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Dieser Artikel: Ausgabe 24/2004 vom 13.06.2004
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»Tut gewisse Tritte mit euren Füßen...« (Hebr. 12)

Am 12. Juni beginnt die Fußball-Europameisterschaft 2004. Ein biblisches Fußball-ABC von Günther Koch

Von Günther Koch

Zum Beginn der Fußball-Europameisterschaft in Portugal (12. Juni bis 4. Juli) wagt der Nürnberger Fußball-Radioreporter Günther Koch einen Ausblick auf die Chancen der deutschen Nationalmannschaft. In einem kleinen biblischen Fußball-ABC analysiert Koch die Mannschaft und die Formkurven der momentan besten deutschen Spieler. Natürlich keinesfalls todernst, sondern eher sportlich locker, tolerant zu lesen.

Bitte um himmlischen Beistand: Kevin Kurany soll bei der Fußball-EM in Portugal die Tore für Deutschland schießen.
Foto: M.I.S.
   Bitte um himmlischen Beistand: Kevin Kurany soll bei der Fußball-EM in Portugal die Tore für Deutschland schießen.

A UND O

»Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende, spricht Gott der Herr.« (Offb. 1,8)

Für gläubige Christen (also nicht nur »Vereinsmitglieder«) ist es der allmächtige Gott selbst. Für Fußballer, die durchaus auch Christen sein können, nicht nur die uns mittlerweile beinahe missionierenden Brasilianer in der Bundesliga, ist das »A und O« die Achse einer Mannschaft, also, der Torwart, ein bestimmter Mann in der hinteren Viererkette, der immer rechtzeitig »Raus« schreit, um die Gegner ins Abseits laufen zu lassen - was natürlich nicht immer alle hören und begreifen - sowie ein torgefährlicher Stoßstürmer, der vorne das »Runde« ins »Eckige« (das 7,32m breite und 2,44 hohe Tor) reinmacht. Das am besten mehrmals.

Günther Koch
Foto: sob
   GÜNTHER KOCH ist als Fußball-Reporter beim Bayerischen Rundfunk die »Stimme Frankens«.

Bei der Europameisterschaft in Portugal sind die Achse also vermutlich die alternden Kahn, Nowotny und der junge Kuranyi (noch FC Bayern, noch Bayer Leverkusen, noch VFB Stuttgart). Das »A und O« entscheidet über Sieg und Niederlage, es entscheidet über Anfang und Ende allen irdischen und überirdischen Seins - auch im Fußball!

Reporterfloskel: »Heute haben sie aber unterirdisch gespielt...«

ABGRUND

»Der Engel warf den Drachen in den Abgrund.« (Offb. 20,3)

Der »Abgrund« ist im AT das Totenreich, in der Offenbarung der Ort des Teufels und der bösen Geister, im Fußball für Vereine und deren Anhänger der bittere Abstieg in die 2. Liga. Heuer traf es aus bayerischer Sicht mal nicht den 1. FC Nürnberg, der war ja letztes Jahr erst ab- und heuer mal wieder aufgestiegen, sondern die Löwen vom TSV 1860 München. Doch im Fußball - anders als in der Offenbarung - kommen fast alle irgendwann wieder zurück in die 1. Liga. Bei der EM kann keine Mannschaft in den »Abgrund« stürzen, d.h. absteigen, sondern nur frühzeitig ausscheiden. Großes Glück also für Lettland, die Schweiz, Dänemark aber auch für Spanien, Kroatien, Schweden und Deutschland...

Reporterfloskel: »Hier ist Nürnberg, ich melde mich vom Abgrund.« (1999)

Er könnte zum Star der EM werden: Mittelfeldspieler Michael Ballack.
Foto: M.I.S.
   Er könnte zum Star der EM werden: Mittelfeldspieler Michael Ballack.

ANBIETEN

»Da aber Simon sah, dass der Heilige Geist gegeben ward, wenn die Apostel die Hände auflegten, bot er ihnen Geld an.« (Apg. 8,18)

Lukas berichtet in der Apostelgeschichte von Simons vergeblichem Versuch, sich Macht und ein kirchliches Amt(!) zu kaufen (»Simonie«). Fußballer wissen vor lauter Geld oft nicht, wo und wie sie sich auf dem Platz und vor allem auf dem Spielermarkt »anbieten« sollen.

