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Dieser Artikel: Ausgabe 04/2004 vom 25.01.2004
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Geheimnis der Gegenwart Gottes

Kommunitäten in Bayern (4): Der Casteller Ring auf dem Schwanberg


Jugendarbeit wird auf dem Schwanberg groß geschrieben. Die CCR entwickelte sich aus der Pfadfinderinnenarbeit. Im vergangenen Jahr wurde der Jugendhof für Kinder, Jugendliche und Familien eingeweiht.
Foto: CCR
   Jugendarbeit wird auf dem Schwanberg groß geschrieben. Die CCR entwickelte sich aus der Pfadfinderinnenarbeit. Im vergangenen Jahr wurde der Jugendhof für Kinder, Jugendliche und Familien eingeweiht.

Beständigkeit und Wandel - zwischen diesen Polen bewegt sich die 53-jährige Geschichte der Communität Casteller Ring (CCR). Bis heute halten die derzeit 36 evangelischen Ordensfrauen auf dem Schwanberg in Unterfranken fest am gemeinsamen Leben nach der benediktinischen Regel und den so genannten evangelischen Räten Gütergemeinschaft, Ehelosigkeit und mündiger Gehorsam. Doch die Aufgaben der Gemeinschaft haben sich mit den Jahren verändert: Jugendarbeit in verschiedenen Formen und in den vergangenen Jahren eine verstärkte Hinwendung zu Meditation und Kontemplation.

Die Wurzeln der Communität liegen im nahen Castell bei einer Gruppe christlicher Pfadfinderinnen um Jugendleiterin Christel Schmid. Unter dem Einfluss eines Münsterschwarzacher Benediktinerpaters entstand eine klösterliche Gemeinschaft, beginnend mit dem Morgengebet von Schmid und Maria Pfister am 15. Februar 1950. Anfangs führten die beiden Frauen und weitere hinzukommende Mitglieder ihr Gemeinschaftsleben im Verborgenen. An die Öffentlichkeit trat die Communität 1957 mit dem Umzug nach Schloss Schwanberg. 1962 bezogen die Schwestern einen Erweiterungsbau, dem 1980 ein eigenes Ordenshaus folgte. Die St. Michaelskirche wurde 1987 nach Plänen des Münchner Architekten Alexander von Branca errichtet.

Anfangs als »katholisch« beargwöhnt, hat die CCR heute einen festen Platz in der lutherischen Kirche, gilt als ökumenisch offen und erfüllt Bedürfnisse nach geistlicher Orientierung ebenso wie nach »handfestem Christentum«. Längst verwaltet sich die Gemeinschaft in demokratischen Strukturen, wählt alle sechs Jahre ihre Priorin und trifft Entscheidungen im Schwesternrat. Innerhalb der Gesamtgemeinschaft werden alle zwei Jahre neue Kleingruppen von sechs bis acht Schwestern gebildet, die sich einmal wöchentlich intensiv austauschen, Themen bearbeiten und einen gemeinsamen Etat verwalten. Derzeit gehören zwei Novizinnen zur CCR, weitere Eintritte sind laut Priorin Ursula Buske momentan nicht absehbar.

Um die Communität herum versammeln sich weitere Gruppen. Rund 35 so genannte Oblatinnen halten engen Kontakt zu den Schwestern und untereinander, schließen sich in ihrem Alltag dem geistlichen Leben auf dem Schwanberg an. Jeweils für ein Jahr finden sich junge Leute zwischen 20 und 35 zum Jahresring zusammen, suchen nach Lebenswegen und geistlicher Orientierung.

Eine mehrjährige Bauphase bildete im vergangenen Jahr den Abschluss eines längeren Erneuerungsprozesses. Nach einer Beratung von außen veränderte sich die Arbeit auf dem Schwanberg; in die Leitung des Geistlichen Zentrums wurde mit Christian Klose erstmals ein externer Geschäftsführer berufen. Aus zwei wurden drei Gästehäuser jeweils mit eigenem Profil: Das Einkehrhaus St. Michael bietet vor allem meditative und kontemplative Veranstaltungen an. Im Jugendhof ist Platz für Kinder, Jugendliche und Familien. In Kooperation mit dem unterfränkischen Schullandheimwerk wird besonderer Wert auf die Integration behinderter Jugendlicher gelegt. Im Schloss treffen sich vor allem kirchliche Gruppen, aber auch Betriebsseminare finden statt. Neu gestaltet und verpachtet wurde auch das Schwanberg-Café, vor allem am Wochenende Anziehungspunkt für Ausflügler.

Über allem stehe das Anliegen der Communität, Menschen an Glaube, Kirche und Liturgie heranzuführen, beschreibt Ursula Buske den Auftrag. Besonders von Jugendlichen hört sie die Frage nach Gott mit einem neuen Klang: suchend statt skeptisch-ironisch wie in vergangenen Jahren.

Die Konzentration der Arbeit auf dem Schwanberg hatte auch Veränderungen in anderen Bereichen zur Folge. In diesen Tagen wurde die Stadtstation in Augsburg geschlossen. Einzige Station außerhalb Unterfrankens ist das Augustinerkloster in Erfurt, wo sieben Schwestern ein geistliches Angebot aufrechterhalten. Die meisten übrigen Ordensfrauen arbeiten im Geistlichen Zentrum oder leisten ihren Beitrag im Rahmen eines aktiven Ruhestands.

Bei aller Aktivität bleibt die Michaelskirche das Zentrum der Gemeinschaft, das »Wohnzimmer«, wie die Priorin formuliert. Hier treffen sich die Schwestern täglich viermal zum Gebet und zu drei Abendmahlsgottesdiensten pro Woche. »Wir wollen vom Geheimnis der Gegenwart Gottes leben und versuchen, diese immer wieder zu feiern«, nennt Buske das nach über 50 Jahren unveränderte zentrale Anliegen der Communität.

Kommunitäten in Bayern

 

Alle Folgen der » Kommunitäten-Serie und weitere Informationen finden Sie » hier...

 

INTERVIEW

Im Dezember 2002 wurde Ursula Teresa Buske (44) als Priorin der Communität Casteller Ring eingeführt. Nach rund einjähriger Amtszeit zieht die gelernte Diplomkauffrau eine erste Bilanz. » mehr!

TAGUNGSANGEBOTE

  »Wie viel Brot braucht der Mensch?«, Meditation in der Fastenzeit. 26. bis 28. März

  Mädchenwoche »girls only« für Mädchen ab 9 Jahren. 14. bis 18. April

  »Fenster zum Himmel«, Ikonenmalkurs. 10. bis 19. Mai

  Sommerfreizeit für Familien. 13. bis 22. August

  Schwanbergtag mit Gottesdienst und Tag der Offenen Tür im Geistlichen Zentrum. 20. Juni ab 10 Uhr

INFORMATION UND ANMELDUNG beim Geistlichen Zentrum Schwanberg, 97348 Rödelsee, Tel. (09323) 320, Fax (09323) 32116, E-Mail: anmeldung@schwanberg.de

Beate Krämer

 


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abgerufen 09.02.2012 - 00:38 Uhr

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