Home
Diese Woche - die aktuelle Ausgabe
Themen
E-Paper: Sonntagsblatt digital
Jetzt im Sonntagsblatt-Shop bestellen!
Archiv
Die Redaktion
Abo-Service
Das Sonntagsblatt-Blog
Anzeigen-Service
Leserreisen
Zeitvertreib
Leserbriefe
Impressum



    
Heute: 08.02.2012
Aktuelle Ausgabe: 06 vom 05.02.2012
Artikel mit anderen teilen!
Dieser Artikel: Ausgabe 06/2004 vom 08.02.2004
Alle Artikel der » Ausgabe 06/2004 im Archiv aufrufen.
  Druckversion


Konservativer Eckstein im Kommunitäten-Mosaik

Kommunitäten in Bayern (6): Die Christusbruderschaft Falkenstein


Falkensteiner Führungstrio: Schwester Marion, Pfarrer Gerhard Muck (Mitte) und Bruder Philippus bilden den Vorstand der »Christusbruderschaft Falkenstein e.V.«.
Foto: Greif
   Falkensteiner Führungstrio: Schwester Marion, Pfarrer Gerhard Muck (Mitte) und Bruder Philippus bilden den Vorstand der »Christusbruderschaft Falkenstein e.V.«. Im Hintergrund der Grundstein des Neubaus.

Drei Besonderheiten, verkündete neulich der Landrat von Cham bei einem Empfang, zeichneten den Markt Falkenstein im Oberpfälzer Wald aus: seine Burg, eine international tätige Firma für Schmiertechnik und die evangelische Christusbruderschaft.

Bruder Philippus erwähnt den rhetorischen Ritterschlag eher en passant, doch nicht ohne Stolz. Die Falkensteiner haben es seit jeher nicht leicht gehabt - aus einem tiefen Konflikt entstanden und in eine Gegend geworfen, in der noch vor ein paar Jahrzehnten ein Evangelischer ungefähr so exotisch war wie ein Sozialdemokrat in der Bayerischen Staatskanzlei. Und heute gar eine der Denkwürdigkeiten der Gemeinde - sieh an!

Der Weg dorthin war steinig. Für die meisten der 15 Schwestern und sieben Brüder, die heute zur Dienstbruderschaft Falkenstein gehören, begann er mit einem unerhörten biografischen Bruch, über den zu reden hier bis heute schwer fällt. 1984 verließen 21 Angehörige, vielfach Gründungsmitglieder, das Mutterhaus der Christusbruderschaft Selbitz in Oberfranken - aber nicht als Ausgesandte zu einer neuen Wirkungsstelle, sondern als Abtrünnige. Jahrelange innere Auseinandersetzungen waren vorausgegangen. Die Selbitzer mit ihrem damaligen theologischen Begleiter waren ihnen zu politisch, zu charismatisch, zu psychologisch in der Seelsorge, zu ökumenisch geworden.

Das ehemalige Ordenskrankenhaus Falkenstein ist seit 1984 Domizil der evangelischen Christusbruderschaft. Der lichtdurchflutete Neubau (links) stammt aus dem Jahr 1993.
Foto: eB
   Das ehemalige Ordenskrankenhaus Falkenstein ist seit 1984 Domizil der evangelischen Christusbruderschaft. Der lichtdurchflutete Neubau (links) stammt aus dem Jahr 1993.

Die Minderheit - etwa ein Siebtel der Selbitzer Kommunität - stellte einen strengen Anspruch an Schrift und reformatorisches Bekenntnis dagegen: »Unerschrocken verkündigen, treulich beten und, wenn es nötig ist, leiden.« Die geistige Kontinuität zum hoch geschätzten Gründerehepaar der Kommuntät, Hanna und Walter Hümmer, schien nicht mehr gewährleistet, der Auszug die zuletzt unvermeidliche Konsequenz. Weil in Falkenstein gerade das einstige Krankenhaus frei wurde und neue Nutzer erbeten waren, landeten die Oberfranken mitten in der katholischen Oberpfalz.

Zunächst schien die Endgültigkeit der Trennung nicht besiegelt. »Viele fragen noch heute: Geht's nicht mehr zusammen?«, sagt Pfarrer Gerhard Muck, der seit 2001 in Falkenstein wirkt, um die Frage sogleich zu verneinen. Die alten Wunden sind vernarbt, »wir können uns ins Auge sehen«, betont Bruder Philippus. Doch die geistlichen Unterschiede sind geblieben.