Reporterfloskel: »...keiner bietet sich an« oder: »die jungen Ungarn bieten sich heute aber an...«

BEISSEN

»So ihr euch aber untereinander beißet und fresset, so sehet zu, dass ihr nicht untereinander verzehrt werdet.« (Gal. 5,15)

Auch Fußballer sollten sich nicht »untereinander« (NT) bzw. gegenseitig »beißen«, vor allem dann nicht, wenn sie jetzt in derselben Mannschaft und noch dazu für Deutschland bei einer EM spielen, sonst nimmt die ganze Fußball-Gemeinde Schaden! Und also sage ich euch: Thomas Brdaric muss ab sofort keine Angst mehr haben vor dem geläuterten Olli Kahn...

Reporterfloskel: »Meine Mannschaft muss lernen zu kratzen und zu beißen.«

DRESCHEN

»Der da drischt, soll auf Hoffnung dreschen, dass er seiner Hoffnung teilhaftig werde.« (1. Kor. 9,10)

In seinem sowohl teils sportlichsten als auch und liebevollsten(!) Brief, dem an die Korinther nämlich, ermuntert Paulus seine Getreuen, hoffnungsfroh zu »dreschen«. Fußballer müssen auf den ahnungslosen, noch sponsorfreien und Gott sei Dank immer noch unbestechlichen Ball »dreschen«. »Roteiro« heißt übrigens der silberne EM-Ball in Portugal in Anlehnung an das Logbuch des berühmten portugiesischen Seefahrers Vasco da Gama, der den Seeweg nach Indien entdeckte. Und der soll ins Ziel ihrer Hoffnung fliegen- ins Tor, natürlich in das des Gegners.

Reporterfloskel: »Bobic drischt den Ball am leeren Tor vorbei...«

EIFER

»Denn ich eifere um euch mit göttlichem Eifer.« (2. Kor. 11,2)

Natürlich wieder Paulus! Beim 1. FC Nürnberg spielt sogar ein Thomas Paulus. Schade, dass der einzige PAUL im deutschen Team, nämlich Paul Freier, verletzt wieder abreisen musste, aber immerhin nominierte »Tante Käthe« (so wurde Teamchef Rudi Völler bereits als Spieler genannt) an dessen Stelle CHRISTIAN Ziege nach. Wohl eher aus christlicher denn aus fachlicher Überzeugung. Junker Jörg Böhme wäre eigentlich dran gewesen. Doch nachdem MATTHÄUS (Rekordnationalspieler und in zehn Jahren vielleicht Rekordtrainer) nicht mehr zur Verfügung steht, hat er ja auch den besten Jungen, LUKAS Podolski vom Absteiger 1. FC Köln, nachnominiert.

Was den »EIFER« der deutschen Spieler angeht, können wir uns sicher darauf verlassen, dass der vorhanden sein wird. Kann aber gut sein, dass dies das einzig Positive und ohnehin Mindeste sein wird, was wir erwarten dürfen. Nicht wahr, Michael Werbe-Ballack? Kriegt der doch, anders als im Verein FC Hollywood, in der deutschen Nationalmannschaft gute Unterstützung vom zukünftigen Mannschaftskollegen Torsten Frings (nein, kein katholischer Bischof), der als Vermögenswert vom börsengeschädigten Unternehmen BVB (Bereicherung für Brasilianer?) Dortmund wegtransferiert werden muss. Dazu kommt dann noch im Mittelfeld Dietmar (Didi) Hamann (früher Wacker München, dann Bayern München, derzeit FC Liverpool) und der Vizekusener Konzernteamspieler (heuer sogar Dritter) Bernd Schneider (noch Leverkusen).

Das Mittelfeld ist noch das Beste, was Deutschland bei der EM anzubieten hat. Die vier in der »mittleren« 4er-Kette (da können alternativ auch problemlos Frank Baumann, Fabian Ernst oder auch der Jung­spund Bastian Schweinsteiger, noch keine 20 Jahre alt, spielen) haben am ehesten Europameisterschafts-Niveau. Sie können mehr als nur EIFER in die Waagschale werfen. Sie können sogar alle richtig gut Fußball spielen! Frohlocket! Doch nach dem Spiel gegen Ungarns 1b-Team (0:2 am vergangenen Sonntag Trinitatis) kann man wohl auch das nicht mehr behaupten.

