Stille und Ökumene als Markenzeichen
Kommunitäten in Bayern (10 und Schluss): Kommunität Jesu-Weg in Craheim
Schloss Craheim ist ein markanter Punkt auf der geistlichen Landkarte Bayerns. Das bald hundert Jahre alte Anwesen, bei Stadtlauringen in der sanften Hügellandschaft der unterfränkischen Haßberge gelegen, ist Jahr für Jahr Tagungsort für Hunderte von christlich motivierten Gästen. Die kleine Kommunität der »Jesu-Weg-Schwestern« gehört untrennbar dazu. Eigentlich. Andererseits aber doch nicht. Wenigstens indirekt.
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 Zur Kommunität der »Jesu-Weg-Schwestern« gehören derzeit sechs Frauen zwischen 31 und 75 Jahren. Vorne Gründerin Schwester Lore Scheurer, hinter ihr Schwester Elisabeth Stahlschmidt.
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Eine schwierige Sache, das Verhältnis der sechs Schwestern vom Jesu-Weg zur »Begegnungsstätte Schloss Craheim« zu umschreiben. Für mindestens zwei Generationen von Besuchern passte zwischen die Kommunität und das Schloss kein Blatt Papier. Die Schwestern managten die Rezeption und die Küche, sie leiteten viele Kurse selbst. Wer heute von Wetzhausen her auf den Hügel fährt, muss sich dagegen entscheiden: Links geht's durch den Park samt stattlicher Allee zum Schloss mit seiner ehrwürdigen historischen Patina; rechts zweigt eine kleine Stichstraße zu dem modernen Funktionsbau der Kommunität. Er dient nicht nur als Wohnort der Schwestern, sondern auch als eigene Tagungsstätte.
Begonnen hat die Geschichte der Kommunität vor über 30 Jahren im Westfälischen. Lore Scheurer war damals methodistische Diakonisse in Wuppertal und als »Probemeisterin« verantwortlich für die Betreuung der jungen Schwestern. Mit einigen von ihnen einte die verantwortliche Leiterin das Bedürfnis nach einer tieferen geistlichen Gemeinschaft: »Wir wollten intensiver beten.« 1973 war die Gruppe von damals sechs Frauen innerlich aus dem Mutterhaus herausgewachsen und zog nach Craheim - von Wuppertal aus nicht gerade der nächste Weg, was Lore Scheurer mit einem »inneren Impuls« erklärt, den sie zwei Jahre zuvor in einem Gottesdienst empfangen habe: »Der kam von Gott und der besagte: Du gehörst nach Craheim.«
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 Seit 1999 ist die Kommunität in einem eigenen Schwestern- und Exerzitienhaus in unmittelbarer Nachbarschaft von Schloss Craheim zu Hause.
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Die Gründungsmutter ist bis heute dort geblieben - und doch ein Haus weitergezogen. Nach gut zwanzig Jahren im Schlossbetrieb wuchs bei den Schwestern der Wunsch nach mehr Eigenständigkeit. »Eine verbindlich lebende Gemeinschaft braucht ein eigenes Mutterhaus«, ist Lore Scheurer von der Richtigkeit des damaligen Schrittes überzeugt.
Dass aus dem Rückzugsort für Wohnen und Beten ein in allem selbstständiger Betrieb, mithin ein gewisser Trennungsstrich zwischen Schloss und Schwesternschaft gezogen wurde, war weniger eine inhaltliche Entscheidung, denn das Ergebnis einer gründlichen Wirtschaftlichkeitsberechnung. Denn nur so, als eigener Wirtschaftsbetrieb und Verein, ließ sich das neue Haus, das in Erbpacht auf einem Grundstück der Landeskirche errichtet wurde, überhaupt bezahlen. »Alle waren für den Neubau, aber keine hat die Konsequenzen bedacht«, sagt Schwester Elisabeth Stahlschmidt, die seit zwei Jahren die Leitung der Craheimer Kommunität übernommen hat.
Die Trennung konnte nicht in eitel Harmonie verlaufen, und immerhin zwei Schwestern machten den Umzug im Jahr 1999 nicht mit. Inzwischen, freuen sich Lore Scheurer und ihre Nachfolgerin, herrscht zwischen dem alten Schloss und dem neuen Schwesternheim wieder ein gutes Miteinander. Nicht zuletzt durch die gemeinsame Zugehörigkeit zum »Ökumenischen Dienst e.V.«, dem Trägerverein, der alle Einrichtungen auf dem Hügel (und damit als drittes den katholischen Franziskushof) vereint.
Fast zeitgleich mit dem Einzug in das neue Haus im Jahr 1998 haben die Jesu-Weg-Schwestern ihre Tracht abgelegt - eine Geste vor allem gegenüber den eigenen Tagungsgästen, in der großen Mehrzahl junge Frauen, zu denen keine unnötige Distanz geschaffen werden soll. Denn Nähe ist die große Stärke der kleinen Kommunität: Die Stille- und Meditationsseminare geschehen in sehr kleinen Gruppen. Alle Räume des luftig-lichtdurchfluteten Hauses stehen auch den Gästen zur Verfügung - von der Wohnzimmerterrasse mit weitem Blick ins Land bis zur Hauskapelle, deren Architektur - ein heller Rundbau, symbolisch von einem großen Kreuz in der Decke getragen - auf einem Traum der Gründerin beruht. Neben den Angeboten im eigenen Haus bestreiten die Schwestern Vorträge und Frauenfrühstücke im Unterfränkischen, aber auch bis nach Holland, Hamburg und Salzburg.
Ein weiteres besonderes Markenzeichen der Jesu-Weg-Schwestern ist ihre ökumenische Gesinnung. Im Gottesdienst in der Hauskapelle stehen Herrnhuter Losungen neben den Psalmen aus dem »Gotteslob«. Es gibt enge Kontakte zum Franziskushof und katholischen Orden. Die Kommunität ist zwar organisatorisch der lutherischen Landeskirche angegliedert, umfasst aber auch freikirchliche und katholische Schwestern. Unter anderen die Leiterin, was der Craheimer Schwesternschaft bei deren Amtsübernahme unverhoffte Aufmerksamkeit bescherte, erinnert sich Elisabeth Stahlschmidt: »Die Landeskirche schaut genau hin, ob's hier nicht zu katholisch wird.«
Das eigentliche Problem dürfte allerdings auch in Craheim woanders liegen: Nur eine Schwester ist jünger als 50. Nachwuchs ist rar. Das Gottvertrauen der Leiterin dagegen enorm: »Es geht immer gut vorwärts, nie rückwärts.« |
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ANGEBOTE
Die Kommunität lädt das ganze Jahr über zu Veranstaltungen in das Exerzitienhaus in Craheim. Angeboten werden beispielsweise Exerzitien mit geistlichen Übungen zu wechselnden Themen, etwa »Von echten und falschen Schuldgefühlen« oder »Gefühlen trauen - Kopf gebrauchen«. Im Programm außerdem: Meditationswochenenden, Tagungen zu den Themen »Gebet und Teilfasten«, »Kontemplation - Mystik für Anfänger« oder »Unterwegs nach Bethlehem«. Neu sind Tanz- und Wellness-Tagungen mit besonderen kreativen Elementen.
Das Haus steht außerdem für Einzelgäste zur Verfügung.
Nähere Informationen mit Tagungsterminen und Anmeldemodalitäten im
Schwestern- und Exerzitienhaus der Kommunität Jesu Weg e.V.
Craheim 7
97488 Stadtlauringen
Tel. (09724) 9100-24
Fax (09724) 9100-29
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