnehin »Geben seliger denn Nehmen« ist, könnten möglicherweise auch »Verluste seliger als Gewinne« sein. Fazit: Wer weiß, was die »Kinder der Welt« auch immer unter ihrer neumodischen Gewinnwarnung verstehen - unsereins hat schon lange und immer noch die Gewinnwarnung schlechthin im Ohr: »Was nützte es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne, und nähme doch Schaden an seiner Seele.« |  |