»Was morgen kommt, ist nicht nur unsere Sache«
Juan Goicochea kümmert sich um Menschen auf der Straße
Straßenkinder in Lima, Junkies in Innsbruck, Obdachlose in Nürnberg: Wenn es um das Thema Armut geht, ist der Peruaner Juan Goicochea Experte. Seit 15 Jahren arbeitet der 34-jährige Pater auf den Straßen der Welt, dort, wo die Armut ein Gesicht hat.
Seit er mit seiner Glaubensgemeinschaft, den Comboni-Missionaren, in Nürnberg lebt, hat ihn auch die evangelische Kirche für sich entdeckt. Dreimal schon hat er in der Thomasmesse, »dem Gottesdienst für Zweifler und andere gute Christen«, über Armut und Reichtum gesprochen - zuletzt in der Münchner Lukaskirche.
Juan ist mit sieben Geschwistern in einem Dorf bei Piura, im Norden von Peru, aufgewachsen. Seine Eltern leben noch heute vom Anbau von Reis und Baumwolle. Seit er acht Jahre alt war, arbeitete er nach der Schule als Schuhputzer und Zeitungsverkäufer - so wie seine drei Brüder auch. »Wir haben oft am Abend nicht gewusst, was wir am nächsten Tag essen werden«, erinnert sich der junge Missionar.
Gottvertrauen hat ihn sein Leben lang begleitet. »Glaube ist in Peru Alltag, Leben - nicht nur die eine Stunde am Sonntag in der Kirche«, sagt Juan. Dass Gott gut ist, war in seiner Heimat nie Diskussionsthema. »Wir vertrauen darauf, dass er uns begleitet - was morgen ist, ist nicht nur unsere Sache.«
Mit 19 Jahren trat Juan Goicochea in den Comboni-Orden (s. Kasten) ein. Er studierte in der peruanischen Hauptstadt Lima Philosophie, kümmerte sich um die Straßenkinder und besuchte Mitglieder der Terrororganisation »Leuchtender Pfad«, die das Land von 1980 bis 1993 mit Angst und Schrecken überzogen hatte, im Gefängnis. Eine gefährliche Mission: Um die Familien der Häftlinge zu besuchen, wagte er sich in die schlimmsten Viertel der Stadt. Angst hat er keine: »Ich war schon so oft tot und lebe immer noch«, lacht der Pater.
Seit acht Jahren lebt Juan jetzt schon in Europa. In Innsbruck studierte er Theologie und arbeitete in einer Notschlafstelle für Obdachlose. Seit vier Jahren ist er auf Nürnbergs Straßen unterwegs. Die Wegwerf-Mentalität der deutschen Konsumgesellschaft schmerzt ihn genauso wie die Kluft zwischen Wohlhabenden und Armen: »Wenn einer alles hat und der andere nicht mal eine Perspektive, kann ich Gewalt verstehen.« In Nürnberg begegnen ihm jeden Tag die unterschiedlichsten Welten: »Ich treffe Junkies, die nicht ansprechbar sind, weil sie sich gerade was gespritzt haben, dann begegne ich einem Peruaner, und wir reden in unserer Heimatsprache, dann kommt vielleicht ein Punker, der Ärger mit einem Neonazi hat, danach ein Pfarrer, mit dem ich über die Arbeit spreche, und zum Schluss eine Polizeikontrolle, die mich befragt, was ich tue«, schildert der Pater seinen Alltag.
Was er den Menschen am Rand der Gesellschaft geben kann, ist Zeit: »Sie sind dir ewig dankbar, wenn du ihnen zuhörst.« Glück bedeutet für ihn nicht Wohlstand, sondern inneren Frieden. Dass nicht jeder als Streetworker arbeiten kann, ist ihm klar. Aus der Bergpredigt leitet Juan aber die Pflicht zur Solidarität mit dem Nächsten ab: »Wir sollen unseren Mitmenschen das Gefühl geben: Du bist nicht allein, es ist mir nicht egal, wie es dir geht.«
Segensreicher Lebensweg
In vier oder fünf Jahren zieht Juan wieder weiter. Am liebsten würde er in den Sudan gehen, wo die Comboni-Brüder viele Stützpunkte in den Armenvierteln unterhalten, oder zurück nach Peru. Seine Maxime für eine menschlichere Welt wird ihn dabei begleiten: »Mach dich auf den Weg des Lebens und sei ein Segen für alle Menschen, denen du begegnest.«
Juan Goicochea kümmert sich um Menschen auf der Straße»Was morgen kommt, ist nicht nur unsere Sache«Straßenkinder in Lima, Junkies in Innsbruck, Obdachlose in Nürnberg: Wenn es um das Thema Armut geht, ist der Peruaner Juan Goicochea Experte. Seit 15 Jahren arbeitet der 34-jährige Pater auf den Straßen der Welt, dort, wo die Armut ein Gesicht hat.
