Lachen erlaubt
»Über den lieben Gott macht man keine Witze«
Ich war vor ein paar Tagen in unserem Gemeindezentrum zu einem Altennachmittag eingeladen. Das Thema des Nachmittags hieß »Beten - aber wie?« Es war eine schöne Veranstaltung, bei der ich ein paar Stunden lang meine Sorgen und meine Zipperlein vergessen konnte.
Allerdings gab es für mich einen sehr unbefriedigenden Schluss, der mich aufgewühlt hat und der mich heute noch beschäftigt. Folgendes ist geschehen: Wir saßen in kleinen Tischgruppen zusammen. Die Pfarrerin gab einen kurzen Impuls. Dann sollten wir uns miteinander austauschen. Zum Schluss hin hieß die Aufgabe seitens unserer Pfarrerin: »Was ich noch zum Thema sagen möchte...«
Mir fiel ein Witz ein, den mir mein Sohn, ein Golfspieler, neulich erzählt hatte, und den gab ich zum Besten.
Ein völlig harmloser Witz, so dachte ich jedenfalls: »Zwei Pfarrer spielen miteinander Golf. Der eine ist am Zug, er schlägt den Ball, der fliegt weit und immer weiter und - bleibt verschwunden. Unauffindbar. So sehr die beiden auch suchen. Sie können es sich nicht erklären. Schließlich sagt der eine: 'Sicher hast du gebetet, dass der Ball ins Loch rollt. Ich habe gebetet, dass er es nicht tut. Was bleibt dem lieben Gott da anderes übrig, als ihn verschwinden zu lassen.'«
Zu meinem Entsetzen giftete mich daraufhin eine Dame an. »Über den lieben Gott macht man keine Witze.« Ich hätte mich da doch ziemlich im Ton vergriffen. Dieser Witz verletze sie in ihren religiösen Gefühlen! Sie können sich vorstellen, dass ich ganz durcheinander bin. Sagen Sie mir doch bitte, ob ich mich falsch verhalten habe.
Mir ist jedenfalls das Lachen vergangen.
Frau E.
Zunächst einmal sage ich Ihnen, dass ich Ihr Erschrecken wahrnehme. Ein wohl tuender und auch entspannender Nachmittag - und dann dieser Schluss! Es hat Sie, die Sie nichts Böses ahnten, zutiefst getroffen. Haben Sie sich falsch verhalten? Ich selbst musste über Ihren Witz schmunzeln und habe ihn so genommen, wie er wohl gedacht war. Ein leichter, amüsanter Beitrag zum Schluss eines schönen Nachmittags.
Ich kann darin kein Fehlverhalten sehen.
Im Übrigen macht sich dieser Witz auch nicht über den lieben Gott lustig. Schon eher über die beiden Pfarrer. Wozu Gebete manchmal doch herhalten müssen. Und wie versöhnlich, dass die beiden über sich selbst lachen konnten.
Ihr Witz war auch ein Beitrag zum Thema des Nachmittags. Freilich: Jeder Mensch hat das Recht für sich zu sagen, was ihn verletzt. Das haben wir zu respektieren. Gleich, ob wir es auch so empfinden oder nicht. Für Ihre Tischnachbarin war, aus welchen Gründen auch immer, eine Grenze überschritten. Sie und ich haben das so zu respektieren.
Noch ein Wort zu dem letzten Satz Ihres Briefes. Immanuel Kant sagt einmal: »Der Himmel hat uns Menschen als Gegengewicht gegen die vielen Mühseligkeiten drei Dinge gegeben, den Schlaf, die Hoffnung und das Lachen.«
Dem Himmel sei's gedankt. Bitte sperren Sie das Lachen nicht aus. Lassen Sie es in Ihr Leben zurückkommen. | SONNTAGSBLATT - SPRECHSTUNDE
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