Weltoffene Gemeinschaft im Herzen des Frankenwalds
Kommunitäten in Bayern (7): Die Communität Christusbruderschaft Selbitz
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 Fingerzeig: Anna-Maria aus der Wiesche deutet auf Verchen, wo künftig Selbitzer Schwestern arbeiten.
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Von draußen krachten Steine gegen die Kirchentür. Drinnen begann für sieben Frauen und vier Männer ein neuer Lebensabschnitt. Dass sie sich, wie es in einer Chronik heißt, »unter großen Schwierigkeiten aus dem Elternhaus, aus Beruf und Ausbildung« gelöst hatten, um künftig in Armut, Keuschheit und Gehorsam zu leben, konnte oder wollte man in dem Arbeiterstädtchen Schwarzenbach an der Saale damals nicht verstehen. Der geistliche Aufbruch der kleinen Gemeinschaft um das Pfarrerehepaar Walter und Hanna Hümmer, der mit jener Segensfeier am 1. Januar 1949 besiegelt wurde, war begleitet von einen »Sturm der Empörung und Verleumdung«. Der junge Orden zog aus dem Schwarzenbacher Pfarrhaus ein paar Kilometer weiter nach Selbitz, wo er sich auf einer Frankenwaldhöhe mit dem trutzigen Namen Wildenberg eine neue Heimat schuf.
Der Bericht über die Gründungszeit der Christusbruderschaft liest sich wie ein aufregender Roman. Die oberfränkische Kommunität, nach der Marienschwesternschaft in Darmstadt der zweitälteste evangelische Orden Deutschlands, durchlief seitdem eine nicht weniger spannende, bisweilen durchaus spannungsreiche Geschichte. Wie schwierig es ist, konsequente christliche Nachfolge mit neuen gesellschaftlichen, auch theologischen Herausforderungen in Einklang zu bringen, spürten die Selbitzer vor zwei Jahrzehnten sozusagen am eigenen Leib, als sich ein Teil der Bruderschaft abspaltete und in Falkenstein ein neues Zentrum gründete (Sonntagsblatt 6/2004).
Heute steht die Communität Christusbruderschaft Selbitz, kurz CCB, auf einem - im übertragenen Sinn - »erdbebensicheren« geistlichen Fundament. Dazu beigetragen haben zwar auch eine interne Strukturreform und die erst 1998 formulierten Ordensregeln. Aber, davon ist Anna-Maria aus der Wiesche fest überzeugt: »Die spirituelle Kraft hat eine Dynamik, die mindestens noch für die nächste Generation reicht.« Die Theologin, die vor zehn Jahren zur Priorin des Ordens gewählt wurde, spricht mit großer Achtung von dem ganz besonderen »Gründungscharisma«, mit dem Walter Hümmer (1909-1972) und seine Frau Hanna (1910-1977) die Gemeinschaft prägten. »Das Gebet bestimmt den Rhythmus des Tages, nicht die Arbeit« lautet einer der Kernsätze, auf denen das Ordensleben basiert.
Dennoch führt die Christusbruderschaft kein verborgenes Dasein hinter Klostermauern. Nach wie vor sind das Ordenshaus, das Haus der Begegnung und das Alten- und Pflegeheim »Walter-Hümmer-Haus« auf dem Wildenberg die wichtigsten Arbeitszentralen (am Rande: Mit 95 Angestellten ist die Christusbruderschaft der größte Arbeitgeber im Stadtgebiet). Neben mehreren auswärtigen Stadtcommunitäten setzte der oberfränkische Orden weitere Akzente auf der geistlichen Deutschlandkarte; im thüringischen Volkenroda und auf dem Petersberg bei Halle wurden klösterliche Gemeinschaften gegründet, neue Einkehrzentren öffneten im Kloster Wülfinghausen bei Kassel und im mittelfränkischen Hof Birkensee. Und am 18. April wird mit einem Festgottesdienst die Wiederbegründung des Klosters Verchen, etwa 50 Kilometer südwestlich von Greifswald, gefeiert.
