Warten auf den großen Sprung nach vorn
Der Papst traf sich mit dem orthodoxen Patriarchen Bartholomäus
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 Gipfeltreffen in Rom: Papst Johannes Paul II. und der orthodoxe Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel.
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Die Eiszeit zwischen dem Vatikan und den orthodoxen Kirchen scheint endgültig von Tauwetter abgelöst zu sein. Nach einer der schwersten Krisen im katholisch-orthodoxen Dialog hat das Ehrenoberhaupt der Orthodoxen, Patriarch Bartholomäus I., zum Zeichen der Versöhnung Papst Johannes Paul II. besucht.
Dass die Annäherung nicht nur in solchen Gipfeltreffen besteht, zeigte die Einweihung einer antiken Kirche auf Roms Forum Romanum für den Gebrauch durch die griechisch-orthodoxe Gemeinde der Stadt. In dem kleinen Gotteshaus am Rand riesiger Ruinen aus der Kaiserzeit trafen sich Bartholomäus und der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper, der Präsident des Päpstlichen Einheitsrates, um gemeinsam zu feiern. Offizielle Gespräche hatten sie am Vortag geführt, um auszuloten, wie der unterbrochene Dialog wieder aufgenommen werden kann.
Der fünftägige Besuch des Patriarchen von Konstantinopel in Rom folgt auf eine Visite von Kardinal Kasper vor wenigen Monaten in Moskau. Das dortige Patriarchat hatte vor einem Jahr mit äußerster Schärfe auf die Ernennung katholischer Bischöfe in Russland reagiert, denn es betrachtet sie als Einmischung in orthodoxe Angelegenheiten und als Versuch, Gläubige abzuwerben.
Vor dem Hintergrund bereits bestehender Spannungen zwischen dem Vatikan und der Orthodoxie um mit Rom unierte Ostkirchen kam es zu Beschuldigungen, die der Vatikan zurückwies, während Aufenthaltsgenehmigungen von katholischen Geistlichen in Russland nicht verlängert wurden. Bartholomäus hatte als Ehrenoberhaupt der Orthodoxen noch im vergangenen November den Vatikan in scharfer Form vor der geplanten Errichtung eines katholischen Patriarchats in der Ukraine gewarnt.
Die Gründe für die Krise konnte der Dialogspezialist Kardinal Kasper bei seinem Besuch in Moskau nicht aus der Welt schaffen. Aber er legte dort erfolgreich die Grundlagen für eine Wiederaufnahme des offiziellen Dialogs und die Bartholomäus-Visite in Rom. Bei seinem ersten Treffen mit dem orthodoxen Patriarchen seit zwei Jahren konnte der Papst deshalb jetzt einen »Sprung nach vorn im Dialog« fordern.
Dafür müsste die gemischte Kommission aus katholischen und orthodoxen Theologen, deren Arbeit durch die jüngste Krise unterbrochen wurde, unbedingt wieder aufgenommen werden, mahnte das greise Kirchenoberhaupt. Diese Gespräche waren vor einem Jahr nach dem Konflikt um die Ernennung katholischer Bischöfe in Russland unterbrochen worden.
Der Papst verurteilte bei der Begegnung erneut die Plünderung von Konstantinopel, bei der Kreuzfahrer im Jahr 1204 »Blut von Glaubensbrüdern vergossen«. Seit der Begegnung zwischen Papst Paul VI. und dem orthodoxen Patriarchen Athenagoras I. vor 40 Jahren hätten die katholische und die orthodoxen Kirchen auf dem Weg der Versöhnung jedoch große Fortschritte erzielt.
Bevor die Theologen sich wieder regelmäßig an einen Tisch setzen, zeigten Johannes Paul II. und Bartholomäus I. bei der Messe zum Hochfest Peter und Paul auf dem Petersplatz, dass auch ohne offizielle Einigung Gemeinsamkeit möglich ist. Auch wenn ihre Kirchen nicht gemeinsam Abendmahl feiern können, predigten sie gemeinsam die Pflicht zur Ökumene und segneten zusammen die Gläubigen. | THEMA DER WOCHE
Das große Schisma: Vor 950 Jahren trennten sich Ost- und Westkirche... » mehr!
ZITAT
»Gar zu viel Unkraut der Ketzerei wird hier tagtäglich unter der ehrenhaften Bürgerschaft ausgesät. Angesichts der vielfachen Schmähung und Beleidigung des heiligen vornehmen Apostolischen Stuhles ist festzustellen: Michael, durch Missbrauch Patriarch, in Wirklichkeit ein Neuling, und alle seine Gefolgsleute, die in denselben Irrtümern befangen sind, sie sind verflucht mit allen Ketzern, ja mit dem Teufel und seinen Engeln, falls sie nicht etwa Vernunft annehmen sollten. Amen, Amen, Amen...«
Aus der römischen Bann-Bulle gegen die orthodoxe Kirche 1054  |