Reporterfloskel: »Ballack verliert im Eifer des Gefechts seinen Schuh.«

FÜSSE, aber auch HÄNDE, KNIE und TRITTE

»Darum richtet wieder auf die lässigen Hände und die müden Knie und tut gewisse Tritte mit euren Füßen, damit nicht jemand strauchle wie ein Lahmer.« (Hebr. 12,12f)

Der Autor des Hebräerbriefes appelliert an die Gemeinde, auch an die Fußball-Gemeinde, trotz allem wieder mutiger und vertrauensvoll voranzutreten, zu schreiten, um andere, Schwächere mitzureißen. Ob das aber Wirkung zeigt und die Deutschen nicht wieder wie »Rumpelfüßler« (Kaiser Beckenbauer) rumstolpern, muss sich ab dem Spiel gegen die Niederlande (Dienstag 18 Uhr) erst noch zeigen.

Wer mit Sicherheit die erhofften »gewissen Tritte« tun wird, heißt Philipp LAHM, ist aber alles andere als das. Hier gilt: »Nomen non est omen.« Philipp, der bei der FT München-Gern angefangen hat und vom FC Bayern München immer noch an den VFB Stuttgart ausgeliehen ist, sieht mit seinen 19 Jahren immer noch wie ein gut erzogener Konfirmand aus und ist sicher eine der großen Hoffnungen Deutschlands für die WM 2006 und darüber hinaus.

Seine Wendigkeit und Hingabe sind beispiellos und in der Tat vorbildlich. Daran könnten und sollten sich viele ein Beispiel nehmen. Der muntere Lahm spielt in der Abwehrkette vor Torhüter Kahn außen links. Auf der anderen Seite verteidigt mit Arne Friedrich (25) ebenfalls ein jüngerer Spieler (derzeit Hertha BSC Berlin) und innen in der sog. Innenverteidigung zwei sog. »Auslaufmodelle«: Jens Nowotny, 30 (Bayer Leverkusen, Völlers Verein) sowie Christian Wörns, 32 (Dortmund). Beide alles andere als schnell. Offenbar hat Teamchef Völler keine Besseren. Ob sie aber gegen Nistelroy, Kluivert und Makaay (Gruppengegner Niederlande) oder Koller und Lokvenc (Gruppengegner Tschechien) viel zu bestellen haben, bleibt abzuwarten. Selbst gegen die Letten Pahars, Rimkus kann es für sie Probleme geben. Große sogar.

Reporterfloskel: »Lahm führt den Ball am falschen Fuß« oder: »Nistelroy erwischt Kahn am falschen Fuß«.

GOTT

»Das Volk wird sagen: Du bist mein Gott.« (Hos. 2, 25)

Natürlich gibt es keinen Fußball-Gott! Aber: Die wahren Fußball-Fans auf dem Stehplatz in der Kurve tun zumindest kurz so, wenn sie einen der »Ihren« sehen und der gerade ein Tor geschossen hat. Für zwei kurze Sekunden skandieren sie einen ganz bestimmten Fußballer-Namen (längst nicht alle werden dazu auserkoren...) laut und liturgisch wie im Wechselgesang in der Kirche als Antwort auf den Vornamen, z.B. Sascha...: »CIRIC - Fußball-GOTT!«. Das ist das Zeichen allergrößter Verehrung und Dankbarkeit für geleistete Dienste.

Doch: Die Fans meinen auch das nicht ernst und lachen erschrocken schon im nächsten Moment über diesen kleinen Scherz. Und denoch könnte das uns alle - vor allem aber die Fußball-Gegner - zumindest nachdenklich stimmen. Suchen wir nicht alle auf unterschiedlichste Weisen GOTT, und warum soll man ihn nicht auch im Fußball, freilich unbewusst, gelegentlich mal suchen dürfen? Wohl wissend, dass es ihn nur scheinbar, aber immerhin konkret für Sekunden im Fußballertrikot zu sehen und zu erleben, zu erfahren gibt.

Reporterfloskel: »Um Himmels willen (wahlweise für Franken: Allmächt), wo schießt der denn hin?«

In diesem Sinne: Viel Spaß bei der Europameisterschaft!

 


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abgerufen 08.02.2012 - 23:04 Uhr

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