In den neuen Bundesländern werden die Ordensleute aus Oberfranken herzlich aufgenommen, berichtet Anna-Maria aus der Wiesche. Denn der Name Walter Hümmer hat jenseits der einstigen innerdeutschen Grenze einen guten Klang: Sein Buch »Neue Kirche in Sicht« sei in der DDR bekannter gewesen als im damaligen Westen. Und fünf »ganz tolle junge Schwestern« aus den neuen Ländern haben zur Freude der Priorin in den letzten Jahren den Weg zur CCB gefunden.
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CCB
 Gastfreundschaft ist hier nicht nur ein Wort: Besucher werden in Selbitz stets herzlich aufgenommen. Pro Jahr nehmen rund 5000 Menschen an den vielfältigen Veranstaltungen der Christusbruderschaft teil.
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Von Anfang ist die so genannte Tertiärgemeinschaft - neben den derzeit 124 Schwestern und 5 Brüdern - die dritte tragende Säule der Gemeinschaft. 82 »Tertiärgeschwister« leben heute zwischen Memmingen und Hamburg. Sie verstehen sich als Weggemeinschaft, die in ihrem jeweiligen familiären und beruflichen Umfeld die Berufung der Kommunität »verbindlich und konkret« umsetzt. Kleinere Schritte auf diesem Weg unternimmt der stetig wachsende Kreis von Menschen, die bei einer der zahlreichen Veranstaltungen in Selbitz die eigene Spiritualität entdecken, neue Impulse aufnehmen, ein »Kloster auf Zeit« ausprobieren oder ganz einfach für ein paar Tage zur Ruhe kommen wollen.
Enorme Nachfrage findet der Kurs »geistliche Begleitung«, den seit 1997 rund 120 Männer und Frauen absolviert haben: Hier geht es um die Kunst der Gesprächsführung, »wie man mit Leuten im Alltag über Glaubensdinge reden kann«, erklärt Anna-Maria aus der Wiesche. Ob es eine Art »Selbitzer Theologie« gibt? »Zu unserer Theologie gehört es, nicht nur eine zu haben«, antwortet die Priorin. Eine Vielfalt, die tief im Evangelium verwurzelt ist. Eine Vielfalt, die sich auch im Bekenntnis zur Ökumene äußert. Mit großer Dankbarkeit würdigt Anna-Maria aus der Wiesche die Arbeit von Pfarrer Martin Kießig, seit 1999 »Spiritual« der Gemeinschaft: »Ein ökumenischer Lutheraner, der auch die mystische Theologie und die Theologie des Heiligen Geistes predigen kann.«
Selbitz heißt heute auch Weltoffenheit. So engagieren sich Schwestern seit Jahren in Afrika im missionarischen Dienst, vor allem in der Arbeit mit Aidskranken, finanziert aus den Mitteln der noch jungen CCB-Stiftung. Ein neues Projekt wird in Kürze in Südafrika starten. Echte Freundschaften zu katholischen, anglikanischen und orthodoxen Ordensgemeinschaften sind gewachsen. So beteiligen sich die Selbitzer am 8. Mai auch an der ersten gemeinsamen Großveranstaltung christlicher Gemeinschaften aus ganz Europa in Stuttgart.
Nachwuchssorgen hat die Christusbruderschaft übrigens bis heute nicht. Unter den vier Postulantinnen, die sich in einer Art einjähriger Probezeit im Kloster befinden, ist seit kurzem eine ehemalige Regionalbischöfin: Die 45-jährige Brigitte Arnold legte am 1. Advent ihr Amt als Prälatin des Kirchenkreises Südbaden nieder, um sich der Kommunität anzuschließen. |
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TAGUNGSANGEBOTE
In Selbitz wird ganzjährig ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm angeboten. Einige Auszüge:
Einzelexerzitien: 1.-8. Juni, 20.-29. August, 6.-12. September
Mutter-Kind-Freizeit: 5.-10. Oktober
Seelsorge-Seminar: 10.-14. Mai
Segnungsgottesdienste: 22. Mai, 11. September; Segnungstag: 6. November
Vater-Sohn-Wochenende: 18.-20. Juni, 1.-3. Oktober
Wildenbergtag: 27. Juni
Ökumenischer Pfarrertag: 22. November
Das ausführliche Jahresprogramm und Sonderprospekte können angefordert werden bei der
Communität Christusbruderschaft
Postfach 1260
95147 Selbitz/Ofr.
Tel. (09280) 68-0
Fax (09280) 6823
Internet: www.christusbruderschaft.de  |