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Dieser Artikel: Ausgabe 09/2004 vom 29.02.2004
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Evangelisches Charisma im Schatten der Wallfahrtskirche

Kommunitäten in Bayern (9): Der Schwesternkonvent »Lumen Christi« in Gößweinstein


Priorin Ilse Printz (links) und Konventsgründerin Else Wolf haben auch nach schweren Irritationen die Zuversicht für die Kommunität »Lumen Christi« nicht verloren.
Foto: Lammel
   Priorin Ilse Printz (links) und Konventsgründerin Else Wolf haben auch nach schweren Irritationen die Zuversicht für die Kommunität »Lumen Christi« nicht verloren.

An Selbstbewusstsein mangelt es dem 4500-Seelen-Städtchen nicht. Als »sakrale Mitte der Fränkischen Schweiz« wirbt die katholische Pfarrei Gößweinstein im Internet für sich selbst - und übertreibt damit keineswegs. Denn die Zahl der Menschen, die pro Jahr zu der zweitürmigen Dreifaltigkeits-Basilika wallfahren, beträgt gut und gern das Zehnfache der Einwohnerschaft, Touristen und andere »weltliche« Wanderer gar nicht mitgerechnet. Ausgerechnet in diesem symbolträchtigen Ort katholischer Frömmigkeit fand vor 14 Jahren eine kleine Schar evangelischer Frauen ein neues Lebens­zentrum: der Schwesternkonvent »Lumen Christi«.

Ihr Zuhause am Ortseingang ist leicht zu finden: Der große sechseckige Pavillon aus Holz und Glas, Versammlungsstätte und Gottesdienstraum in einem, weist den Weg zu der Kommunität. Ihr Zeichen, die brennende Öllampe vor dem Christussymbol, ziert das Dach des zweiten kleineren Pavillons. Erst dahinter liegt, an einem Hang, das Wohn- und Gästehaus der Schwestern. Wo bis in die 1980er-Jahre Schrothkuren zur Entschlackung stattfanden, suchen seit 1990 immer mehr Menschen seelische Erholung und geistliche Anstöße. Was neben den beliebten Einkehrtagen und den Wochenenden für Familien eine echte Besonderheit ist: Die Teilnahmekosten sind Richtpreise - jeder Gast zahlt, so viel er kann oder so viel er möchte.

Den Namen »Lumen Christi« - er bezeichnet in der Osterliturgie das Auferstehungslicht, das während des Gottesdienstes in die noch dunkle nächtliche Kirche getragen wird - hatten manche Einheimische in Gößweinstein anfangs als »Blumen Christi« gedeutet, erinnert sich Priorin Ilse Printz mit einem Schmunzeln. In Gößweinstein waren die lutherischen Schwestern neben den beiden katholischen Frauenorden am Ort (Franziskanerinnen und Niederbronner Schwestern) schnell akzeptiert, wohl auch »weil wir Tracht tragen«.

Burg und Basilika: die Wahrzeichen des oberfränkischen Luftkurortes Gößweinstein.
Foto: Lammel
   Burg und Basilika: die Wahrzeichen des oberfränkischen Luftkurortes Gößweinstein. Die Kirche wurde nach Plänen von Balthasar Neumann zwischen 1730 und 1739 errichtet. Die Geschichte der Wallfahrten reicht Legenden zufolge bis ins Jahr 934 zurück. Heute zählt die »Verehrung der Freudenreichen Dreifaltigkeit« zu den bekanntesten katholischen Wallfahrten Frankens. Als einmalig gilt eine Votiv-Sammlung von rund 80 angekleideten Kinder-Wachsfiguren aus dem 19. Jahrhundert.

Die charakteristische dunkelblaue Tracht mit weißer Haube verweist auch auf die Anfänge der Gemeinschaft. Ihre Gründerin und langjährige Oberin Else Wolf war, nach 20 Jahren als Chefsekretärin und Chauffeurin des damaligen evangelischen Nürnberger Kreisdekans Julius Schieder, ins Neuendettelsauer Mutterhaus eingetreten. Im Nürnberger Amt für Gemeindedienst begleitete sie später unter anderem den Aufbau der Telefonseelsorge, leitete als Geschäftsführerin bis 1968 den Landesausschuss des Deutschen Evangelischen Kirchentages in Bayern.

