»Die Blindgänger«
Kinderfilm mit blinden Darstellern
Jüngst mit dem Deutschen Filmpreis in der Kategorie »Bester Kinder- und Jugendfilm« ausgezeichnet, auf zahlreichen Festivals gefeiert: »Die Blindgänger« ist ein hinreißend schöner Kinderfilm. Unterstützt hat den Film die evangelische Kirche.
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Kinderfilm
 Blinde Flecken im Spiegel: »Wer bin ich?« fragt sich die blinde 13-jährige Marie (Ricarda Ramünke), als sie zum ersten Mal verliebt ist.
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»Das geht doch nicht!« ruft ein kleiner Junge während der ausverkauften Vorstellung beim »KinderFilmfest« in München entrüstet, als sich auf der Leinwand Onkel Leo zum Schlafen in die Kirchenbank legt. Leo, Pförtner im Internat für sehbehinderte und blinde Jugendliche, hat sich freiwillig am Wochenende in die Klosterkirche in Pforta einsperren lassen, damit Marie und Inga, Daniel und Herbert, der einzig Sehende der Schülerband »Die Blindgänger«, heimlich ihr Video für den Musikwettbewerb aufnehmen können. Jetzt ist es dunkel, die Batterie von Leos mobilem Kleinst-Fernseher leer, und was soll man da anderes tun, als zu schlafen? Für die Haupt- und die meisten Nebendarsteller in dem Film ist es immer dunkel, denn sie sehen gar nichts oder kaum mehr.
Das geht doch nicht, könnte man denken - mit blinden Jugendlichen einen Film zu drehen. Ein Film, der dann auch nicht im strahlenden Sommerblau, sondern in der dunklen Winterzeit spielt. Ein Film, in dem sich die »Guckis«, wie die Sehenden heißen, mittels der Kameraführung an die etwas langsameren Bewegungen von blinden Menschen anzupassen haben. Das geht doch nicht, könnte man meinen, so viele anrührende Handlungsstränge zu erzählen und doch den Faden nie zu verlieren...
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 Herbert (Oleg Rabcuk) ist ein »Gucki«, einer der sehen kann. Er rettet Marie (Ricarda Ramünke).
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Man sieht und muss sagen: Doch, es geht. »Die Blindgänger« ist ein Film geworden, der nicht nur die Filmkritiker auf der Berlinale, beim Deutschen Filmpreis, beim Internationalen Kinderfilmfestival im tschechischen Zlin und gerade jetzt auf dem Münchner Filmfest begeistert hat. Sein Publikum von Großen und Kleinen wird er finden und lange nachwirken, denn liebevoll mit Humor und dem Blick auf Kleinigkeiten schildert er ganz realistisch Alltagsleben unter Jugendlichen und bietet doch einen Zugang, der (noch) selten zu sehen ist in deutschen Kinos.
Für den Regisseur Bernd Sahling ist es das Spielfilmdebüt. Über Jahre hat er jedoch als Dokumentarfilmer die blinde Tochter einer Freundin begleitet und hier Erfahrungen gesammelt, die ihm bei der ungewöhnlichen Machart des Filmes nutzten. An allen Blindenschulen in Deutschland haben Sahling und seine Crew nach den passenden Schauspielerinnen und Schauspielern gesucht und sind fündig geworden. »Die Blindgänger« will erkennbar nicht betroffen machen oder aufklärerische Informationen vermitteln, der Film erzählt von menschlichem Leben in all seiner Vielfalt, ohne zu werten und ist doch parteiisch. Solche Filme können heutzutage neben großem Engagement aller Beteiligten nur mit breiter Unterstützung realisiert werden.
Den von der Erfurter Kinderfilm GmbH und dem ZDF produzierten Film hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) unterstützt. Ganz bewusst setzt Bernd Merz, der EKD-Rundfunkbeauftragte, Schwerpunkte im Bereich Kinderfilm: »Kinder brauchen Filme wie 'Die Blindgänger': sensibel, präzise, nah am Leben und Mut machend.«
Bei den Fernsehsendern vermisse er »manchmal die Bereitschaft, Geschichten wie in 'Die Blindgänger' zu erzählen, die Werte vermitteln«, sagte Merz bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises in Berlin - dabei lohne sich solches Engagement »für die Kinder und für unsere Gesellschaft«.
Nur etwas Geduld braucht es jetzt noch: Kinostart ist erst am 28. Oktober. |  |