Seit er mit seiner Glaubensgemeinschaft, den Comboni-Missionaren, in Nürnberg lebt, hat ihn auch die evangelische Kirche für sich entdeckt. Dreimal schon hat er in der Thomasmesse, »dem Gottesdienst für Zweifler und andere gute Christen«, über Armut und Reichtum gesprochen - zuletzt in der Münchner Lukaskirche.
Juan ist mit sieben Geschwistern in einem Dorf bei Piura, im Norden von Peru, aufgewachsen. Seine Eltern leben noch heute vom Anbau von Reis und Baumwolle. Seit er acht Jahre alt war, arbeitete er nach der Schule als Schuhputzer und Zeitungsverkäufer - so wie seine drei Brüder auch. »Wir haben oft am Abend nicht gewusst, was wir am nächsten Tag essen werden«, erinnert sich der junge Missionar.
Gottvertrauen hat ihn sein Leben lang begleitet. »Glaube ist in Peru Alltag, Leben - nicht nur die eine Stunde am Sonntag in der Kirche«, sagt Juan. Dass Gott gut ist, war in seiner Heimat nie Diskussionsthema. »Wir vertrauen darauf, dass er uns begleitet - was morgen ist, ist nicht nur unsere Sache.«
Mit 19 Jahren trat Juan Goicochea in den Comboni-Orden (s. Kasten) ein. Er studierte in der peruanischen Hauptstadt Lima Philosophie, kümmerte sich um die Straßenkinder und besuchte Mitglieder der Terrororganisation »Leuchtender Pfad«, die das Land von 1980 bis 1993 mit Angst und Schrecken überzogen hatte, im Gefängnis. Eine gefährliche Mission: Um die Familien der Häftlinge zu besuchen, wagte er sich in die schlimmsten Viertel der Stadt. Angst hat er keine: »Ich war schon so oft tot und lebe immer noch«, lacht der Pater.
Seit acht Jahren lebt Juan jetzt schon in Europa. In Innsbruck studierte er Theologie und arbeitete in einer Notschlafstelle für Obdachlose. Seit vier Jahren ist er auf Nürnbergs Straßen unterwegs. Die Wegwerf-Mentalität der deutschen Konsumgesellschaft schmerzt ihn genauso wie die Kluft zwischen Wohlhabenden und Armen: »Wenn einer alles hat und der andere nicht mal eine Perspektive, kann ich Gewalt verstehen.« In Nürnberg begegnen ihm jeden Tag die unterschiedlichsten Welten: »Ich treffe Junkies, die nicht ansprechbar sind, weil sie sich gerade was gespritzt haben, dann begegne ich einem Peruaner, und wir reden in unserer Heimatsprache, dann kommt vielleicht ein Punker, der Ärger mit einem Neonazi hat, danach ein Pfarrer, mit dem ich über die Arbeit spreche, und zum Schluss eine Polizeikontrolle, die mich befragt, was ich tue«, schildert der Pater seinen Alltag.
Was er den Menschen am Rand der Gesellschaft geben kann, ist Zeit: »Sie sind dir ewig dankbar, wenn du ihnen zuhörst.« Glück bedeutet für ihn nicht Wohlstand, sondern inneren Frieden. Dass nicht jeder als Streetworker arbeiten kann, ist ihm klar. Aus der Bergpredigt leitet Juan aber die Pflicht zur Solidarität mit dem Nächsten ab: »Wir sollen unseren Mitmenschen das Gefühl geben: Du bist nicht allein, es ist mir nicht egal, wie es dir geht.«
Segensreicher Lebensweg
In vier oder fünf Jahren zieht Juan wieder weiter. Am liebsten würde er in den Sudan gehen, wo die Comboni-Brüder viele Stützpunkte in den Armenvierteln unterhalten, oder zurück nach Peru. Seine Maxime für eine menschlichere Welt wird ihn dabei begleiten: »Mach dich auf den Weg des Lebens und sei ein Segen für alle Menschen, denen du begegnest.«Susanne Petersendas stichwortComboni-MissionareDer katholische Bischof Daniel Comboni wurde 1831 in Limone am Gardasee geboren. In Verona gründete er zwei nach ihm benannte Glaubensgemeinschaften, die Comboni-Missionsschwestern und -Missionare. Der Bischof engagierte sich vor allem im Gebiet des heutigen Sudan gegen Sklavenhandel und für Menschenwürde. Er starb im Alter von 50 Jahren in Karthum.
Heute arbeiten rund 4000 Frauen und Männer in den Comboni-Gemeinschaften. Sie sind in über 40 Ländern der Erde aktiv. Die Gemeinschaft ist aufgegliedert in 31 Provinzen, die deutschsprachige Provinz umfasst 10 Niederlassungen in Deutschland, Österreich und Südtirol. Neben der Verkündigung des Evangeliums ist vor allem der Einsatz für Solidarität, Geschwisterlichkeit und Menschenrechte das Ziel der Missionare.Ein Peruaner aus Nürnberg zu Besuch in München: Pater Juan Goicochea auf der Isarbrücke, im Hintergrund die evangelische Lukaskirche.Foto: Petersen
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Karben
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