Wo Jesus einen Blinden heilte
Israelische Archäologen entdecken den biblischen Teich Siloah
Der Siloah-Teich im Süden des historischen Jerusalem, zu dem Jesus dem Johannes-Evangelium zufolge einen Blinden zur Heilung schickte, ist nun genau lokalisiert. An dem Ort des Jesus-Wunders könnte eine neue christliche Pilgerstätte entstehen.
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Sahm
 Die monumentalen Stufen, die auch Jesus hinabging, sind teilweise freigelegt, das Teichbecken ist noch von einer fünf Meter starken Erdschicht bedeckt.
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Zur Frage christlicher Heiliger Stätten will ich mich nicht äußern«, sagt der israelische Archäologe Eli Schukrun. In der vorigen Woche hatte er Schlagzeilen gemacht mit einer vom ihm entdeckten Treppenanlage aus der Herodianischen Epoche, also der Zeit Jesu. Ein Abwasserrohr sollte im historischen Untergrund im Süden Jerusalems, zu Füßen der »Stadt Davids« verlegt werden, als etwa 300 Meter entfernt vom traditionellen Siloah-Teich breite Stufen zum Vorschein kamen. »Sie sind so monumental, weil sie wohl zum biblischen Siloah-Teich herabführen. Den wollen wir schon bald freilegen.«
Das Alter der Treppenanlage konnte er anhand eines vor hundert Jahren entdeckten »Staudammes« unter der heutigen Zufahrtsstraße festlegen. Unter einem Garten mit alten Olivenbäumen dürfte schon bald eine der wichtigsten und berühmtesten biblischen Stätten freigelegt werden. Die biblischen Israeliten schöpften hier schon vor 2400 Jahren das Wasser für ihren Tempeldienst, während Jesus einen Blinden zum Bad im Teich schickte, woraufhin er sehend wurde.
Zur Frage, wieso die Byzantiner im fünften Jahrhundert ihre Kirche »Zum Erleuchter« dreihundert Meter entfernt vom biblischen Teich errichtet hätten, kann Schukrun nur spekulieren: »Fünfhundert Jahre zwischen der Zerstörung Jerusalems und der Errichtung der Kirche sind eine lange Zeit. Da ist bei den Winterregen tonnenweise Schutt und Erde ins Tal geflossen. Alle Bauten wurden überdeckt.« In der Tat lag bis vor wenigen Tagen eine fünf Meter hohe Erdschicht über der Treppe aus der Zeit des Herodes. »Wahrscheinlich haben die Byzantiner am Ausgang des Hiskiastunnels einen natürlichen Teich gesehen und geglaubt, dass das die historische Stätte sei.« Schukrun ist allerdings der Kaiserin Eudokia »sehr dankbar«, sich bei der Lokalisierung ihrer Heiligen Stätte geirrt zu haben: »Die Christen waren nicht so gründlich mit der Forschung, wie wir das heute sind. Dank dem Irrtum ist die Originalstätte erhalten geblieben, und heute können wie sie ausgraben.«
Die Bedeutung dieser Entdeckung kann man einer bedauernden Anmerkung des Archäologen Jerome Murphy-O´Connor in seinem archäologischen Führer zum Heiligen Land entnehmen: »Die ursprüngliche Form des Teichs ist für immer verschwunden. Wahrscheinlich hat Herodes im Zuge seines ungeheuren Bauprogramms in Jerusalem Veränderungen eingeführt, aber auch sie können die Einnahme der Stadt Davids durch die Römer kaum überlebt haben.« So kann man sich irren, denn jetzt stellt sich heraus, dass jener Teich, den Jesus kannte, von Herodes mit einer Treppenanlage zugänglich gemacht worden ist, und dass dieser unter den Schutthalden im Originalzustand erhalten geblieben ist.
»Meister, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist?« Das fragten die Jünger Jesu beim Verlassen des Jerusalemer Tempels. Jesus spie auf den Boden, machte mit der nassen Erde einen Brei, legte ihn dem Blinden auf die Augen und schickte ihn zum Teich Siloah. Nach dem Bad kam er sehend heraus (Johannes 9).
Dieses Wunder lässt sich geografisch einwandfrei lokalisieren. Im Süden des Tempels sind heute noch die Ausgänge, Treppen und Läden erhalten, wo Jesus dem Blinden begegnete. Ein paar hundert Meter weiter, am steilen Abhang der »Davidsstadt«, endet der berühmte, im 8. Jahrhundert vor Chr. von König Hiskia (727-698 v. Chr) in den Fels gebrochene Wassertunnel am Siloah-Teich. Das Wasser ergießt sich in Gärten, die schon in der Bibel als »Gärten des Königs« bezeichnet wurden. Der Teich und sein Wasser spielten in biblischer Zeit, lange vor Jesus, eine wichtige Rolle beim Tempeldienst. Bis heute kommen Juden an ihren Feiertagen zum Teich, um Wasser zu schöpfen.
Um 450 errichtete die Kaiserin Eudokia über einem an dieser Stelle von Kaiser Hadrian errichteten öffentlichen Bad eine Kirche mit Kuppel und zwei getrennten Wasserbecken. Die Basilika war »Unserem Retter, dem Illuminator (Erleuchter)« gewidmet. Sie war ein Anziehungspunkt für Lepra-Kranke und Blinde, die dort auf Heilung hofften. Doch die Perser zerstörten die Kirche im Jahr 614. Seitdem sind in einem Wasserbecken am Ende des Tunnels ein paar Säulenstümpfe zu sehen. Arabische Kinder plantschen im Wasser, wo noch vor wenigen Jahren Frauen aus dem Dorf Silwan ihre Wäsche wuschen.
Im vorigen Jahrhundert wurde neben der Heiligen Stätte der Juden und Christen eine Moschee errichtet, um die Neuerrichtung einer Kirche zu verhindern. Am Teich weist ein Schild den Wakf, die muslimische Verwaltungsbehörde, als Besitzer der Stätte aus. Moderne Archäologen haben nun den »wahren« Ort des Jesu-Wunders ausgemacht, sodass vielleicht doch an der »neuen« Stelle wieder ein christlicher Pilgerort entstehen könnte. |  |