Die Falkensteiner verstehen sich als konservativer Eckstein im Mosaik der bayerischen Kommunitäten. Sie wirken unter dem Dach der Landeskirche, verhehlen aber nicht ihre kritische Distanz. Kirchenleitung und Synode entwickelten »an immer mehr Stellen ein reformatorisches Schrift- und Christusverständnis zu einem existenzialistisch-philosophisch ausgehöhlten Schrift- und Christusverständnis«, heißt es in einem Grundsatzpapier. Und, durchaus kämpferisch: »Wir sehen uns der Kirchenleitung nur insofern zu Gehorsam verpflichtet, als sie selbst sich an Schrift und Bekenntnis bindet.« Die letzte Stippvisite eines Landesbischofs liegt viele Jahre zurück. Die Christusbruderschaft ist Mitgliedsgemeinschaft im Arbeitskreis Bekennender Christen (ABC), ihr langjähriger geistlicher Begleiter war ABC-Sprecher Pfarrer Wolfhart Schlichting. Auch im Verhältnis zu anderen ordensähnlichen Gemeinschaften pflegen die Falkensteiner vorsichtige Distanz. »Eine starke Anlehnung an monastische Traditionen ist nicht unser Auftrag« unterstreicht Bruder Philippus, der mit Gerhard Muck und Schwester Marion die Vorstandschaft der »Christusbruderschaft Falkenstein e.V.« bildet: »Bei uns steht der Dienst im Vordergrund.«

Im Mittelpunkt dieses Dienstes steht die biblische Missionsarbeit. In dem einstigen Krankenhaus, umgebaut und 1993 um einen modernen Gästetrakt mit einer lichtdurchfluteten, geräumigen Hauskapelle erweitert, finden an 40 Wochenenden im Jahr Jugend- und Familienfreizeiten statt. Falkensteiner Brüder und Schwestern leiten Bibelfreizeiten in Österreich, Kroatien und Norwegen und Gemeindebibelwochen. Sie betreuen Hauskreise und sind in der Seelsorge im Straubinger Gefängnis tätig. Diakonisches Standbein ist eine kleine Krankenpflegestation; ein hauseigener Verlag vertreibt vor allem Bekenntnisschriften des Ehepaares Hümmer und Bibelpostkarten. Getragen wird all dies nicht nur vom engsten Kreis der Falkensteiner, den Mitgliedern der Dienstbruderschaft, von denen fast alle inzwischen über 60 sind.

Zwei Familien, die des Pfarrers und die des Kochs, leben in engerer Verbindlichkeit zur Gemeinschaft, Zivildienstleistende, Absolventen des Freiwilligen Sozialen Jahres, Ehrenamtliche und Freunde aus der näheren Umgebung fügen sich dazu. Der weitere Freundeskreis umfasst Sympathisanten in ganz Deutschland, von denen sich einige hundert zum jährlichen Treffen in der Oberpfalz einfinden.

Die Zukunft der Gemeinschaft ist wie die aller kleineren Kommunitäten noch ohne klare Konturen. Gerhard Muck kann sich vorstellen, dass Familien, die in »verbindlicher Christusnachfolge« leben wollen, einmal die Lücken füllen könnten, die bei weiter ausbleibendem Nachwuchs der Dienstbruderschaft entstehen wird. »Es klingt vielleicht sehr fromm, aber Gott wird uns den Weg weisen«, glaubt der Pfarrer.

Es klingt auch ein wenig ratlos.

Kommunitäten in Bayern

 

Alle Folgen der » Kommunitäten-Serie und weitere Informationen finden Sie » hier...

 

TAGUNGSANGEBOTE

In Falkenstein finden im ganzen Jahr wechselnde Veranstaltungen statt:

  Besinnliche Wochenenden: 13.-15. Februar, 9.-11. Juli, 29.-31. Oktober

  Wochenenden für Frauen (mit Kinderbetreuung): 27.-29. Februar, 12.-14. November

  Frauenfreizeiten: 15.-20. März, 20.-25. September.

  Freizeiten für Pfarrfrauen und Mitarbeiterinnen: 10.-15. Mai, 18.-23. Oktober

  Stille Wochenenden: 26.-28. März, 25.-27. Juni, 19.-21. November, 3.-5. Dezember

  Frauentage: 14. März, 28. November

  Jugendtage: 7. März, 10. Oktober

Hinzu kommen eine Reihe von Bibelfreizeiten im In- und Ausland in Ferienzeiten.

Nähere Informationen:
Christusbruderschaft Falkenstein
Krankenhausstraße 26
93165 Falkenstein
Tel. (09462) 9400-0
Fax (09462) 9400-10

Internet:  www.christusbruderschaft- falkenstein.de

Thomas Greif

 


Valid HTML 4.01 Transitional

/news/aktuell/2004_06_08_01.htm
abgerufen 08.02.2012 - 11:25 Uhr

© Sonntagsblatt 1998-2012, ImpressumWebmaster
Angebote für Webmaster