Ihr weiterer, durchaus nicht einfacher beruflicher Weg führte die fränkische Diakonisse schließlich nach Ludwigshafen. Dort gründete sie 1977 nach einer - wie sie es nennt - »kleinen Erweckung« den Evangelischen Schwesternkonvent, mit dem sie ein Jahr später zunächst nach Nürnberg zog. Von Anfang an verstand sich die Kommunität bewusst als eine geistliche Gemeinschaft innerhalb der bayerischen evangelischen Landeskirche, »mit einem charismatischen Touch«, wie Else Wolf anmerkt. Ihre selbst gewählte Lebensform nach den »Evangelischen Räten« Ehelosigkeit, Armut und Gehorsam legt besondere Schwerpunkte auf Wort und Sakrament; so prägen die fünf täglichen Gebetszeiten den Tagesrhythmus.

Wirklichkeit und Wirksamkeit des Heiligen Geistes nimmt einen besonderen Rang in der Spiritualität von »Lumen Christi« ein. Dies zu vermitteln, sehen sie auch als ihren missionarischen Auftrag. Denn: »Viele Christen leben noch wie vor Pfingsten«, sagt Else Wolf im Sonntagsblatt-Gespräch. Und die einen mögen es Zufall nennen, die anderen Gottes Fügung: Dass die Anbetung des Dreieinigen Gottes, wie sie die Schwestern praktizieren, jetzt gerade am Wallfahrtsort der »Verehrung der Freudenreichen Dreifaltigkeit« geschieht, gibt dem Ganzen auch eine bemerkenswerte ökumenische Dimension.

Apropos Ökumene: Die ist im Gößweinsteiner Miteinander der Ordensgemeinschaft quicklebendig. Gegenseitige Einladungen und ein gemeinsames Treffen im Jahr sind feste Bestandteile in den Terminkalendern. Umso schmerzlicher zwei Ereignisse, von denen die oberfränkische Harmonie innerhalb kurzer Zeit getroffen wurde. Die bayerischen Franziskaner, die seit 1828 das Kloster neben der Basilika bewohnen und neben der Wallfahrtskirche auch für die Seelsorge in der katholischen Gemeinde zuständig sind, werden Anfang September Gößweinstein verlassen. Der Grund: Personalnot. Polnische Mönche sollen die Arbeit fortsetzen.

Und erst im November kehrten bei »Lumen Christi« fünf Schwestern buchstäblich von einem Tag zum anderen der Gemeinschaft den Rücken. Die Gründe haben Ilse Printz und Else Wolf nach eigener Aussage bis heute nicht erfahren. »Es ist für uns immer noch rätselhaft«, sagt die Priorin. Jetzt lastet die Arbeit mit Hauskreisen und bis zu 25-köpfigen Gruppen auf den Schultern der vier verbliebenen Frauen, die der Zukunft ihrer kleinen Kommunität mit unerschütterlichem Gottvertrauen entgegensehen.

Burg und Basilika: die Wahrzeichen des oberfränkischen Luftkurortes Gößweinstein. Die Kirche wurde nach Plänen von Balthasar Neumann zwischen 1730 und 1739 errichtet. Die Geschichte der Wallfahrten reicht Legenden zufolge bis ins Jahr 934 zurück. Heute zählt die »Verehrung der Freudenreichen Dreifaltigkeit« zu den bekanntesten katholischen Wallfahrten Frankens. Als einmalig gilt eine Votiv-Sammlung von rund 80 angekleideten Kinder-Wachsfiguren aus dem 19. Jahrhundert.Fotos: Lammel
Kommunitäten in Bayern

 

Alle Folgen der » Kommunitäten-Serie und weitere Informationen finden Sie » hier...

 

ANGEBOTE

  Einmal im Monat findet samstags um 19 Uhr ein offener Lobpreisgottesdienst im Pavillon statt. Die nächsten Termine: 20. März, 17. April, 15. Mai, 19. Juni

  Einkehrtage: 26.-28. März, 7.-9. Mai, 25.-27. Juni

  Bibliodrama-Kurs: 19.-21. März

  Freundestag: 25. September

Informationen und Prospekte gibt es bei

»Lumen Christi«
August-Sieghardt-Straße 6
91327 Gößweinstein
Tel. (09242) 9112
Fax (09242) 9138

Wolfgang Lammel

 


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abgerufen 08.02.2012 - 11:04 Uhr

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